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Eigentlich hatten Bund und Länder beschlossen, Schulen und Kitas wegen Corona bis Mitte Februar geschlossen zu halten. Doch Baden-Württemberg schert aus und will früher öffnen. Das sorgt für einen Sturm der Entrüstung.

Die Pläne der baden-württembergischen Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), Grundschulen und Kitas ab 1. Februar schrittweise zu öffnen, stoßen auf harte Kritik. Der Landeselternbeirat warf dem Kultusministerium Konzeptlosigkeit vor. Der Beiratsvorsitzende Michael Mittelstaedt fragte, warum es nicht bereits seit Wochen einen veröffentlichten Plan für bestimmte Inzidenz-Werte gebe. Vielmehr schiele man nur auf die Infektionszahlen - quasi in Erwartungsstarre, so Mittelstaedt. "Das ist verheerend."

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Es seien viele Detailfragen zu klären wie etwa die Schülerbeförderung, Masken und Abstände. Dies habe man seit Wochen erledigen können, stattdessen sei aber Warten angesagt. Für die Eltern sei das eine Zumutung, die von öffentlicher Hand präsentiert werde. "Bisweilen hat man den Eindruck, die Spitze des Kultusministeriums wäre in Kurzarbeit", kritisierte der Beiratsvorsitzende.

Eisenmann legt Fahrplan für Schulöffnungen ab Februar vor

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte nach der Bund-Länder-Konferenz Schulöffnungen ab 1. Februar in Aussicht gestellt - obwohl man laut Bundesregierung ausdrücklich vereinbart habe, die gegenwärtigen Schließungen bis 14. Februar fortzusetzen. BW-Kultusministerin und CDU-Spitzenkandidatin Eisenmann wirbt seit Wochen für frühere Öffnungen und hat bereits einen Fahrplan für schrittweise Öffnungen vorgelegt:

SPD wirft Landesregierung "Wahlkampfmodus" vor

Sascha Binder, Generalsekretär der SPD in Baden-Württemberg, vermisst ein klares Konzept für die Schulöffnungen. Die Landesregierung mache Versprechungen, erkläre aber nicht, von welchen Kriterien das abhänge, schrieb Binder auf Twitter. Eisenmann und Kretschmann seien nicht im Krisen- sondern im Wahlkampfmodus.

Sascha Binder kritisiert die Landesregierung

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezeichnete eine frühe Schulöffnung als "utopisch". Sie sei angesichts fehlender Schutzmasken und mangelnden Personals nicht umsetzbar.

Bei Twitter wurde Kretschmann und Eisenmann unter dem Hashtag "#eisenmannruecktritt" vielfach vorgeworfen, leichtfertig zu handeln. Besonders drastisch formulierte es der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin:

Trittin wendet sich gegen frühe Schulöffnungen

Kretschmann und Eisenmann verweisen auf soziale Folgen für Kinder

Eisenmann beruft sich bei ihren Plänen auf wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach kleinere Kinder sehr viel weniger als ältere oder Erwachsene zum Infektionsgeschehen beitragen. Auch führt sie die Expertise von Kindermedizinern und Kinderpsychologen an, wonach die physischen, psychischen und sozialen Folgen bei einer anhaltenden Isolation von Kindern enorm sind.

"Kinder brauchen andere Kinder, um sich psychisch und sozial stabil entwickeln zu können. Zudem ist der Lernerfolg im Präsenzunterricht mit Abstand am größten, das gilt insbesondere für die kleineren Kinder." Schulen und Kitas arbeiteten zudem seit Monaten mit bewährten Hygienekonzepten, die im geregelten Präsenzbetrieb leichter zu gewährleisten seien als im Rahmen einer ausgelasteten Notbetreuung. "Die Kleinsten leiden aber am meisten darunter, wenn sie nicht mit anderen Kindern in Kontakt kommen können", sagte auch Kretschmann. "Für sie ist der Präsenzunterricht an den Schulen am wichtigsten."

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Eisenmann fordert von Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) angesichts der geplanten Rückkehr an die Schulen eine Ausstattung der Lehrer mit FFP2-Masken - "für die Begegnung der Erwachsenen im Lehrerzimmer oder auf den Bewegungsflächen wie Fluren oder Treppenhaus". An weiterführenden Schulen im Land gilt seit Mitte Oktober eine Maskenpflicht. An Grundschulen werde dies aus pädagogischen und infektiologischen Gründen weiterhin nicht angestrebt, heißt es aus dem Ministerium.

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