Unterricht während Corona-Pandemie (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)

Klare Ansage an die Politik

Tausende Unterschriften für #WirWerdenLaut-Petition: Schüler fordern mehr Schutz gegen Corona

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Seit fast zwei Jahren leiden vor allem Schülerinnen und Schüler unter der Corona-Pandemie. In einem offenen Brief wenden sie sich nun mit klaren Forderungen an die Politik.

Kinder und Jugendliche haben seit Beginn der Pandemie mit erheblichen Einschränkungen zu kämpfen. Doch nun sei die Belastungsgrenze erreicht, heißt es in einem offenen Brief, den Anjo Genow auf seinem Twitter-Account teilt. Der Schulsprecher eines Berliner Gymnasiums und Mitglied des Länderschulausschusses schreibt: "#WirWerdenLaut und veröffentlichen heute einen offenen Brief mit über 100 #Schulsprecher:innen aus ganz Deutschland, in dem wir unsere Forderungen an die Politik darlegen."

Es muss endlich mit uns Schüler:innen gesprochen werden. #WirWerdenLaut und veröffentlichen heute einen offenen Brief mit über 100 #Schulsprecher:innen aus ganz Deutschland, in dem wir unsere Forderungen an die Politik darlegen. (1/n) @Karl_Lauterbach @starkwatzinger @PrienKarin https://t.co/X4mKTHPQJ6

Mit dem offenen Brief geht eine Petition einher, die mittlerweile Tausende Unterschriften gesammelt hat. Der Brief beinhaltet klare Forderungen an die Politik und richtet sich unter anderem an Bundesministerin für Bildung und Forschung Bettina Stark-Watzinger (FDP), Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), Präsidentin der Kultusministerkonferenz Karin Prien (CDU) und an die Regierungspräsidien der Länder.

Schulen müssen auf Herbst 2022 vorbereitet werden

Mit der anhaltenden Omikron-Welle verlangen viele Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Forschende einen besseren Infektionsschutz an den Schulen. Genow und seinen Mitunterzeichnerinnen und Mitunterzeichnern fehlt eine klare Richtlinie für Schulen. "Wir müssen davon ausgehen, dass diese fünfte Welle nicht die letzte sein wird. Dennoch fehlt weiterhin ein klares politisches Signal, dass für den Herbst 2022 und die Zeit danach Vorbereitungen getroffen werden!", schreibt Genow in dem offenen Brief. Unter den Erstunterzeichnern befinden sich auch Schüler aus Baden-Württemberg: Marlon Vetter und Petros Pennolidis, die Schulsprecher der Theodor-Heuss-Realschule in Gärtringen und Frederik Reuter, Schulsprecher des Kolleg St. Sebastian.

#WirWerdenLaut-Petition: Klare Forderungen an Politik

"Einen ehrlichen und öffentlichen Diskurs mit statt über uns", ist die erste Forderung der #WirWerdenLaut-Petition. Außerdem verlangen sie, Schulen mit Luftfiltern und kostenlosen FFP2-Masken auszurüsten und kleinere Lerngruppen und ein größeres Angebot an Notbetreuung einzurichten. Auch die Quarantänemaßnahmen zur Vorbeugung von Infektionen werden als unzureichend kritisiert. Gewünscht wären auch PCR-Pooltestungen sowie hochwertige Schnelltests an den Schulen.

Weiter heißt es, dass die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner eine Bildungspflicht statt Präsenzpflicht wünschen. Die Information über Neuinfektionen sollte reibungsloser verlaufen. Außerdem soll es eine Aufstockung des pädagogischen und schulpsychologischen Personals geben. Probleme, die während der Corona-Pandemie aufgetreten sind, müssten zudem für die Zukunft aufgearbeitet werden.

Nicht nur Schülerinnen und Schüler setzen sich für mehr Sicherheit an Schulen ein. Auch eine bundesweite Eltern-Initiative fordert ein besseres Konzept für sichere Bildung. Olaf Balk von der Initiative "Sichere Bildung Jetzt" war im SWR-Interview.

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Aktueller Abschlussjahrgang hat besonders stark zu kämpfen

Ein wichtiger Punkt der #WirWerdenLaut-Petition ist die Entlastung von Abschlussjahrgängen. Der aktuelle Jahrgang sei besonders stark von der Pandemie betroffen. "Für unsere Abschlüsse sollen wir beständig Leistungen erbringen. Doch von Beständigkeit konnte in den vergangenen zwei Jahren nicht die Rede sein", heißt es weiter. Deshalb wird darum gebeten, dass die Abschlussnoten müssten mit Rücksicht auf die Bedingungen berechnet werden. Weniger Leistungsdruck durch Kürzung oder Schwerpunktsetzung im Lehrplan würde dabei unterstützen. Außerdem sollten mehr Möglichkeiten für Ersatzsprüfungsleistungen geschaffen werden.

Schülerinnen und Schüler seien konstant psychischer und köperlicher Belastung durch ein hohes Infektionsrisiko und die Sorge, an Long Covid zu erkranken, ausgesetzt. Auch die Angst vor Verlust von Angehörigen und Freundinnen und Freunden sei belastend. Hinzukomme die Ungewissheit in Hinblick auf die Zukunft. "Schulen sind aktuell keine sicheren Lernräume", schreibt Genow. So könne es nicht weitergehen, daher habe man die #WirWerdenLaut-Petition ins Leben gerufen.

KMK-Präsidentin reagiert auf offenen Brief

Mittlerweile hat die Präsidentin der Kultusministerkonferenz auf den offenen Brief via Twitter reagiert. Dabei weist sie darauf hin, dass es einen regelmäßigen Austausch zwischen Schüler-, Eltern- und Lehrervertretungen auf Länderebene mit den Bildungsministerien gebe. Direkt nach ihrem Amtsantritt habe sie auch der Bundesschülerkonferenz Gespräche angeboten. Genow und seinen Mitunterzeichnerinnen und Mitunterzeichnern bot sie ein persönliches Gespräch an. "Volle Transparenz und wir streamen das Gespräch live, damit alle zuschauen können? Ich spreche Euren Brief morgen im KMK-Präsidium an", schrieb Prien.

Landesregierung hält an Präsenzunterricht fest

Die Vorsitzende des Landesschülerbeirats Baden-Württemberg, Elisabeth Schilli, sagte dem SWR am Donnerstagnachmittag, sie könne die Forderungen nachvollziehen. Es zeige sich, dass der Stellenwert der Bildung nach wie vor nicht sehr groß sei. Das baden-württembergische Kultusministerium teilte auf SWR-Anfrage mit, das Förderprogramm für Luftfilter orientiere sich an der Empfehlung, vor allem Klassenzimmer auszustatten, die nicht belüftet werden können. Da der Unterricht in der Schule für Kinder und Jugendliche wichtig sei, habe sich die Landesregierung bewusst dafür entschieden, die Präsenzpflicht nicht aufzuheben. 

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Der Druck von steigenden Infektionszahlen sei überall bemerkbar, sagte Monika Stein, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Gespräch mit dem SWR. "Viele Kinder und Jugendliche werden auch unruhiger und haben Angst davor, sich selber anzustecken oder davor, was mit ihnen passiert, wenn sie sich anstecken oder wenn sie die Infektion nach Hause tragen", so Stein.

Die Präsenz an Schulen wird von der Politik aufrechterhalten. "Gleichzeitig wird sehr wenig dafür getan, dass sie dort wirklich sicher sein können", sagte Stein. Auch Schilli stimmt dem am zu. Es gebe vor allem Ausbaumöglichkeiten in Hinblick auf die Ausstattung mit Luftfilteranlagen, PCR-Pooltest und FFP2-Masken für Schülerinnen und Schüler.

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