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Der Schock wirkt nach. Am Tag nach dem Entschluss, vorerst nicht mehr mit Astrazeneca zu impfen, sucht man jetzt Lösungen. Baden-Württembergs Gesundheitsminister wirkt ernüchtert und spricht von "Hiobsbotschaften".

Einen Tag nach dem Impfstopp mit dem Corona-Mittel Astrazeneca wird auch in Baden-Württemberg weiter nach Antworten und Lösungen gesucht. Was bedeutet der Impfstopp? Wie geht es mit der Impfkampagne jetzt weiter? Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) wirkte am Dienstagmorgen im Gespräch mit dem SWR ernüchtert: "Es bleibt uns einfach nichts erspart. Alles, was schief gehen kann, geht schief." Es sei eine belastende Situation mit vielen "Hiobsbotschaften".

15.000 Impfungen täglich fallen aus

In der Tat wartet auf die Verantwortlichen nun eine große Herausforderung. Minister Lucha spricht mittlerweile von einem herben Rückschlag für die Impfkampagne, auch weil allein hier im Land bis zu 15.000 Impfungen täglich fehlen werden.

Dementsprechend fielen die Reaktionen der Impfberechtigten aus, viele waren wütend und enttäuscht. Für Lucha nachvollziehbar: "Ich verstehe das sehr gut." Gleichzeitig wies der Minister aber darauf hin, dass es sich bei dem Stopp um eine Routinemaßnahme des verantwortlichen Paul-Ehrlich-Instituts handle. Man sei nun angewiesen, die Entscheidung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU) umzusetzen.

Lucha hofft auf zeitnahe Entwarnung

Lucha betonte noch einmal, dass man in Baden-Württemberg von Astrazeneca und dessen Wirkung überzeugt sei. Denoch halte er die Maßnahme für vertretbar, man habe diese nun umzusetzen. Lucha sagte, man müsse Astrazeneca jetzt noch einmal "seriös" bewerten. Er hoffe aber auf "frühzeitige Entwarnung".

Wichtigste Aufgabe sei es nun, so Lucha im SWR, die vorgesehene Impfreihenfolge strikt einzuhalten. Man müsse jetzt die vulnerablen Gruppen, wie die unter 80-Jährigen, in das Blickfeld nehmen. Aber auch für die Berufstätigen über 65 Jahre suche man nach Ersatzterminen, an denen man mit anderen Vakzinen wie Biontech oder Moderna impfen könne. Er bat die Bevölkerung, jetzt "Ruhe zu bewahren". Man gebe "24 Stunden am Tag" alles und arbeite "die ganze Nacht" auf der Suche nach Lösungen.

Musste man das Impfen wirklich stoppen?

Mittlerweile ist deutschlandweit eine Diskussion darüber entbrannt, ob der Impfstopp wirklich notwendig war. Der SPD-Politiker und Epidemiologe Karl Lauterbach Karl Lauterbach (SPD) hätte die Überprüfung von Astrazeneca auch ohne einen Impfstopp für möglich gehalten. Dazu hat Lucha eine klare Meinung: "Herr Lauterbach ist nicht an der Regierung, er kommentiert seit Monaten von der Sofakante."

Klar ist mittlerweile nur: Der für Mittwoch vorgesehene Impfgipfel in Berlin wurde am Dienstagvormittag auf Grund der jetzigen Situation erst einmal verschoben.

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Verursacht Astrazeneca gesundheitliche Probleme?

Am Montag hatte das baden-württembergische Gesundheitsministerium auf Anweisung aus Berlin das Impfen mit Astrazeneca überraschend gestoppt. Vorausgegangen waren Meldungen über Häufungen von schweren Blutgerinnungsstörungen nach der Impfung. Die Termine für Erst- und Zweitimpfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff würden abgesagt.

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Laut baden-württembergischen Ministerium gelte der Impfstopp bis einschließlich kommenden Montag. Spätere Termine blieben zunächst bestehen, auch Termine mit anderen Impfstoffen fänden ebenfalls unverändert statt.

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