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Am Montag sollen die Fünft- und Sechstklässler zurück in den Präsenzunterricht kommen. Kultusministerin Eisenmann hält die Vorkehrungen für ausreichend - doch der Landeselternbeirat ist alarmiert.

Der Landeselternbeirat Baden-Württemberg (LBE) hat sich in einer Mitteilung angesichts der herrschenden Pandemiebedingungen gegen eine Voll-Öffnung der Klassen fünf und sechs ausgesprochen. Er beruft sich dabei auf eine eigene Umfrage unter 120.000 Eltern. Am Donnerstag forderte der LBE die Landesregierung auf: "Beenden Sie das Schulchaos sofort und hören sie auf, Schulen und Eltern mit sich fast täglich widersprechenden Informationen zu verunsichern!"

Angesichts der "sich täglich ändernden Informationen über Test-Möglichkeiten und -Verfahren an den Schulen und völlig unterschiedlichen Test-Voraussetzungen und -Zeiten an jeder einzelnen Schule" sei es laut LBE unmöglich, bis zum kommenden Montag die vom Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) gesetzten Sicherheitsanforderungen für einen Unterricht unter Pandemiebedingungen einzuhalten. Der Verband Bildung und Erziehung Baden-Württemberg (VBE) sieht das ähnlich. Er bat das Land am Donnerstag in einer Mitteilung, das Öffnungsszenario für die Grundschulen und Klassen 5 und 6 nochmals zu überdenken: "Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der Öffnung waren die Inzidenzen noch beherrschbar, in den letzten Tagen sind sie jedoch kontinuierlich gestiegen. Das RKI und führende Virologen sehen uns am Beginn der dritten Welle", so der VBE.

Selbst bei Inzidenzwerten unter 50 beziehungsweise unabhängig von der Inzidenz wünschen sich laut der Umfrage des Landeselternbeirats 60 Prozent aller Eltern Wechselunterricht, also einen Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht. Demgegenüber wünschten bei den beiden gleichen Stufen nur circa 40 Prozent aller Eltern Unterricht in Klassenstärke. Am Mittwoch (Stand 16 Uhr) lag die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner laut Landesgesundheitsamt bei 62,7 - Tendenz steigend.

Eltern: Eisenmann hinterlässt "trauriges Abschiedsgeschenk"

Insbesondere Grundschuleltern forderten zudem mehrheitlich selbst im Unterricht eine Maskenpflicht, so der Landeselternbeirat. Bei allen weiterführenden Schulen würden in der Mehrheit sogar mindestens OP-Masken erwartet.

Leider stehe zu befürchten, dass Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) dem Land "mit haarsträubenden Entscheidungen zur Voll-Öffnung der Klassen 5/6 ein trauriges Abschiedsgeschenk hinterlässt!", erklärte Michael Mittelstaedt, der Vorsitzende des Landeselternbeirats.

Streit innerhalb der Landesregierung

Ab kommender Woche sollen die fünften und sechsten Klassen der weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg zurück in den Präsenzunterricht gehen. Dabei gab es Streit innerhalb der Landesregierung, wie dabei die Abstandsregeln eingehalten werden müssen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte darauf bestanden, dass "die Öffnung der Klassen fünf und sechs unter der Maßgabe erfolgt, dass der Abstand eingehalten wird". Kultusministerin Eisenmann müsse das organisieren.

Am Donnerstag hieß es dann aus dem Staatsministerium: Eine Anweisung an das Kultusministerium sei nicht möglich, man habe angeregt, die Abstandsregeln nochmals zu prüfen. Eisenmann beruft sich auf die geltende Corona-Verordnung der Landesregierung, in der keine Abstandsregeln für Schulen formuliert sind.

Kein förmliches Abstandsgebot ab Montag in Schulen

Am Montag werde es kein "förmliches Abstandsgebot" geben. Die Schulen sollen dafür sorgen, dass die Kinder von Montag an - wenn möglich - beim Präsenzunterricht den coronabedingten Abstand von eineinhalb Metern einhalten. Kultusministerium und Staatsministerium bestätigten am Donnerstag in Stuttgart, dass die tagelange Diskussion darüber zwischen Eisenmann und Ministerpräsident Kretschmann beendet sei.

Regierungssprecher Rudi Hoogvliet sagte am Donnerstag: "Die Ministerin hat uns zugesichert, dass der Abstand im Präsenzunterricht eingehalten werden kann durch entsprechende Organisation vor Ort. Darauf müssen wir uns verlassen." Eisenmanns Sprecher Nils Mayer betonte, "dass die vorgegebenen Regeln für den Präsenzunterricht in den Klassen 5 und 6 pragmatisch umgesetzt werden". Zuvor hatte Eisenmann in einem Rundschreiben an die Schulen bereits dazu aufgerufen, nach Möglichkeit auf Mindestabstände zu achten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte am Montag kritisiert, der geplante Start in den Präsenzunterricht der Klassen fünf und sechs sei unter den jetzigen Bedingungen nicht zu verantworten. Die Bildungsgewerkschaft fordert Wechsel- statt Präsenzunterricht.

Zwei kostenlose Tests pro Woche

Inzwischen hat sich die Landesregierung offenbar auf eine Teststrategie geeinigt. Bei der Rückkehr der fünften und sechsten Klassen in die Schulen sollen die Kinder, wie schon die Lehrkräfte, zweimal pro Woche kostenlos getestet werden. Die Eltern sollen sich laut Landesregierung darum kümmern, dass sich ihre Kinder bei Apotheken, Hausärzten oder kommunalen Anlaufstellen beziehungsweise kommunalen Anlaufstellen an Schulen auf das Coronavirus testen lassen. Erst nach den Osterferien, am 12. April, soll es flächendeckende Testzentren an den Schulen geben.

Stadt Stuttgart empfiehlt Maske auch in Grundschulen

Angesichts der steigenden Corona-Neuinfektionen und der Zunahme von ansteckenderen Virusvarianten hat die Stadt Stuttgart am Mittwoch empfohlen, dass auch Grundschülerinnen und -schüler eine nicht-medizinische Alltagsmaske oder eine vergleichbare Mund-Nasen-Bedeckung in der Schule tragen sollten. Kinder sollten dabei die Möglichkeit haben, die Masken bei Bedarf abzunehmen oder eine Maskenpause einzulegen.

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