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BW-Kultusministerin Schopper will erneute Schulschließungen verhindern. Im neuen Schuljahr soll zudem mehr erlaubt sein. Die Opposition hielt ihr vor, zu wenig dafür zu tun.

Wenige Tage vor Beginn der Sommerferien hat Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) an alle Erwachsenen appelliert, sich im Sinne der Kinder schnell impfen zu lassen. "Es kann nicht sein, dass einerseits Erwachsene Party feiern dürfen und andererseits die nicht impfbaren Kinder die Leidtragenden sind", sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag im Landtag in Stuttgart. "Daher müssen wir alle zum Impfen gehen, und alle müssen dabei mitmachen."

Das sei der Schlüssel, damit die Delta-Variante des Coronavirus nicht grassiere und alle Schulen im kommenden Schuljahr offenbleiben können. Ebenso rief Schopper alle Schülerinnen und Schüler über 18 Jahren dazu auf, sich auch impfen zu lassen.

Zusatzangebote wie Chöre oder Theater-AGs wieder erlaubt

Schopper verschickte ein Schreiben an die Schulen, um über die Bedingungen des kommenden Schuljahrs zu informieren. So sollen Zusatzangebote wie Chöre oder Theater-AGs grundsätzlich wieder zugelassen werden. Angebote über Klassen, Jahrgänge und Schulen hinweg seien dann wieder möglich - sowohl im regulären Unterricht als auch außerhalb. Auch soll es im neuen Schuljahr wieder regulären Sportunterricht geben, so die Kultusministerin im SWR-Interview.

Klassenfahrten im Inland sind wieder möglich, Reisen und Schüleraustausch ins Ausland bleiben untersagt. Bei Fahrten müssten die Lehrkräfte auf Stornierungsmöglichkeiten achten, weil das Land im Fall einer Absage keine Kosten übernehmen könne.

Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) steht vor dem Landtag von Baden-Württemberg. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weissbrod)
Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) strebt einen dauerhaften Präsenzunterricht an allen Schulen nach den Sommerferien an. picture alliance/dpa | Bernd Weissbrod

Ministerin will dauerhaft offene Schulen im kommenden Schuljahr

Die Sommerferien beginnen dieses Jahr am 29. Juli und enden am 11. September. Angestrebt sei dann ein dauerhafter Präsenzunterricht an allen Schulen, erklärte Schopper im SWR. In dem Brief schreibt die Ministerin: "Erfreulicherweise hat sich das Infektionsgeschehen in den vergangenen Wochen so entwickelt, dass wir zum heutigen Zeitpunkt für das Schuljahr 2021/2022 von einem Unterrichtsbetrieb in Präsenz ausgehen."

Wegen der Reiserückkehrer könne jedoch "nicht vorausgesagt werden, ob und wie sich neue Varianten des Coronavirus ausbreiten". Zumindest in den ersten zwei Wochen nach den Ferien müssen alle in der Schule wieder Maske tragen. Zudem gehen die Tests bis zu den Herbstferien weiter.

Lehrkräfte sollen individuellen Lernstand erheben

Im Landtag zeigte sich Schopper im Gegensatz zur Opposition überzeugt, dass man bei den Vorbereitungen fürs kommende Schuljahr gut liege. Sie sei mit ihren Informationen extra ans Schuljahresende gegangen, um zu sehen: "Was können wir vertreten? Denn wir wollen nicht im Blindflug vorgehen." Es werde beim Schulanfang besonders Wert gelegt, darauf zu schauen, wie es den Schülerinnen und Schülern gehe. "Es geht nicht nur darum, mit einem Nürnberger Trichter entsprechend Rückstände aufzuholen, sondern auch darum, genau zu schauen, wo die emotionalen Defizite sind." Zudem müsse es eine "Phase des Ankommens" geben mit Ausflügen oder Wandertagen.

In den ersten Schulwochen sollen die Lehrkräfte den individuellen Lernstand erheben, damit präzise gefördert werden kann. Das Institut für Bildungsanalysen stelle Material für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch zur Verfügung. Zudem soll ein auf zwei Jahre angelegtes Förderprogramm starten. Dafür suche man noch Personal, etwa pensionierte Lehrer oder Lehrkräfte ohne Vertrag.

SPD: "Sie gefährden damit sehenden Auges die Zukunft der Kinder"

"Das ist zu wenig", beklagte der SPD-Schulexperte Stefan Fulst-Blei. Außer dem Namen "Rückenwind" sei über das Programm so gut wie nichts bekannt. Das Förderprogramm der grün-schwarzen Koalition in Höhe von 60 Millionen Euro für Luftfilter für Schulen und Kitas reiche bei weitem nicht aus. Alle Klassenzimmer müssten ausgerüstet werden. Als Beispiel ging die Stadt Ettlingen (Kreis Karlsruhe) voran. Am Mittwochabend hat der Gemeinderat entschieden, mehr als 200 Luftfilter für die Schulklassen zu kaufen.

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Fulst-Blei kritisierte außerdem, dass das Land in dieser Krise keine neue Lehrkräfte und pädagogischen Assistenten anstelle. "Sie gefährden damit sehenden Auges die Zukunft der Kinder in unserem Land."

Zu allem Überfluss komme Baden-Württemberg bei der Entwicklung einer Bildungsplattform nicht vom Fleck, monierte Fulst-Blei. Zuvor hatte das Ministerium nach Kritik von Datenschützern und Bildungsverbänden entschieden, auf den Einsatz des Softwarepakets Microsoft Office 365 bei der digitalen Plattform zu verzichten. Allerdings sollen Schulen, die bisher schon Microsoft nutzen, die Software weiter verwenden dürfen, bis eine Gesamtlösung zur Verfügung steht. Das dürfte nun allerdings noch über ein Jahr länger dauern.

Der Bildungsexperte der FDP, Timm Kern, warf der Landesregierung vor, den Schulen nicht genügend Personal zur Verfügung zu stellen. Er kritisierte vor allem, dass Referendare und Vertretungslehrer wie in jedem Schuljahr auch jetzt vor den Sommerferien entlassen werden - trotz Corona-Pandemie. "Ihre anhaltende Weigerung, insbesondere den Vertretungslehrerinnen und Vertretungslehrern endlich eine verlässliche berufliche Perspektive zu bieten, lässt sich nur mit einem Wort charakterisieren: Es ist unanständig", so Kern. Ein Vorwurf, den die Kultusministerin im Landtag nicht von der Hand weisen konnte. Schopper kündigte an, diese seit Jahren praktizierte Regelung ändern zu wollen.

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