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Die Sieben-Tage-Inzidenz wird bei der Bewertung der Corona-Lage im Land weiter die entscheidende Rolle spielen. Das stellte Ministerpräsident Kretschmann klar.

Schon bei den Inzidenzen hinke man hinter der tatsächlichen Entwicklung her, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bei der Regierungspressekonferenz am Dienstag in Stuttgart. Denn die eigentliche Ansteckung liege dann ja in der Regel schon mehrere Tage zurück. "Deshalb sind die Inzidenzen bereits stark nachlaufend", sagte er. Alle anderen Parameter wie Krankenhausaufenthalte oder Todesfälle seien zeitlich noch weiter hinterher. Daher könne es ein Problem sein, wenn diese Faktoren zu stark bewertet würden.

Inzidenz und R-Wert bleiben Hauptfaktoren

Für Kretschmann bleiben der Inzidenzwert und der R-Wert - also die Ansteckungsrate der Infizierten - die Hauptfaktoren zur Bewertung der Corona-Lage: "Weil das ja immer noch die Fallzahl ist, von der potentiell eine Infektion ausgeht." Derzeit werde ein "Inzidenz-R-Faktor-Modell" erarbeitet, hieß es. Laut Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) soll es die Sieben-Tage-Inzidenz, den R-Wert, die Impfquote, die betroffenen Altersgruppen, die Zahl derer, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, und die Sterberate berücksichtigen. "Wir machen das alles mit großer Vorsicht, denn wir wollen jetzt sehr gut über den Sommer kommen, damit wir im Herbst einen möglichst niedrigen Infektionsstand haben", sagte Lucha.

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"Streben keine allgemeine Impfpflicht an"

"Ich werde die Spur Umsicht nicht verlassen", erklärte Kretschmann. "Aber eine allgemeine Impfpflicht streben wir nicht an." Es könne jedoch über eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen diskutiert werden, so Lucha. Darauf müssten sich dann aber die Gesundheitsminister der Länder verständigen. Mit Blick auf Frankreich, wo es eine Impfpflicht für Gesundheitsberufe geben soll, berichtete Lucha von einer unterschiedlichen Situation in den einzelnen Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg. Dort, wo die Zahl der Fachkräfte hoch und die Ausstattung gut sei, sei die Impfquote hoch. Es zeige sich auch hier, dass ein höherer Bildungsstand zu einer höheren Impfquote führe.

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Gesundheitsminister wirbt für "Impfen to go"

Lucha unterstrich: "Wir wollen, dass die Menschen einsehen, dass Impfen für uns alle der allerbeste Schutz ist." Es sei jetzt überall in Baden-Württemberg ausreichend Impfstoff vorhanden. Deshalb wolle man erreichen, dass die Menschen im Land am Impfen gar nicht mehr vorbeikommen. Lucha sprach von "Impfen to go". In diesem Zusammenhang seien auch Impfangebote am Flughafen sinnvoll. Beim "Impf and fly" gehe es nicht um einen kurzfristigen Impfschutz für die Reise, sondern darum, dass überhaupt ein Impfschutz geschaffen werde. Das könne auch an der Autowaschanlage sein, so Lucha - also "überall da, wo wir schnell und unkompliziert impfen können."

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