Hände tippen Text. (Foto: SWR)

Hass im Netz gegen Umweltaktivisten

B31-Sitzprotest der "Letzten Generation": Reaktionen in den Sozialen Netzwerken

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Senada Sokollu

"Ökoterroristen", "Verwahrloste Kinder", "Nichts in der Birne". Beleidigungen und Hasskommentare gegen die Aktivistengruppe "Letzte Generation" häufen sich im Netz.

Bereits am Montag berichteten wir über den Sitzprotest auf der B31. Einige Aktivisten der Gruppe "Letzte Generation" hatten ihre Hände auf der Straße festgeklebt. Ein Notarzt musste sie vom Kleber befreien. Der Verkehr staute sich kilometerlang. Auch am Freitagmorgen blockierten rund 20 Aktivistinnen und Aktivisten die Bundesstraße in Freiburg. Die Demonstrierenden fordern ein "Essen-Retten-Gesetz" und eine Agrarwende bis 2030.

Özdemir kritisiert Straßenblockaden

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir stellte sich zwar hinter die Absichten der Gruppe: "Mir persönlich ist der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung sehr wichtig". Der Grünenpolitiker kritisierte aber deren Methoden: "Ich glaube, dass Straßenblockaden unserem gemeinsamen Ziel schaden. Gesellschaftliche Mehrheiten gewinnt man ganz sicher nicht, wenn man Krankenwägen, Polizei oder Erzieherinnen auf dem Weg zur Arbeit blockiert."

Viel Hass im Netz gegen "Letzte Generation"

Die Protestaktionen der Umweltaktivistinnen und -aktivisten haben auch in den Sozialen Netzwerken für viel Aufruhr gesorgt. Es hagelte vor allem auf Facebook negative Kommentare. In einem Facebook-Eintrag ist von "Umweltterroristen" die Rede. Die Aktivisten sollten die Unkosten der Polizeiaktion tragen, heißt es da, und "Hoffentlich "die 'Letzte Generation', die solche dämlichen Ideen hat."

Was für Kranke.. wie bekloppt muss man sein das man sich die Hände an der Straße anklebt  da kann man doch mal sehen dass die nichts in der Birne haben. Personalien aufnehmen und alle Kosten müssten die bezahlen.Es muss richtig wehtun

Auf Twitter wurden die Aktivistinnen und Aktivisten als "verwahrloste Kinder einer woken Wohlstandsgesellschaft. Ein Jahr Sozialarbeit würde sie sicher wieder zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft machen" beschimpft. Ein weiterer Kritiker twitterte: "Bei den Ökoterroristen hilft nur, so hart bestrafen wie möglich." Manche Kommentare sprachen sogar Tötungsaufforderungen aus.

@SWRAktuellBW Das sind keine Aktivisten! Das sind verblendete Ideologen, die Menschen mutwillig daran hindern zur Arbeit zu kommen! Sorgen dafür dass Rettungskräften und Polizisten blockiert werden! Das hat nix mit Kampf gegen Lebensmittelverschwendung zu tun!

Auch Zustimmung für die Forderungen

Aber es gibt auch Beifall im Netz. "Endlich tut jemand etwas! Gerne mehr davon", kommentierte ein Instagram-Nutzer und "Super Aktion. Danke für euren Mut und euren Einsatz", sowie "Ist mir immer noch lieber als irgendwelche Montagsspaziergänger", schrieben andere.

Instagram-Kommentare (Foto: SWR)
Instagram-Kommentare zum Sitzprotest der Gruppe "Letzte Generation" auf der B31 in Freiburg

BW: Hasskommentare im Netz mehren sich

Immer mehr Menschen wenden sich wegen aggressiver, verachtender oder beleidigender Online-Beiträge an die baden-württembergische Meldestelle gegen Hasskommentare im Internet. In einer zunehmenden Zahl konkreter Fälle wird das Landeskriminalamt eingeschaltet, weil sich die Online-Hetzer strafbar machen, wie aus einer Antwort des baden-württembergischen Innenministeriums auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion hervorgeht. Zeigte die vom Land geförderte Meldestelle "respect!" im Jahr 2017 noch 120 Einträge bei den Behörden an, so waren es ein Jahr später bereits 321, danach 351 und im vergangenen Jahr 436 Fälle, in denen die Ermittler eingeschaltet wurden. Im laufenden Jahr wurden in den ersten sieben Monaten bereits 514 Meldungen eingereicht, mehr als im gesamten Jahr zuvor.

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Fast jeder vierte Fall bei der Meldestelle wird inzwischen weitergereicht - vor einem Jahr war es nur etwa jeder Neunte. Nicht bekannt ist allerdings, in wie vielen Fällen die Absender auch strafrechtlich verfolgt wurden. Auch die Zahl der insgesamt gemeldeten Hassbeiträge per Mausklick hat weiter deutlich zugenommen. Die beim Demokratiezentrum Baden-Württemberg eingerichtete und finanziell geförderte Meldestelle "respect!" wurde 2017 von der Jugendstiftung Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Sie berät und zeigt bei strafrechtlich relevanten Inhalten selbst an.

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Senada Sokollu