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Auch künftig müssen Bundesbürger einer Organspende im Vorfeld zustimmen. Das hat der Bundestag beschlossen. Baden-Württembergs Politiker sind unterschiedlicher Auffassung über das Ergebnis.

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18:00 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Sozial- und Integrationsminister Manfred Lucha (Grüne) sagte nach der Entscheidung des Bundestags gegen eine radikalere Organspende-Reform: "Meines Erachtens ist eine große Chance vertan worden, die Zahl der dringend notwendigen Organspenden deutlich zu erhöhen mit einem Verfahren, das in vielen anderen Ländern erfolgreich ist."

Lucha setzt auf Signalwirkung

Lucha setzt nun darauf, dass die Debatte im Bundestag und die breite gesellschaftliche Diskussion das wichtige Thema Organspende wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücke. "Ich hoffe, dass sich dadurch mehr Menschen über die Organspende Gedanken machen und sich am Ende dazu entscheiden, einen Organspendeausweis zu beantragen und sich als Spender registrieren zu lassen." Die Bundesbürger sollen künftig stärker zu einer konkreten Entscheidung über Organspenden bewegt werden.

Lucha als Grünen-Politiker vertritt damit eine andere Meinung als große Teile der Grünen-Bundestagsfraktion. Viele Grüne hatten am Donnerstag in Berlin dafür gestimmt, dass Bürger sich zur Organspende auch künftig ausdrücklich bereit erklären müssen. Ferner sind regelmäßige Hinweise auf das Thema beim Ausweisabholen vorgesehen.

Spahn scheitert mit Entwurf

Zuvor war ein Vorstoß einer Gruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Bundestag gescheitert. Sie hatte eine "doppelte Widerspruchslösung" vorgeschlagen, wonach künftig jeder als Spender gelten sollte - außer man widerspricht.

Baden-Württtembergs CDU-Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhart begrüßte im Gegensatz zu Lucha die Entscheidung des Bundestages. Sie stärke das Selbstbestimmungsrecht der Menschen. Die vom Bundestag beschlossene Organspenderdatenbank stelle zudem eine Verbesserung dar.

SPD-Chef Stoch reagiert kritisch

Die SPD und deren Landesvorsitzender Andreas Stoch zeigte sich enttäuscht von der Entwicklung. "Ich habe mich in den letzten Wochen dazu entschlossen, die Widerspruchslösung für die richtige zu halten", so Stoch gegenüber dem SWR. "Ich glaube, dass wir auf das Problem, dass zu wenige Menschen sich bereit erklären, eine Organspende vorzunehmen, politisch antworten müssen." Die Abstimmung am Donnerstag sei kein grundlegender Problemlöser, so der baden-württembergische SPD-Chef.

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Stochs Parteikollegin Hilde Mattheis vertritt eine andere Meinung. Die Entscheidung dürfte das Vertrauen in die Organspende steigern, ist Mattheis überzeugt. Sie bleibe freiwillig und selbstbestimmt, gleichzeitig würden die Bürger künftig besser beraten.

AfD: Hausärzte sollen aufklären

Die Gesundheitsexpertin der AfD-Landtagsfraktion, Christina Baum, sagte, mehr Organspenden seien am besten mit einer verstärkten Aufklärung durch die Hausärzte zu erreichen. Die Hausärzte müssten Zeit und Geld erhalten, um das zu leisten.

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