Ein Kinder- und Jugendarzt impft eine Jugendliche mit dem Corona-Impfstoff von BioNTech-Pfizer. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Fabian Sommer)

Diskussion um Impfungen ab 12 Jahren

Corona-Impfung: Wann Kinder und Jugendliche selbst entscheiden dürfen

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Auch wenn die Ständige Impfkommission das bislang nur für bestimmte Risikogruppen empfiehlt: Kinder und Jugendliche können sich impfen lassen - auch ohne Einwilligung der Eltern.

Die EU-Kommission hat die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna offiziell für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen. Folge der Zulassung ist, dass junge Menschen ab 12 auf individuellen Wunsch mit den Impfstoffen geimpft werden können.

Zustimmung der Eltern nicht immer nötig

Nicht immer bräuchten Kinder und Jugendliche für die Impfung die Einwilligung ihrer Eltern, sagt der Medizinrechtler Josef Lindner. Wesentliches Kriterium sei, ob die jungen Menschen schon die nötige Einsichtsfähigkeit hätten, ob sie also in der Lage seien, die Tragweite und Bedeutung der Impfung zu erfassen. In der Altersgruppe zwischen 12 und 14 Jahren müssten in der Regel noch die Erziehungsberechtigten zustimmen, wenn sich ihre Kinder gegen Corona impfen lassen wollen.

"Einsichtsfähigkeit" der Kinder ist ausschlaggebend

In der Altersgruppe zwischen 14 und 16 müsse der Impfarzt über die Einsichtsfähigkeit entscheiden, meint Lindner: "Das geht nur über ein Gespräch zwischen dem Arzt und dem Jugendlichen. Wenn der Jugendliche zum Beispiel Rückfragen stellt und sich mit dem Thema auseinandersetzt, wird man davon ausgehen können, dass er selbst entscheiden kann."   

Ab 16 Jahren sei eine Zustimmung der Erziehungsberechtigten nicht mehr erforderlich. Anders sei das nur dann, wenn deutlich würde, dass ein Impfling im Einzelfall die nötige Einsichtsfähigkeit nicht habe.

Im Streitfall entscheidet das Familiengericht

Wo eine Zustimmung erforderlich ist, müssten laut Lindner beide Eltern zustimmen, sofern nicht ein Elternteil alleine sorgeberechtigt sei. Befürworte ein Elternteil die Impfung, während der andere sie ablehne, entscheide in letzter Konsequenz das Familiengericht.

Kein Zwang zur Impfung

Eine Impfung gegen den ausdrücklichen Willen des Jugendlichen hält Lindner für unzulässig – selbst wenn die Eltern wünschen, dass ihr Kind sich impfen lässt. In solchen Fällen müsse die Impfung unterbleiben. Laut Lindner wäre sie ein Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht des Jugendlichen: "Darüber dürfen sich die Eltern in so einer Situation nicht hinwegsetzen."  

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