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Ein Scientologe aus dem Raum Stuttgart ist seit Beginn der Querdenker-Bewegung in der Organisation aktiv. Ob er auch weltanschauliche Inhalte von Scientology bei Querdenken-711 einbringt, ist unklar.

Ein selbstständiger Unternehmer aus Württemberg, der sich bei Querdenken-711 einbringt, ist zusammen mit seiner Ehefrau seit langem bei Scientology aktiv. Das belegen Recherchen von SWR und t-online. Ein Foto in der Scientology-Mitgliederzeitschrift "Impact" aus dem Jahr 2017 zeigt beide und nennt die Namen in der Bildunterschrift.

Anlass für die Veröffentlichung war nach Angaben der Zeitschrift eine Spende über 100.000 US-Dollar der beiden Schwaben. Auf einer Webseite von Scientology findet sich zudem ein aktuelles Video, in dem die Ehefrau samt Mann und einem Kind zu sehen ist, wie sie ein Buch des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard lesen.

Auftritte bei Querdenken-Demos

Mit dem Gründer von Querdenken-711, Michael Ballweg, war der Scientologe und Unternehmer offenbar schon seit dem Frühjahr 2020 bekannt. Ballweg selber stellte ihn am 16. Mai auf einer Querdenker-Demonstration auf dem Cannstatter Wasen vor und betonte, er sei "seit Anfang an, seit der ersten Demo mit dabei".

Er "stecke viel Zeit" in Querdenken und es sei ihm wichtig, Demos zu organisieren. In seiner Ansprache behauptete der Mann dann, er habe vier Wochen zuvor in der Stuttgarter Innenstadt die Erfahrung gemacht, dass es damals "illegal" gewesen sei, ein Grundgesetz in der Hand zu halten und in der Öffentlichkeit zu zeigen - eine typische verschwörungsideologische Behauptung, wie sie öfter von Querdenkern geäußert wird.

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Scientology distanziert sich von Querdenker-Bewegung

"Wir sind nicht für den Lebenslauf einzelner Aktivisten verantwortlich", heißt es auf die Frage des SWR an Michael Ballweg, ob ihm das Engagement des Unternehmers für Scientology bekannt sei, aus Ballwegs Team.

Der Verein Scientology Baden-Württemberg äußerte sich mit Hinweis auf den Datenschutz nicht konkret zu der Mitgliedschaft des Unternehmers. Der Sprecher Herbert Marks deutete an, dass scientologische Organisationen weltweit Präventionskampagnen gegen Covid-19 durchgeführt hätten. Allein In Deutschland habe man 115.000 Broschüren zu dem Thema in Umlauf gebracht.

Im Namen von Scientology wies Marks jegliche Verbindung zur Vereinigung der Querdenker zurück: "Wir als Kirche distanzieren uns sowohl was den Umgang mit der Covid-19 Pandemie betrifft als auch von den politischen Aktivitäten der Quer-Denker Bewegung", so Marks.

Verfassungsschutz bestätigt Linie von Scientology

Diese offizielle Linie der Scientology-Organisation hat auch der baden-württembergische Verfassungsschutz dem SWR gegenüber bestätigt. Eine generelle Verharmlosung der Pandemie durch die Scientology-Organisation oder eine durch sie gesteuerte Beteiligung am Protestgeschehen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen seien "nicht festzustellen". Der Verfassungsschutz habe jedoch "Kenntnis von einzelnen Mitgliedern der Organisation, die sich am Protestgeschehen gegen die staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie engagieren."

Der Unternehmer selber äußerte sich auf Anfrage des Internetportals "t-online", er habe sich nur deswegen engagiert, weil er es "als meine bürgerliche Pflicht sehe, diesen massiven Grundrechtsverletzungen Einhalt zu bieten". Gegenüber dem SWR stellte Marks klar, dass man zwar keine Mitglieder "überwache [...] um zu prüfen, ob sie sich privat an unsere kircheninternen Vorgaben halten". Sollte sich im Einzelfall ein Widerspruch ergeben, "weisen wir unsere Mitglieder auf die Einhaltung unserer Kirchenrichtlinien hin und ergreifen gegebenenfalls kirchenrechtliche Maßnahmen bis hin zum Ausschluss."

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