Schülerinnen und Schüler einer 12. Klasse sitzen zu Unterrichtsbeginn in einem Klassenzimmer auf ihren Plätzen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert (Archivbild))

Im Falle von Mutationen

Kultusministerin schließt Schulschließungen in Baden-Württemberg nicht vollständig aus

STAND

Die Schulen im Land sollen nach dem Willen des Kultusministeriums offen bleiben. Doch im Falle von weiteren Mutationen könnte sich das auch ändern.

Das Landesgesundheitsamt (LGA) rechnet nach dem Beginn des neuen Schuljahres mit deutlichen steigenden Corona-Fallzahlen in Baden-Württemberg. "Es ist zu erwarten, dass die Inzidenz etwa in der Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen deutlich steigen wird", sagte der Leiter des Referats für Gesundheitsschutz und Epidemiologie, Stefan Brockmann, der Deutschen Presseagentur. "Die Inzidenz bei den Jüngeren dürfte deutlich höher ausfallen als im Rest der Bevölkerung." Man schaue mit Zunahme der Impfungen aber bewusst nicht mehr nur auf die Inzidenz, sagte der Chef-Virologe. Zugleich habe man sich das Ziel gesetzt, dass es keine Schulschließungen mehr geben soll.

Kultusministerin will Schulen möglichst offen halten

Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) will trotz erneut steigender Corona-Zahlen die Schulen - wenn möglich - dauerhaft offen halten. Bereits am Donnerstag sagte sie: "Wir haben den festen Vorsatz, Präsenzunterricht anzubieten und zu gewährleisten." Schopper wollte aber nicht ausschließen, dass die Schulen unter bestimmten Umständen noch einmal geschlossen werden müssen. "Wir wissen nicht, ob es neue Varianten gibt." Das Land tue zwar alles, "um Sicherheit in die Klassenzimmer zu bringen. Aber wenn was Neues kommt, dann müssen wir eventuell reagieren". Auch wenn es einen Ausbruch in einer Klasse gebe, müsse das Land handeln.

Video herunterladen (4,1 MB | MP4)

Kein "Lockdown durch die Hintertür" mehr

Wenn ein Kind positiv auf das Virus getestet wird, muss es in Quarantäne, aber die anderen können bleiben. Einen "Lockdown durch die Hintertür", bei dem eine ganze Klasse in Quarantäne muss, soll es laut Schopper nicht geben. Nach einem bekannten Fall müssen sich alle Schülerinnen und Schüler einer Klasse, die nicht geimpft oder genesen sind, fünf Tage lang mindestens mit einem Schnelltest täglich testen. Sollte es dann einen Ausbruch geben - 20 Prozent positiver Tests in einer Klasse in zehn Tagen - kann das Gesundheitsamt auch die Quarantäne für die gesamte Klasse anordnen.

Die Kultusministerin will mit dieser Strategie auch die Gesundheitsämter entlasten. Die sogenannte Sitznachbar-Regel, bei der umsitzende Kinder vorsorglich in Quarantäne geschickt werden, überfordere die Ämter bei der Nachverfolgung. Das habe der Schulbeginn in Nordrhein-Westfalen gezeigt. "Mir geht es auch darum, die Kinder, die nichts haben, nicht einzuschränken", sagte Schopper. Denn Kinder unter zwölf Jahren, die nicht geimpft werden können, könnten nicht 14 Tage allein zu Hause bleiben. Ihre Lösung sei "realitätsnah" und "familienfreundlich".

Baden-Württemberg

Fragen und Antworten Diese Corona-Regeln gelten zum Schulstart in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg hat die Schule wieder begonnen. Für die Schülerinnen und Schüler gibt es, wie im vergangenen Schuljahr, wieder einige Corona-Regeln zu beachten.  mehr...

Maskenpflicht im Unterricht und Testpflicht für ungeimpftes Personal

Um dauerhaften Präsenzunterricht für die 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg zu gewährleisten, gilt an allen Schulen Maskenpflicht auch im Klassenzimmer, erklärte die Kultusministerin. Die Testpflicht für die Schüler wird ab 27. September von zwei auf drei Tests pro Woche ausgeweitet. Trotzdem sieht die Ministerin nach den mehrfachen Schulschließungen in der Corona-Krise die Erwachsenen in der Pflicht: "Wir brauchen jetzt die Solidarität der Erwachsenen, der noch nicht geimpften Menschen." Man müsse verhindern, dass die vierte Welle in die Schulen schwappt. "Die Corona-Erkrankungen wollen wir aus den Schulen fernhalten." Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher und alle anderen Beschäftigten an Schulen und Kitas, die nicht geimpft oder genesen sind, müssen ab Montag täglich vor Arbeitsbeginn einen Test machen.

Gilt für weiterführende Schulen und Grundschulen Corona-Pandemie in Baden-Württemberg: Intensiv-Tests statt Quarantäne in Schulen

Baden-Württemberg will die gelockerten Quarantäne-Regeln an Schulen beibehalten. Tritt ein Corona-Fall auf, sollen die Mitschüler intensiv getestet werden - ohne Quarantäne.  mehr...

Philologenverband für mehr Schutz und PCR-Tests

Der Landesvorsitzende des Philologenverbands Baden-Württemberg, Ralf Scholl, appellierte an alle über zwölfjährigen Schüler, Lehrkräfte und Eltern, sich impfen zu lassen. Außerdem müssten Lehrer Auffrischungsimpfungen von Oktober an bekommen. "Die Lehrer müssen wegen des engen Kontakts mit den ungeimpften Schülern auf der sicheren Seite sein", forderte Scholl. Das Schutzkonzept des Kultusministeriums reiche aber bei weitem nicht aus. Der Verband fordert unter anderem, bei einem positiven Fall auf PCR-Tests und nicht auf Schnelltests zu setzen, und auch die Sitznachbarn eines positiv getesteten Kindes in Quarantäne zu schicken.

Kritik an Plänen zur Schulöffnung durch die SPD

Die SPD-Fraktion von Baden-Württemberg sieht die Pläne von Kultusministerin Schopper kritisch. Die Schulen stünden vor einem der schwierigsten Schuljahre überhaupt. "Trotzdem hat es die Landesregierung verpasst, unsere Bildungseinrichtungen für den Herbst und Winter zu wappnen", so SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. Gerade beim Thema Sicherheit gebe es erhebliche Mängel: "Vom krisenfesten Klassenzimmer sind wir in Baden-Württemberg Lichtjahre entfernt."

Kein Präsenzunterricht für 3.300 schwangere Lehrerinnen in Baden-Württemberg

Angepasst werden die Regeln an Schulen außerdem für schwangere Lehrerinnen: sie dürfen in Baden-Württemberg künftig in der Regel nicht in Präsenz unterrichten. "Wir dürfen schwangere Lehrkräfte pandemiebedingt nur in Einzelfällen im Präsenzunterricht einsetzen", so Kultusministerin Schopper. Man habe mit der Regelung Hinweise aus dem Bundesfamilienministerium umgesetzt. Derzeit seien 3.300 Lehrerinnen schwanger, sagte Schopper. Die Schulen müssen nun Ersatzlösungen für den ausfallenden Präsenzunterricht finden.

Baden-Württemberg

Stiko-Empfehlung gefordert Corona-Impfungen: Baden-Württemberg verlangt Klarheit für Schwangere und Stillende

Angesichts steigender Infektions- und Hospitalisierungszahlen fordert Baden-Württemberg eine klare Impfempfehlung der Stiko für schwangere und stillende Frauen.  mehr...

Hintergrund für die Regelung ist, dass die Ständige Impfkommission bisher keine Empfehlung für eine Impfung gegen das Coronavirus für Schwangere abgegeben hat. Laut Landesozialministerium haben Schwangere bei einer Corona-Infektion ein sechsmal höheres Risiko als Nicht-Schwangere, schwer zu erkranken und auf eine Intensivstation zu müssen.

Mehr als 700 Lehrer-Stellen in Baden-Württemberg bleiben unbesetzt

Neben der Corona-Pandemie gibt es eine weitere Baustelle für die Kultusministerin: Kurz vor Beginn des neuen Schuljahrs sind in Baden-Württemberg 630 Stellen für Lehrkräfte noch unbesetzt. Wegen Teilzeitregelungen fehlen demnach 700 bis 800 Lehrerinnen und Lehrer. "Jede Stelle, die nicht besetzt ist, reißt auch ein Loch", sagte Schopper.

Die Corona-Pandemie habe ihr bei der Stellenbesetzung "Steine in den Rucksack gelegt", denn dadurch brauche das Land noch mehr Lehrkräfte. Grund sei unter anderem, dass viele Schülerinnen und Schüler freiwillig eine Klassenstufe wiederholen würden. Einen Teil der Lücke können normalerweise Pensionäre stopfen.Schopper erläuterte, dass diese aber wegen der Pandemie > einer Rückkehr in die Schule eher zurückhaltend gegenüberstünden.

Baden-Württemberg

Fragen und Antworten Diese Corona-Regeln gelten zum Schulstart in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg hat die Schule wieder begonnen. Für die Schülerinnen und Schüler gibt es, wie im vergangenen Schuljahr, wieder einige Corona-Regeln zu beachten.  mehr...

Baden-Württemberg

Kritik an Corona-Schutzmaßnahmen Lehrer-Gewerkschaften in Baden-Württemberg halten Fernunterricht im Herbst für möglich

Lehrerverbände in BW fordern kurz vor Beginn des neuen Schuljahres bessere Corona-Schutzmaßnahmen im Unterricht. Ansonsten drohen ihrer Ansicht nach im Herbst wieder Schulschließungen.  mehr...

Bei Corona-Fällen Baden-Württemberg will in Schulen verstärkt auf Tests statt auf Quarantäne setzen

Um Schulen sicher offenhalten zu können, setzt Baden-Württemberg auf Tests statt auf Quarantäne. Doch die meisten anderen Länder haben sich auf eine andere Linie verständigt.  mehr...

Baden-Württemberg

Das Coronavirus und die Folgen für das Land Live-Blog zum Coronavirus in BW: Corona-Hunde bereiten Tierheimen in Deutschland Probleme

Corona-Regeln, Zahlen und Impfungen: Die wichtigsten Entwicklungen rund um das Coronavirus in Baden-Württemberg hier im Live-Blog.  mehr...

STAND
AUTOR/IN