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Bei einem Polizeieinsatz in Stuttgart wurden am Wochenende Polizeibeamte von hunderten Menschen eingekreist und beschimpft. Laut Gewerkschaft der Polizei kommen solche Situationen im Land immer häufiger vor.

Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei häufen sich die Fälle, bei denen Polizisten bei ihren Einsätzen in einen Hinterhalt gelockt würden. Der baden-württembergische Landesvorsitzende der Gewerkschaft Hans-Jürgen Kirstein beurteilt diese Entwicklung als "tiefkritisch".

Bei entsprechenden Polizeieinsätzen würden unbeteiligte Personen, die der Polizei missfällig gegenüberstehen, die Gegebenheiten ausnutzen und der Polizei aktiv gegenübertreten. Dann brauche es sehr geschulte Beamte, um die Situation zu entschärfen, so Kirstein.

Hunderte Schaulustige beschimpfen Polizei in Stuttgart

Erst am Wochenende war es in Stuttgart nach Angaben des Polizeipräsidiums zu "tumultartigen Szenen" gekommen, bei denen mehrere hundert Schaulustige die Polizeibeamten eingekreist und beschimpft hatten. Zuvor hatte ein Mann die Polizei rufen lassen, weil er "abgestochen" worden sei und einen Krankenwagen benötige.

Den Beamten sagte der unverletzte 18-Jährige, dass "er sich einen Spaß erlaubt habe", so die Polizei in einer Mitteilung. Als die Polizisten wegen des Vortäuschens einer Straftat die Personalien des Mannes aufgenommen hatten, "schrie er um sich und sperrte sich gegen die Polizeimaßnahmen", heißt es weiter.

Unbeteiligte solidarisieren sich

Am Boden liegend hätte man dem Mann dann Handschellen angelegt. "Das Polizeipräsidium Stuttgart geht beim derzeitigen Ermittlungsstand davon aus, dass der 18-jährige polizeibekannte Mann die Situation absichtlich herbeigeführt hat", so die Polizei.

Infolge dessen hätten sich nach Polizeiangaben hunderte Schaulustige "offenbar ohne konkrete Kenntnis des Sachverhalts" sofort mit dem 18-jährigen, dunkelhäutigen Mann solidarisiert. Sie hätten die Beamten eingekreist und unter anderem als "Rassisten" beschimpft.

Nach Angaben einer Polizeisprecherin vom Dienstag hätten die Unbeteiligten "die Situation verkannt". Sie verweist auf den Tod eines Afroamerikaners, der in den USA bei einem Polzeieinsatz ums Leben kam. "Da braucht es nur zwei, drei Leute, die das anstacheln", so die Sprecherin. Daraus ergebe sich dann eine größere Gruppendynamik.

Gewerkschaft weist Rassismus-Vorwurf zurück

Auch der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Kirstein, weist die von den Unbeteiligten erhobenen Rassismus-Vorwürfe gegen die Polizei zurück. "Die Beamten werden hier gut geschult", deshalb könne er sich nicht vorstellen, dass an den Vorwürfen etwas dran sei, betonte Kirstein.

Mehr als 30 Streifenwagen im Einsatz

Um die Lage mit der laut Polizei "aggressiven Menschenmenge" in Stuttgart unter Kontrolle zu bekommen, habe die Polizei bei dem Vorfall am Wochenende mehr als 30 Streifenwagen einsetzen müssen. Die Kriminalpolizei habe die Ermittlungen aufgenommen und werde unter anderem die Aufnahmen der mitgeführten Bodycams der Beamten auswerten.

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