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Für Muslime im Land ist es das zweite Jahr, in dem sie die Fastenzeit unter Pandemie-Bedingungen begehen. Die Stuttgarter Islam-Gemeinden appellieren die Corona-Regeln zu beachten.

Ob in der Moschee oder beim Zusammenkommen mit Familie und Freunden. Die Fastenzeit ist für Musliminnen und Muslime auch eine Zeit der Gemeinschaft. Das vermissen viele jetzt während der Pandemie.

Schon zu Beginn der Pandemie wurde vom Koordinationsrat der Muslime (KRM) ein strenges Hygienekonzept erstellt, das auch in den Gemeinden strikt eingehalten werde, erklärt der Stuttgarter, Muhittin Soylu. Er ist Vorstandsvorsitzender der Islamischen Glaubensgemeinschaft Baden-Württemberg (IGBW). "Die Teilnahme an den Gottesdiensten ist nur unter Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln, mit Registrierung und weniger Teilnehmern als sonst möglich. Auch die Dauer der Gottesdienste wurde, auf das Notwendigste, stark verkürzt", sagt Soylu auf Anfrage des SWR.

Gottesdienste finden in den Moscheen in Stuttgart in kleinen Gruppen statt

An den Freitagen würden laut IGBW mehrere Gottesdienste zu unterschiedlichen Zeiten verrichtet, weil mit Abstandsregeln weniger Leute in den Gebetsräumen Platz fänden.

Wir sind der Meinung, dass unter Einhaltung der Corona-Maßnahmen auch Gebete möglich sind.

"Glaubens- und Religionsfreiheit sind grundlegende Menschenrechte, die auch in unserem Grundgesetz fest verankert sind. Natürlich sind diese Pandemie-bedingten Einschränkungen keine Bedingungen, die wir uns wünschen würden, aber die Gesundheit der Menschen und das Gemeinwohl sind diese sehr wichtig und es ist unsere religiöse Pflicht alles notwendige dafür zu tun. Und das ist auch unser Appel an unsere Gemeinden", erklärt Soylu.

Musliminnen und Muslime verzichten im Ramadan zum zweiten Mal auf Familienkontakt

"Es ist halt schade, dass sich jetzt nur zwei Haushalte treffen können", erzählt Fatih, den wir bei einem türkischen Supermakt, in der Nähe der Moschee in Stuttgart-Feuerbach zufällig treffen. Der 32-jährige ist Muslim und arbeitet als IT-Berater. "Aber das ist auch andererseits okay, weil wir wollen ja auch, dass die Pandemie mal aufhört". Normalerweise beinhaltet der Ramadan viele Familientreffen und gemeinsame Gebete, in diesem Jahr verzichten Muslime darauf, zum zweiten Mal in der Pandemie.

Im Ramadan verzichten Gläubige einen Monat lang tagsüber auf Essen, Trinken und manche andere Gewohnheiten - freiwillige Einschränkungen, die noch einmal zu den Einschränkungen durch die Pandemie hinzukommen. Das tägliche Fasten beginnt im Morgengrauen gegen für fünf Uhr. Davor, wenn es noch dunkel ist dürfen die Musliminnen und Muslime trinken und frühstücken und sich für den Tag stärken. Doch Danach heißt es auch in diesem Jahr trotz Pandemie: durchhalten bis nach 20 Uhr.

Das Fasten, erzählen die Muslime in Stuttgart, biete den Gläubigen die Chance den gewohnten Alltag zu durchbrechen und sich neu auf Gott auszurichten. Im Ramadan erinnern sich viele Muslime wie gut es ihnen geht und dass vieles nicht selbstverständlich ist: "Was wir an Essen wegschmeißen, das tut halt irgendwie weh. Daran denkt man eigentlich. Unser Wasser vom Wasserhahn ist so sauber, dass wir da direkt trinken können. Es gibt Menschen in anderen, armen Ländern, die diese Chance nicht haben." Besonders die Wertschätzung der Lebensmittel ist dem 32-jährigen Stuttgarter besonders wichtig.

Fasten als Pflicht eines gläubigen Muslims

Das Fasten gehört für einen gläubigen Muslim zu den religiösen Pflichten: Der Koran kennt aber auch viele Ausnahmen: wer auf Reisen ist, wer krank ist oder regelmäßig Medikamente einnehmen muss, darf nicht fasten. Auch Schwangere und stillende Mütter dürfen nicht fasten. Jeder Muslime muss selbst entscheiden, ob er fasten kann und fasten will. Trotz der Einschränkungen durch die Pandemie auch in diesem Jahr - die meisten Muslime freuen sich, dass jetzt Ramadan und wollen ihn so normal wie möglich begehen.

Muslime erzählen über Ramadan

Dieser Radio-Beitrag des SWR bietet weitere Eindrücke zum Fastenmonat Ramadan, der von gläubigen Muslimen jetzt bis 13. Mai praktiziert wird. Anschließend beginnt das Ramadan-Fest.

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