Auch in Trier gab es Proteste gegen die Corona-Maßnahmen  - so wie in anderen größeren Städten in Rheinland-Pfalz. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance/dpa)

"Querdenker"-Sympathisanten vernetzen sich

Corona-Leugner an Schulen: Elternbeiräte in Baden-Württemberg unter Druck

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Judith Brosel
Marcel Kolvenbach
Kai Laufen

In Baden-Württemberg vernetzen sich Eltern, die den "Querdenkern" nahestehen, um gegen Corona-Maßnahmen an Schulen vorzugehen. Laut SWR-Umfrage hat mehr als jeder zehnte Elternbeirat schon Anfeindungen erlebt.

In einer nicht repräsentativen Online-Umfrage des SWR unter 2.238 Elternbeiräten in Baden-Württemberg am vergangenen Wochenende gaben 237 Elternbeiräte an, in ihrer Funktion Anfeindungen zu erleben. Das waren rund zehn Prozent aller Teilnehmenden.

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Sie berichteten am häufigsten von Beleidigungen, danach von Hetzkampagnen und Drohungen. Überwiegend fänden die Anfeindungen persönlich statt, gefolgt von E-Mails, Posts oder Nachrichten in sozialen Medien und Anrufen. 79 der teilnehmenden Eltern gaben zudem an, dass sie wegen der Anfeindungen schon darüber nachgedacht hätten, ihr Amt aufzugeben.

Mit E-Mails und Belehrungen bombardiert

Bei der SWR-Umfrage schilderten die teilnehmenden Elternbeiräte ihre Erfahrungen beispielsweise so: "Wir (Elternbeiratsvorsitzende, Elternvertreter, Schulleitung) werden mit E-Mails und Belehrungen schlichtweg bombardiert, die mit Sicherheit vorgegebene Vorlagen der Corona-Gegner sind. Immer, wenn von Seiten der Schule oder des Elternbeirats eine Info an die Eltern versandt wurde (Ratschlag Masken zu tragen, etc.), kamen zig E-Mails. Daher liegt der Verdacht der gezielten E-Mail-Verbreitung der Corona-Gegner nahe".

"Informationen aus Sitzungen wurden trotz Vertraulichkeit nach außen gegeben. Dies war gezielt auf die Corona-Situation gelenkt und wurde zur Manipulation und Anfeindung verwendet."

Corona-Leugner vernetzen sich über Telegram

SWR-Recherchen zeigen: Seit Monaten vernetzen sich Eltern, die sich gegen Corona-Maßnahmen an Schulen einsetzen - zum Beispiel über Telegram-Gruppen. Im Messenger-Dienst werden mehrseitige Dokumente geteilt, darin aufgelistet sind Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner an einzelnen Schulen in Baden-Württemberg, erklärte Kritiker der Corona-Maßnahmen. Das Ziel, so heißt es in dem Schreiben: "Diese Übersicht soll helfen, Euch an Euren Schulen miteinander zu verbinden und vor allem zu stärken."

Nach SWR-Informationen hat es über Gruppen wie diese unter anderem gezielt die Versuche gegeben, Elternbeiräte an den Schulen mit Eltern aus den eigenen Reihen, also Gegnern der Corona-Maßnahmen, zu besetzen.

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Vernetztes Vorgehen wenig erfolgreich

Michael Mittelstaedt, Vorsitzender des Landeselternbeirats Baden-Württemberg, bestätigt dem SWR auf Nachfrage: "Es haben sich in dieser Amtszeit viele Eltern zur Wahl gestellt, die ideologisch weit von logischen und wissenschaftlichen Sachverhalten abweichen." Er habe jedoch noch von keiner Schule gehört, "in der Querdenker den Elternbeirat übernommen hätten."

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GEW: Kleine, aber lautstarke Minderheit an Schulen

Monika Stein, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), sagt im Interview mit dem SWR, ihren Informationen zufolge handle es sich bei den extremen Kritikern der Corona-Maßnahmen an Schulen um eine "sehr kleine Minderheit", die jedoch "sehr vehement und lautstark" auftrete. Von Kontakten zu Elternbeiräten wisse sie, dass diese Gruppe jedoch in der Lage sei, "wirklich massiv Druck auszuüben".

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