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Wechselhaft, viel Regen und recht kühl: Das Wetter im Wonnemonat war alles andere als wonnig. Hat denn wenigstens die Natur von der kühlen Nässe profitiert? Eine Bestandsaufnahme.

"Die Natur braucht es", sagt man, wenn man sich das Wetter schönreden möchte. Tatsächlich sind die Grundwasserstände in Baden-Württemberg seit Jahren auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. Laut Landesanstalt für Umwelt (LUBW) wirkt sich die extreme Trockenheit des Jahres 2018 bis heute aus.

Wichtig sind Niederschläge zwischen November und April

In den Wintermonaten verdunstet deutlich weniger Regenwasser als im Sommer, und auch die meisten Pflanzen brauchen in der kalten Zeit kaum oder gar kein Wasser. Dementsprechend füllen sich besonders in der Zeit zwischen November und April die Grundwasserstände, da mehr Niederschlag in die tiefen Bodenschichten gelangt. Man spricht vom "hydrologischen Winterhalbjahr".

Der letzte Winter war zunächst auch recht trocken, erst die stärkeren Niederschläge im Januar und Februar ließen die Grundwasserstände ansteigen.

Im März 2021 ist nur 80 Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge gefallen, im April sogar nur 50 Prozent. "Auch wenn im Mai die Verdunstung von Niederschlägen schon recht hoch ist, haben wir diese relativ hohe Regenmenge gebraucht. Gerade nach den trockenen Frühlingsmonaten war das wichtig für die Böden", sagt Thomas Gudera von der LUBW.

Auch der Wald profitiert vom Regen

Nach den trockenen und heißen Jahren sind auch die Böden der Wälder bis in tiefe Schichten sehr trocken. Laut dem Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg war der Regen im Mai wichtig. Kühle Temperaturen, gepaart mit hohen Niederschlägen, würden sich sehr positiv auf die geschwächten Bäume im Wald auswirken. Ein positiver Nebeneffekt sei auch, dass sich die Ausbreitung des Borkenkäfers verlangsamt, wenn es kühl und feucht sei. Und SWR-Umweltexperte Tobias Koch ergänzt, dass das Regenwasser nun zumindest in die oberen Bodenschichten gut einsickern konnte.

Sonnige Tage sind erwünscht

"Der Mai-Regen war Fluch und Segen gleichzeitig. Er war absolut notwendig für die Wasserverfügbarkeit. Aber jetzt ist gutes Wetter dringend erwünscht, damit sich unsere Früchte entwickeln können", sagt Peter Triloff von der Marktgemeinschaft Bodenseeobst eG. So sieht das auch die Pressesprecherin des Landesbauernverbands Baden-Württemberg, Ariane Amstutz: "Sonne und Wärme sind jetzt sehr wichtig, vor allem für Obst und Gemüse wie Spargel, Erdbeeren oder auch die Kirschernte". Immerhin: Anfang Juni könnten sich diese Wünsche erfüllen. Die Vorhersagen für Baden-Württemberg zeigen viel Sonne und Temperaturen bis knapp 30 Grad.

Bereits am kommenden Wochenende erwarten Meterologinnen und Meterologen des Deutschen Wetterdiensts (DWD) in Baden-Württemberg steigende Temperaturen. Regnen wird es dagegen eher weniger, lediglich im Bergland könne es zu Schauern kommen. Für den Grundwasserspiegel bedeutet das eher keine Entspannung. Für den weiteren Verlauf des Juni ist allerdings wieder mit mehr Regen zu rechnen, so SWR-Umweltexperte Tobias Koch: "Uns freut das wahrscheinlich nicht so, aber der Boden wird ziemlich happy sein über etwas kühlere Temperaturen und den ein oder anderen Landregen."

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