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Dürfen sich Kinder beim Sternsingen schwarz anmalen? Sollte man die Heiligen Drei Könige aus den Krippen verbannen? Mancherorts hat man jetzt auf die andauernde Rassismus-Debatte reagiert.

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Langsam aber sicher geht es aufs Jahresende zu. Im Zuge dessen ist auch das Thema Sternsingen, beziehungsweise die "Blackfacing"-Debatte, also die Diskussion um die Darstellung schwarzer Menschen durch dunkel geschminkte weiße Menschen, wieder aufgekommen. Die Regionalstelle Ulm des Kindermissionswerks hat nun dafür plädiert, dass die Sternsinger in den katholischen Kirchengemeinden in der Region sich für ihre Auftritte nicht mehr schwarz schminken sollten.

"Die Gleichsetzung von Herkunft und Hautfarbe geht heute nicht mehr auf. Wir ermutigen die Kinder, so zu kommen, wie sie sind."

Sabrina Assies, Kindermissionswerk Ulm

Bereits am Dienstag hatte auch die evangelische Münstergemeinde in Ulm ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt - und die Heiligen Drei Könige aus ihrer Weihnachtskrippe verbannt. Die drei Figuren, darunter ein schwarzer Melchior mit dicken Lippen und unförmiger Statur, sollen in diesem Jahr nicht gezeigt werden, sagte Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. Die Gemeinde reagiere damit auch auf die andauernde Rassismus-Debatte in Deutschland. Eine endgültige Entscheidung zum Umgang mit der Figur des Melchior will die Gemeinde "in aller Ruhe" im neuen Jahr treffen.

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In der Debatte um die umstrittene Krippenfigur hat der württembergische Landesbischof der Münstergemeinde in Ulm den Rücken gestärkt. "Der Weg, den man jetzt in Ulm versucht zu gehen, ist richtig", sagte Frank Otfried July am Mittwoch in Stuttgart.

"Es ist wichtig, eine Entscheidung gut zu beraten und auf dem Weg dorthin die dafür nötige Ruhe in der Gemeinde zu gewinnen."

Frank Otfried July, Württembergischer Landesbischof

July sprach sich dafür aus, die Figuren mit einem erklärenden Kommentar zu versehen. "So etwas abzuhängen oder wegzustellen oder in einem Museum zu verstecken, halte ich für den schlechteren Weg", sagte er. "Es ist unsinnig, Dinge im Nachhinein unserer gegenwärtigen Überzeugung anzupassen. Man muss sie erklären und in eine heutige, kritische Bewertung stellen."

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Die Diözese Rottenburg-Stuttgart stellt es ihren Kirchengemeinden, darunter denen am am Bodensee und in Oberschwaben, frei, einen schwarzen König in Weihnachtskrippen aufzustellen. Das bestätigte sie auf SWR-Anfrage. Die Heiligen Drei Könige bezeichnet die Diözese Rottenburg als ein Brauchtum ohne rassistischen Hintergrund. Sie seien in dieser Form in der Volksfrömmigkeit des Mittelalters entstanden und stünden für die damals bekannten Erdteile Asien, Afrika und Europa. Der dunkelhäutige König stehe für Afrika, heißt es in einer Stellungnahme.

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Die Entscheidung der Ulmer Münstergemeinde sei zwar nachvollziehbar, so die Diözese Rottenburg, ein sensibler Umgang mit dem Thema in den Kirchengemeinden sei auch gewünscht. Aber eine Empfehlung gebe es nicht.

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