STAND

Der "Anne-Frank-Vergleich" einer Elfjährigen auf einer "Querdenken"-Demo in Karlsruhe sorgt für heftige Diskussionen. Dabei werden vor allem die Eltern des Mädchens kritisiert.

In den Kommentaren auf der SWR Aktuell Facebook-Seite empören sich viele Nutzer über die Äußerung der Elfjährigen in Karlsruhe. Diese hatte bei einer Kundgebung der Initiative "Querdenken 721" ihre Situation während der Corona-Pandemie mit der des jüdischen Mädchens Anne Frank im Zweiten Weltkrieg verglichen.

Die Demo der Corona-Kritiker am vergangenen Wochenende beschäftigt jetzt die Staatsanwaltschaft. Im Fokus ist eine 11-Jährige, die auf der Bühne sprach.Posted by SWR Aktuell on Tuesday, November 17, 2020

Kritik richtet sich vor allem an die Eltern

Vor allem die Eltern des Mädchens werden von den Facebook-Nutzern heftig kritisiert. Lars Golly vermutet, dass das Kind wohl von den Eltern dazu gedrängt wurde, "da ein Kind solch einen Vergleich in dem Alter kaum ziehen kann". Eine Meinung die viele teilen: Kein Kind komme alleine auf die Idee, sich mit Anne Frank zu vergleichen, so Nutzerin "Spitz Maus". Auch Sonja Teschow und Naike Juchem sind dieser Auffassung.

Bianca Zumtobel glaubt deswegen auch, dass für Kinder in solchen Fällen die eigenen Eltern gefährlicher sind, als die momentan geltenden Corona-Regeln.

"Querdenken-Bewegung" laut Nutzerin "nicht ganz ungefährlich"

Für Bettina Kissau ist der Vorfall ein Beweis, "dass diese sogenannten Querdenker nicht ganz ungefährlich sind". Moni Drechsler denkt an die Zukunft des Kindes und fragt sich, wie sich das Mädchen wohl in fünf Jahren fühlen wird.

Helga Kraemer schlägt vor die Elfjährige zu fragen, wie sich Anne Frank ihrer Meinung nach gefühlt hat. Anschließend sollte dem Mädchen und den Eltern dann der Unterschied zwischen ihnen, und den Menschen die tatsächlich verfolgt werden, erläutert werden.

Nutzer-Kommentar: Beleidigung für alle die unter Diktaturen leiden

Auch andere Nutzer denken an Menschen, die unter Diktaturen leiden müssen oder mussten. Bernd Ebert schreibt von einer Beleidigung für alle, "die unter den Nazis und ganz allgemein unter der systematischen Verfolgung durch ein diktatorisches Regime gelitten haben und leiden".

Nutzer Matthias Thiel ergänzt: "Solch einen Vergleich vorzunehmen ist mehr als nur geschmacklos. Dieser Vergleich verdeutlicht, dass bestimmte Menschen überhaupt keine Vorstellung haben, nicht einmal ansatzweise, was es bedeutet, in einer Diktatur zu leben".

Nach Demonstration auf Karlsruher Messplatz Diskussionen um "Anne-Frank-Vergleich" - Politik richtet Fokus auf "Querdenken"-Bewegung

Eine Elfjährige vergleicht auf einer Corona-Demo ihre Lage mit der des jüdischen Mädchens Anne Frank im Zweiten Weltkrieg: Das sorgt für Schlagzeilen. Die Politik in Baden-Württemberg findet für den Vorfall deutliche Worte.  mehr...

Mehr zum Thema

Politologe Erik Flügge im Interview Wieso der Ursprung des Frusts über Corona-Maßnahmen aus BW kommt

Zuerst waren es nur wenige Teilnehmer, die in Stuttgart gegen die Maßnahmen der Politik gegen die Ausbreitung des Coronavirus demonstrierten. Schnell wurden es immer mehr. Warum hat die Bewegung ihre Wurzeln in Baden-Württemberg? Ein Versuch einer Erklärung.  mehr...

SWR-Dokumentation begleitet Proteste Querdenker, Corona-Leugner, Wutbürger – woher kommt der Frust im Südwesten?

Unbescholtene Bürger, die Seite an Seite mit Rechtsradikalen, Esoterikern und Verschwörungstheoretikern gegen die Corona-Maßnahmen marschieren. Darunter Unternehmer, alleinerziehende Mütter, Lehrer, ganz normale Familien.  Ihnen gemeinsam: der Frust, die Wut und der Hass auf die Corona-Maßnahmen und die "Eliten", die sie verordnet haben. Woher kommen dieser Frust und diese Wut ausgerechnet im reichen Baden-Württemberg? SWR-Redakteur Kolja Schwartz hat sich auf Spurensuche begeben.  mehr...

STAND
AUTOR/IN