Vor dem CDU-Parteitag Wahl um CDU-Vorsitz: Wo steht der BW-Landesverband?

Kramp-Karrenbauer, Merz oder Spahn? Auf dem Parteitag entscheidet sich, wer künftig die Partei führen soll. Der baden-württembergische Landesverband scheint einen Favoriten zu haben.

Am Freitag entscheidet sich das Rennen um den Vorsitz der CDU. Dann wählen in Hamburg die Delegierten der Landesverbände Angela Merkels Nachfolger oder ihre Nachfolgerin. Gerade der Landesverband aus Baden-Württemberg wird dabei ein gewichtiges Wort mitreden: Die BW-CDU hat 154 Delegierte entsandt - die zweitmeisten aller Verbände.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Wer wie viele Delegierte entsendet, hängt von der Mitgliederzahl und dem Abschneiden bei der vergangenen Bundestagswahl ab. Der mächtigste Landesverband noch vor Baden-Württemberg ist Nordrhein-Westfalen. Er stellt 296 der insgesamt 1.001 Wahlberechtigten.

Außer BW - Landesverbände halten sich bedeckt

Sie müssen sich dann zwischen der amtierenden Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, dem früheren Unionsfraktionschef Friedrich Merz und dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn entscheiden. Weitere Kandidaten könnten auf dem Bundesparteitag noch kurzfristig vorgeschlagen werden. Dabei verzichten die meisten Landesverbände noch darauf, sich klar zu positionieren, anders der Landesverband aus Baden-Württemberg.

Wahl um CDU-Vorsitz: Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn (v.l.) (Foto: picture-alliance / dpa)
Wer macht das Rennen: Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer oder Jens Spahn (v.l.)?

"Baden-Württemberg spielt da eine gewisse Sonderrolle", sagt der Politologe Edgar Grande im Gespräch mit dem SWR. Ein Teil der Initiative von Merz' Kandidatur sei aus dem BW-Landesverband gekommen. Zudem sprach sich der aus Freiburg stammende Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" für Merz als neuen CDU-Chef aus. "Es wäre das Beste für das Land, wenn Friedrich Merz eine Mehrheit auf dem Parteitag erhielte", sagte Schäuble.

Merz ein Kandidat der BW-CDU?

Neben Schäuble unterstützt auch der EU-Haushaltskommissar und ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger Merz. Oettinger gilt als alter Parteifreund Schäubles. Er traue Merz aufgrund seiner Erfahrungen und seiner Kompetenzen "am ehesten" das Amt zu, sagte Oettinger.

Beide, Oettinger wie Schäuble, gehören der "Initiative für Friedrich Merz" an, die Ende Oktober von 16 CDU-Politikern aus dem Land ins Leben gerufen wurde, um Merz auf den Chefsessel der Partei zu verhelfen. Mittlerweile ist die Zahl der Unterstützer auf rund 80 Personen angewachsen, wie der Kreisvorsitzende von Ravensburg, Christian Natterer, mitteilte. Unter ihnen ist auch der Vorsitzende der BW-Landtagsfraktion, Wolfgang Reinhart. "Man muss den Eindruck bekommen: Merz ist nicht zuletzt ein Kandidat der baden-württembergischen CDU, nicht geschlossen, aber doch mehrheitlich", so Politologe Grande.

Was sagen die Delegierten?

Aber was sagen eigentlich die Delegierten selbst? Eigentlich hat Ingeborg Choeb viel Sympathien für Jens Spahn. Aber ihre Stimme wird er am Ende nicht bekommen. Die Delegierte aus dem Kreisverband Ludwigsburg und Mitglied der Seniorenunion erklärt, dass der erste Wahlgang für sie bereits eine strategische Wahl sei: wegen des knappen Rennens zwischen Friedrich Merz und Annegret Kramp-Karrenbauer. "Die Stimme für Spahn wäre im ersten Wahlgang eine verlorene Stimme", erklärt Choeb. Für wen sie sich dann entscheiden will, möchte sie aber nicht offiziell sagen, es gebe durchaus Druck.

Einige Delegierte wollen erst Freitag entscheiden

Einer, der bis zuletzt abwarten will, ist Raimund Haser, Delegierter und Landtagsabgeordneter aus Kißlegg (Kreis Ravensburg) im Allgäu. "Für mich ist entscheidend, wer die beste Rede auf dem Parteitag hält. Ich will mich da auch gerne nochmal überzeugen lassen, wer in so einer Situation den besten Eindruck macht", sagt Haser.

Fest zu seiner Entscheidung steht Michael Moroff, Kreisvorsitzender aus Böblingen. Er will seine Stimme Friedrich Merz geben. "Angesichts eines sich abzeichnenden wirtschaftlichen Abschwungs brauchen wir Wirtschaftskompetenz", sagt Moroff. Ähnlich denkt Christian Natterer, Kreisvorsitzender aus Ravensburg, der eine Initiative für Friedrich Merz gestartet hat. Nach Merkel verkörpere Merz den besten Wechsel, und der sei dringend nötig angesichts der schlechten Umfragewerte. "Merz ist einer unserer fähigsten Köpfe", so Natterer. Auch Isabel Kling hat sich schon entschieden. Die Delegierte aus dem Kreisverband Ludwigsburg wirbt offen für Annegret Kramp-Karrenbauer. "Sie kann gut zuhören und hat viele Themen in der CDU gesetzt." Darum gehe es jetzt vor allem, um bei den nächsten Wahlen die Nase vorn zu haben.

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Strobl: Prognosen sind unseriös

Der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl will sich dagegen für keinen Kandidaten aussprechen. Es seien drei tolle Kandidaten mit unterschiedlicher Ausrichtung, so Strobl, der selbst nicht der Initiative angehört. "Alle Prognosen, die abgegeben werden, würde ich als nicht seriös bezeichnen. Das bleibt bis zur letzten Minute spannend", sagte Strobl.

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