Lehrer Joschka Dusil und Schüler der Klassen 1, 2 und 4 der Liebenauschule in Neckartailfingen (Kreis Esslingen) bei einer Nachmittagsunterrichtseinheit im Rahmen des Programms "Lernen mit Rückenwind". (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat)

Nach den Weihnachtsferien

BW-Kultusministerium hält an Präsenzunterricht in Schulen fest

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Die baden-württembergische Landesregierung will unbedingt am Präsenzunterricht in den Schulen festhalten. Distanzunterricht sei nicht auszuschließen, kritisiert der Lehrerverband.

Am kommenden Montag startet nach den Weihnachtsferien für Tausende Schülerinnen und Schüler in Baden-Württemberg wieder der Unterricht - vor Ort im Klassenzimmer. Trotz steigender Infektionszahlen und Omikron-Variante. Denn die Pandemie habe deutlich gezeigt, wie wichtig Präsenz an den Schulen sei, so der Sprecher von Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) gegenüber dem SWR. Man appelliere an alle Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler, sich bereits vor Schulstart zu testen, um das Infektionsrisiko weiter zu reduzieren.

BW-Kultusministerin teilt mit: Schulen dürfen nicht zuerst schließen

Im Fall einer Zuspitzung der Corona-Lage müssten "auch andere Bereiche der Gesellschaft deutlich zurückgefahren" werden, so Schoppers Sprecher. Schulen sollten nicht als erste Einrichtung geschlossen werden. Dafür soll mehr getestet und an der Maskenpflicht festhalten werden.

Elternverband für offene Schulen

"Es gibt momentan gar keinen Grund, warum das Land anders entscheiden sollte", sagte der Vorsitzende des Landeselternbeirats (LEB), Michael Mittelstaedt - Unterricht solle in Präsenz an den Schulen stattfinden. Denn: Die Lage im Gesundheitsbereich, die stets als tragendes Argument herangezogen werde, sei entspannter als vor den Ferien.

Schließen sollten Schulen nach Mittelstaedts Auffassung erst, wenn nachweislich die Gesundheit für Kinder und Jugendliche gefährdet sei. Dies sei zum Beispiel der Fall bei Virusvarianten, die in der jüngeren Gruppe größeren Schaden anrichten könnten, so Mittelstaedt. Gäbe es doch wieder Unterricht auf Distanz, müsse berufstätigen Eltern ohne bürokratische Hürden eine Notbetreuung für ihre Kinder angeboten werden.

Präsenz- und möglicher Fernunterricht in BW besser vorbereitet

Falls die Ministerpräsidentenkonferenz am Freitag neue Quarantäne-Regeln beschließt, sei das von besonderer Bedeutung für die Schulen. Für eventuell vermehrt stattfindenden Fernunterricht seien die Schulen in Baden-Württemberg aber inzwischen besser vorbereitet als noch vor einem Jahr, so der Sprecher weiter. Man habe nun mehr Geräte zur Verfügung und die Lehrkräfte seien besser ausgebildet.

Wie sich die Schulschließungen in Baden-Württemberg vor einem Jahr ausgewirkt haben (Artikel vom 8. Februar 2021):

Schulpsychologen und Lehrer warnen Folgen des Fernunterrichts - Wie Schüler unter dem Lockdown leiden

Konzentrationsprobleme, fehlende Motivation und Überforderung - Fernunterricht stellt Schüler in Baden-Württemberg vor Herausforderungen, denen nicht alle gewachsen sind. Bleiben die Schwächsten auf der Strecke?  mehr...

Forderung wegen Omikron: Schulen sollen flexibel reagieren können

Als Schule flexibel auf das lokale Infektionsgeschehen reagieren zu können, entspricht auch Wünschen aus verschiedenen Bildungs-, Erziehungs- und Lehrergewerkschaften: So fordert der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Schulen müssten vor allem mit Blick auf die neue Omikron-Variante und die unterschiedlichen Infektionszahlen in den Regionen so selbstständig wie möglich über Maßnahmen entscheiden. "Das Land sollte keine rote Linie für landesweite Schulschließungen vorgeben, sondern einen Rahmen oder Fahrplan", sagte der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand. Innerhalb dieses Rahmens könnten Schulen dann in Absprache mit dem staatliche Schulamt flexibel entscheiden, was am besten zu tun sei.

Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Interessenvertreter der beruflichen Schulleiter in Baden-Württemberg, Roland Plehn, im SWR.

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PCR-Tests für sicheren Präsenzunterricht

Auch die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Monika Stein, erwartet nicht unbedingt eine landesweit einheitliche Lösung. Allerdings dürfe eine Lösung auch nicht zu kleinteilig ausfallen. "Das sollten nach Möglichkeit die Regierungspräsidien entscheiden", sagte sie. Es werde aber erwartet, dass überall FFP2-Masken und Tests vorrätig seien.

Stein: "Es muss weiter Impfangebote an Schulen geben. Und warum sind immer noch nicht alle Schulen mit Luftreinigern ausgestattet? Investitionen in bessere Luft in den Klassenzimmern lohnen sich auch dann, wenn nach der Pandemie mit frischer Luft besser gelernt werden kann.“ 3/3 https://t.co/zlyoRJlQmt

Die GEW-Bundesvorsitzende Maike Finnern fordert, am grundsätzlichen Vorhaben, die Schulen für den Präsenzunterricht zu öffnen, erst einmal festzuhalten: "Es kann nicht sein, dass Kinder und Jugendliche wieder wochenlang von zu Hause aus unterrichtet werden." Um den Präsenzunterricht sicher möglich zu machen, sollten an Schulen deshalb regelmäßig PCR-Tests durchgeführt werden.

"Alle sollten zu Beginn am besten täglich getestet werden, auch genesene und geimpfte Schüler."

Zudem sei es wichtig, dass die Maskenpflicht im Klassenraum bestehen bleibe. In Einzelfällen und je nach Infektionslage auch regional lasse sich aber auch Distanzunterricht nicht ausschließen.

Lehrerverband: Schulschließungen nicht ausschließen

Nicht alle wollen jedoch am Präsenzunterricht festhalten, es gibt auch Kritik. Angesichts der hohen Corona-Infektionszahlen dürfen etwa nach Auffassung des Deutschen Lehrerverbands (DL) auch erneute Schulschließungen kein Tabu sein. Die Schulen sollten zwar so lange wie möglich offen gehalten werden, Distanz- und Wechselunterricht sollten jedoch nicht ausgeschlossen werden, sagte der DL-Präsident, Hans-Peter Meidinger, den Zeitungen der "Funke Mediengruppe" am vergangenen Freitag.

Der Kultusministerkonferenz sei es bislang nicht gelungen, "einheitliche Kriterien und einen gemeinsamen Orientierungsrahmen für Gesundheitsschutzmaßnahmen an Schulen zu entwickeln, an den sich dann auch alle gehalten haben", kritisierte Meidinger. Er setze seine Hoffnung nicht auf die Kultusministerkonferenz am 5. Januar, sondern auf die Bund-Länder-Runde zwei Tage später.

Kultusminister kommen für Corona-Schalte zusammen

Angesichts der aktuellen Corona-Lage wollen die Kultusminister- und ministerinnen der Länder am Mittwoch (5.1.) kurzfristig in einer Videokonferenz über die Lage an den Schulen beraten.

Auch die baden-württembergische FDP unterstützt den Kurs der Landesregierung, die Schulen trotz verschärfter Infektionslage nicht erneut zu schließen. "Präsenzunterricht ist eine Frage der Chancengerechtigkeit", twitterte die neue Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) am Montag. Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke sagte am Dienstagvormittag in Stuttgart, vieles spreche dafür, eben keine harten Maßnahmen wie Schulschließungen zu ergreifen. "Wir halten es für richtig, auch angesichts von Omikron, dass die Schulen offenbleiben", so Rülke. Es sei eine gute Entscheidung gewesen, das Infektionsschutzgesetz im Bund derart umzugestalten, dass flächendeckende Schulschließungen nicht mehr möglich seien.

Zuletzt hatten Bundesregierung und Bundesbildungsministerium ihr Ziel bekräftigt, Schulen und Kitas offen zu halten. Während die Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg erst von Beginn kommender Woche an in den Schulen zurückerwartet werden, hat der Unterricht in mehreren anderen Bundesländern bereits am Montag begonnen. Am Dienstag folgte das Saarland, am Mittwoch ist Hamburg an der Reihe und - je nach Entscheidung der Schulen - auch Thüringen.

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