Blaue Stühle in einem Klassenzimmer sind auf die Tische gestellt (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Angelika Warmuth)

Präsenzunterricht und Tests statt Quarantäne

Schulstart unter Corona-Bedingungen: So lief der erste Schultag nach den Ferien

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In Baden-Württemberg hat am Montag für 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler das neue Schuljahr begonnen. Der Unterricht soll auch bei steigenden Infektionszahlen in Präsenz stattfinden.

Ein turbulentes Schuljahr mit Schulausfällen, Homeschooling und Wechselunterricht liegt hinter vielen Schülerinnen und Schülern. Ob das kommende Schuljahr einigermaßen normal laufen wird, weiß derzeit noch niemand. Für 95.000 Kinder in Baden-Württemberg ist der Schulbeginn besonders spannend - denn sie sind in die erste Klasse gekommen.

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Mehr Normalität als im vergangenen Schuljahr?

Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) wünscht sich, dass in diesem Schuljahr wieder mehr Normalität in den Schulen einkehrt. Die Schule sei ein wichtiger Lebens- und Sozialraum für Kinder und Jugendliche. Schopper ruft daher alle Erwachsenen dazu auf, sich impfen zu lassen. Das sei wichtig, um Kinder und Jugendliche zu schützen und die Schulen offen zu halten.

"Wir tun alles, um dauerhaft Präsenzunterricht anzubieten."

Mit zusätzlichen Schutzmaßnahmen will das Kultusministerium den Präsenzunterricht an den 4.500 Schulen in Baden-Württemberg sicherstellen. Für Lehrkräfte sowie die Schülerinnen und Schüler gilt Maskenpflicht auch im Unterricht - unabhängig von den Infektionszahlen. Ausnahmen gelten beispielsweise in den Pausen außerhalb der Gebäude, beim Musikunterricht, im Sportunterricht, bei Prüfungen oder beim Essen und Trinken.

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Regelmäßige Corona-Tests vorgesehen

Die Schülerinnen und Schüler werden weiterhin regelmäßig getestet, zunächst wie vor den Sommerferien zweimal wöchentlich, ab 27. September dreimal pro Woche. Bei PCR-Tests bleibt es jedoch bei zweimal. Grundsätzlich können sich Schülerinnen und Schüler in der Schule testen. Bei Grundschülern können auch die Eltern den Test zuhause durchführen und das Ergebnis bestätigen, wenn die Schule dies erlaubt.

Beschäftigte in Schulen und Kitas, die weder geimpft noch genesen sind, müssen sich jeden Tag vor Arbeitsbeginn testen. Lehrkräfte an öffentlichen Schulen, die der Testpflicht nicht nachkommen, verletzen laut Landesregierung ihre Dienstpflichten. Das Regierungspräsidium prüft und veranlasst gegebenenfalls dienst- oder arbeitsrechtliche Schritte.

Testen statt Quarantäne

Statt Quarantäne sind Schülerinnen und Schüler verpflichtet, sich fünf Tage lang täglich mit einem Schnelltest zu testen. Für eine Klasse oder Lerngruppe, in der die Infektion aufgetreten ist, gilt außerdem, dass sie für fünf Schultage nur noch im bisherigen Klassenverband oder in der bisherigen Lerngruppe unterrichtet werden dürfen.

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Grundsätzlich gilt wieder Präsenzpflicht

Anders als im vergangenen Schuljahr besteht grundsätzlich eine Präsenzpflicht an den Schulen. Schülerinnen und Schüler müssen in die Schule, ansonsten droht ein Bußgeld. Kann mittels ärztlicher Bescheinigung nachgewiesen werden, dass bei einer in häuslicher Gemeinschaft lebenden Person das Risiko eines besonders schweren Verlaufs der Krankheit Covid-19 besteht, ist eine Befreiung von der Präsenzpflicht möglich.

Der Tübinger Regierungspräsident Klaus Tappeser ist angesichts der Corona-Regeln für Schulen optimistisch: An den Schulen im Regierungsbezirk Tübingen könne mit den neuen Regelungen jetzt wieder Normalität einkehren, sagte er zum Schulstart am Montag.

Luftfilter werden gefördert

Für eingeschränkt belüftbare Räume und für Räume, die von den Klassenstufen 1 bis 6 genutzt werden, hat das Land zudem ein Förderprogramm aufgelegt, mit dem mobile Luftfilter gefördert werden können. Bereits mehr als 1.000 Träger von Schulen und Kitas haben beim Land die Förderung mobiler Luftfilter und CO2-Ampeln beantragt.

Insgesamt seien beim Kultusministerium Anträge in Höhe von rund 47,9 Millionen Euro eingegangen, davon entfallen circa 34,6 Millionen Euro auf Schulen und 13,3 Millionen Euro auf Kitas.

Lehrerverbände befürchten Schulschließungen

Lehrerverbände kritisieren, dass sichere PCR-Tests nicht die Regel sind, und befürchten Schulschließungen im Herbst und Winter. Der Philologenverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erklärten, es sei fahrlässig, die Sicherheitsmaßnahmen abzubauen. "Ich gehe deshalb davon aus, dass im Herbst Corona an den Schulen massiv toben wird", sagte Ralf Scholl, Vorsitzender des baden-württembergischen Verbands der Gymnasiallehrer, der Deutschen Presse-Agentur. Auch Kultusministerin Theresa Schopper will dies für den Fall neuer Virus-Varianten nicht ausschließen.

Landesschülersprecherin Elisabeth Schilli begrüßte im Interview mit SWR Aktuell, dass die Landesregierung Schulschließungen möglichst vermeiden will. Allerdings gehe die Gesundheit vor. Einige Kinder und Jugendliche litten bereits an sogenannten Long Covid-Erkrankungen. Als Alternative zu Schulschließungen schlug Schilli vor, dass das Land bei steigenden Infektionszahlen zunächst Wechselunterricht einführt, bevor es zu einem kompletten Homeschooling kommt. Hierbei gingen viel "zwischenmenschliche Erfahrungen" verloren, so Schilli. Das könne man digital nicht richtig umsetzen. Außerdem forderte die Landesschülersprecherin Luftfilter in allen Klassenräumen, PCR-Tests und mehr Impfungen.

Lernrückstände aufholen

Die digitalen Angebote des Landes, Moodle oder Jitsi beispielsweise, sollen auch weiterhin zum Einsatz kommen und den Präsenzunterricht in Schulen gegebenenfalls ergänzen. Um den Lernrückständen von Schülerinnen und Schülern entgegenzuwirken, stellt das Land außerdem finanzielle Mittel im Rahmen des Förderprogramms "Lernen mit Rückenwind" bereit.

Welche Fördermaßnahmen die Schulen dabei umsetzen, bleibt den Einrichtungen selbst überlassen. Auch das Institut für Bildungsanalysen (IBBW) und das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) unterstützen die Schulen, beispielsweise mit Diagnose- und Testverfahren, die Lernrückstände aufdecken sollen, oder durch Informations- und Fortbildungsangebote.  

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SWR