Windräder vor bewölktem Himmel (Foto: Colourbox)

Kretschmann glaubt weiter an Besserung

Klimaschutzziel gefährdet: BW kommt bei CO2-Ausstoß nicht vom Fleck

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Henning Otte
Iris Volk

Baden-Württembergs Klimaschutzziel bleibt nach aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamts in weiter Ferne. Die Landesregierung beruft sich auf bisherige Erfolge.

Baden-Württemberg kommt beim Klimaschutz nicht von der Stelle. Doch Regierungschef Winfried Kretschmann und Umweltministerin Thekla Walker (beide Grüne) finden: Die Landesregierung hat schon viel erreicht. Kretschmann verwies am Dienstag vor allem auf einen "enormen Hochlauf bei Photovoltaik". Seit Mai gibt es eine Photovoltaikpflicht für alle neuen Wohngebäude, zudem hat die Landesregierung mehr Freiflächen für Solaranlagen geöffnet. "Es wird besser, das ist ein Faktum", sagte der Grünen-Politiker.

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Beim schleppenden Ausbau der Windkraft sieht er die letzte Bundesregierung in der Verantwortung: 2017 haben neue Ausschreibungsrichtlinien nach Kretschmanns Ansicht die Windkraft in Baden-Württemberg ausgebremst.

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Klimabilanz für Baden-Württemberg: Zuversicht trotz schlechter Statistik

Walker machte darauf aufmerksam, dass in Baden-Württemberg die kommunale Wärmeplanung schon weiter als in anderen Bundesländern vorangeschritten sei. Beim Wärmegipfel vergangene Woche sei bei allen Beteiligten eine Aufbruchstimmung zu spüren gewesen. Sie will sich nicht entmutigen lassen: "Man muss auch bei Rückschlägen dranbleiben. Es ist immer noch möglich, auch Ziele zu erreichen."

Die aktuellen Zahlen sehen allerdings nicht gut aus: Laut Statistischem Landesamt sind die CO2-Emissionen im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2021 nur um 0,4 Prozent gesunken. Das Ziel bis 2030 ist eigentlich: Ein Minus von 65 Prozent der Emissionen im Vergleich zu 1990. Bisher ist nicht viel passiert. Um das Ziel zu erreichen, dürften laut Statistischem Landesamt 2030 nicht einmal mehr die Hälfte der Emissionen von 2022 ausgestoßen werden.

Energiesektor für schwache Bilanz bei CO2-Einsparung der Treiber

Vor allem der Bereich der Energieerzeugung hat die Klimabilanz 2022 belastet. Der Sektor Energiewirtschaft, der etwa 28 Prozent der Gesamtemissionen in Baden-Württemberg verursacht, stieß 1,8 Millionen Tonnen mehr klimaschädliches Kohlendioxid aus als 2021. Das ist ein Anstieg von zehn Prozent. Wichtigster Grund dafür war laut Statistischem Landesamt, dass wegen der gedrosselten Gaslieferungen aus Russland vermehrt Steinkohle verbrannt wurde, um die Versorgung zu sichern.

Im Autoland gehen im Verkehr die CO2-Werte weiter hoch

Auch im Verkehrssektor ist der CO2-Ausstoß erneut gestiegen. Er ist für 28 Prozent der Treibhausgase verantwortlich. Im Vergleich zu 2021 lag der Anstieg bei 0,1 Millionen Tonnen – ein Plus von 0,4 Prozent. Während die Emissionen bei Autos, Bussen und Motorrädern um vier Prozent zunahmen, ging es im Güterverkehr um 5,7 Prozent herunter. Die Emissionen der schweren Lastwagen sanken um fast 11 Prozent. Die Statistikerinnen und Statistiker führen das auf die vergleichsweise schwache Konjunktur zurück, die 2022 zu weniger Gütertransporten geführt habe."

Umweltministerin Walker reagierte auf die Statistik gelassen: "Diese Zahlen sind für mich nochmal die Aufforderung: Wir müssen intensiv dranbleiben." Und Regierungschef Kretschmann verkündete sogar: "Wir werden nicht scheitern."

Rückgang nicht wegen Umstellung

Immerhin: Teilweise sind Emissionen auch gesunken - in der Industrie um 10,3 Prozent, im Gebäudebereich um 5,4 Prozent für warmes Wasser und Heizen. Dahinter steckt nach Ansicht der Statistikerinnen und Statistiker aber kein Umstieg auf erneuerbare Energien. Beim Thema Heizen lag der Rückgang unter anderem an hohen Energiepreisen und am milden Winter. In der Industrie haben demnach unter anderem Unsicherheiten bei der Versorgung mit Erdgas und die eingeschränkte Verfügbarkeit von Rohstoffen zu weniger Emissionen geführt.

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist laut Statistischem Landesamt um sieben Prozent gestiegen. Dieser Anstieg hat mit dafür gesorgt, dass die Klimabilanz im Zuge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine nicht noch schlechter ausgefallen ist. Doch ob das reicht, um das Klimaziel für 2030 zu erreichen, ist fraglich.

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