Eine Gasflamme brennt auf einem Herd in einer Küche und leuchtet blau. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Patrick Pleul)

Krieg in der Ukraine

Gasversorgung in Baden-Württemberg gesichert - Preise könnten steigen

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Luisa Bleich
SWR-Redakteurin Luisa Bleich Autorin Bild  (Foto: Privat)

Russland ist der größte Gaslieferant Deutschlands. Damit hat der russische Präsident ein Druckmittel in der Hand. Bis auf weiteres sei die Gasversorgung im Land aber gesichert.

Russland ist einer der wichtigsten Energielieferanten für Deutschland. Etwa 40 Prozent des Öls und mehr als die Hälfte des Gas stammen aus Russland. Auch Steinkohle wird von dort nach Deutschland importiert. Insgesamt stammt etwa ein Drittel der Energie in Deutschland aus Russland. Der russische Präsident Wladimir Putin hat so ein Druckmittel gegen Deutschland im Ukraine-Krieg in der Hand.

EU-Sanktionen gegen Russland nach Einmarsch in die Ukraine

Nachdem Russland die Ukraine in der Nacht auf Donnerstag angegriffen hatte und Truppen in das Land einmarschiert sind, hatte die EU Sanktionen gegen Russland angekündigt. So wurde die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 vorläufig gestoppt. Diese Entscheidung soll Russland unter Druck setzen. Putin könnte darauf mit Lieferstopps von russischem Gas reagieren. Laut dem Energieversorger EnBW ist das bisher aber nicht der Fall. Die russischen Vertragspartner würden aktuell noch die vereinbarten Gasmengen liefern.

Gasversorgung in Deutschland ist gesichert

Selbst wenn es zu reduzierten Lieferungen aus Russland kommen sollte: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ist sich sicher, dass die Gasversorgung in Deutschland erst einmal gewährleistet ist. Das bestätigte auch die EnBW. Neben Russland bezieht Deutschland sein Gas unter anderem auch aus Norwegen.

Von den insgesamt 47 Gasspeichern in Deutschland liegen zwei in Baden-Württemberg. Der unterirdische Gasspeicher in Wilhelmsdorf (Kreis Ravensburg) ist laut einem Sprecher aktuell voll. Der Gasspeicher in Sandhausen (Rhein-Neckar-Kreis) ist laut einer Sprecherin zu 85 Prozent gefüllt.

Der Erdgasspeicher im Hardtwald bei Sandhausen (Rhein-Neckar-Kreis) (Foto: terranets bw)
Der Erdgasspeicher im Hardtwald bei Sandhausen (Rhein-Neckar-Kreis) terranets bw

Trotzdem: Deutschland kann mögliche Lieferstopps von russischer Seite nicht unbegrenzt ausgleichen. Die Gasmenge, die Deutschland von russischer Seite bezieht, könnte langfristig nicht von den anderen Exporteuren geliefert werden. Und auch die Stromversorgung würde ohne russisches Gas und Steinkohle problematisch werden. Manfred Fischedick, Wissenschaftlicher Geschäftsführer am Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie geht davon aus, dass in einem solchen Fall wahrscheinlich mehr Braunkohle verbrannt werden und Deutschland Strom importieren müsse.

Forderung: Deutschland solle sich unabhängiger von Russland machen

Expertinnen und Experten vom deutschen Institut für Wirtschaftsforschung fordern deshalb: Deutschland muss eine Gasreserve aufbauen, die die Bevölkerung im Ernstfall 90 Tage mit Gas versorgt. Eine solche Reserve gibt es bereits für Öl. Für Gas bislang allerdings nicht. Langfristig sollten auch die erneuerbaren Energien ausgebaut werden, um unabhängiger von Russland zu werden. "Wichtig ist, dass wir uns für den nächsten Winter vorbereiten", sagt auch Torsten Höck, Geschäftsführer des Verbands für Energie- und Wasserwirtschaft in Baden-Württemberg. Bis dahin sei man vorbereitet und habe Zeit zu reagieren.

Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) fordert derweil, den Ausstieg aus der Atomindustrie in Deutschland hinauszuzögern, um sich so unabhängig vom russischen Gas zu machen. Die letzten verbliebenen Atomkraftwerke in Deutschland sollen laut des Ausstiegsbeschlusses des Bundestags von 2011 bis Ende des Jahres ausgeschaltet werden. Die EnBW sieht diese Möglichkeit aber nicht als Option.

Höhere Gaspreise als Folge des Kriegs erwartet

Auch wenn die Gasversorgung deutschlandweit erst einmal gesichert ist, auf Verbraucherinnen und Verbraucher könnten deutlich höhere Preise zukommen. So gab die EnBW an, dass sich dauerhaft hohe Preise aufgrund der langfristigen Beschaffungsstrategie des Konzerns zeitversetzt auf Kundinnen und Kunden auswirken könnten. Und auch Bundeswirtschaftsminister Habeck sagte:

"Wir müssen damit rechnen, dass sich kurzfristig an den Rohölmärkten oder an den Gasmärkten die Preise nach oben bewegen."

Habeck geht aber davon aus, dass der Preisanstieg mittelfristig wieder gedämpft werden könnte.

Die Verbände der Chemie- und Pharmaindustrie Baden-Württemberg und der Verband Unternehmer Baden-Württemberg blicken nicht ganz so optimistisch in die Zukunft. Sie fürchten das der Krieg die ohnehin schon hohen Öl- und Gaspreise weiter nach oben treiben könnte. Der Verband Unternehmer Baden-Württemberg fürchtet zudem, dass sich mögliche Sanktionen insbesondere auf einzelne Industrieunternehmen auswirken könnten, die in größerem Umfang Hochtechnologie nach Russland liefern. Auch der Geschäftsführer des Verbands der Metall- und Elektroindustrie Ostwürttemberg, Markus Kilian, befürchtet bei einer Ausweitung des Kriegs erhebliche Auswirkungen vor allem auf Unternehmen mit hohem Energiebedarf.

Die Versorgung mit Öl und Gas ist also erstmal gesichert. Die Preise an der Zapfsäule und fürs Heizen dürften aber deutlich steigen.

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