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Forscher haben festgestellt, dass das Wasser in vielen Wasserschutzgebieten im Land nicht ausreichend sauber ist. In über 60 Prozent seien Rückstände von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln nachweisbar, hieß es am Mittwoch in Stuttgart.

2.000 Proben aus dem Grundwasser in Baden-Württemberg haben die Experten zwischen 2014 und 2018 untersucht. Sie wollten wissen, wie viel und welche Pestizid-Rückstände darin nachzuweisen sind und untersuchten auch auf ganz neue Mittel. Ihre erschreckende Bilanz: Weit mehr als die Hälfte der Proben aus fast allen Wasserschutzgebieten im Land war nicht ganz sauber. In 60 Prozent wiesen die Forscher Reste der unterschiedlichsten Pflanzenschutzmittel nach. Das Problem ist, dass aus genau diesem Wasser unser Trinkwasser gewonnen wird.

Studie gibt anderes Bild als Ergebnisse des Umweltbundesamtes

Auffällig ist allerdings, dass die Studienergebnisse deutlich von Analysen des Umweltbundesamtes abweichen, welches das Grundwasser zwischen 2013-2016 bundesweit auf Pestizide analysierte. Hier waren rund 80 Prozent der Proben sauber. Ist das Grundwasser nun in Baden-Württemberg im Gegensatz zu anderen Teilen Deutschlands besonders belastet? Das ließ sich am Mittwoch nicht klären - auch weil dem SWR nur die Pressemitteilung und nicht die zugrunde liegende Studie vorlag. Aus der Studie sollte hervorgehen, wann und wo genau gemessen wurde, um auszuschließen, dass häufigere Messungen in einem bestimmten Gebiet das Ergebnis nicht beeinflusst haben.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
16:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW

Verband will zum Teil chemische Pflanzenschutzmittel verbieten

Die Wasserversorger fordern in jedem Fall einen besseren Schutz des Trinkwassers. "Trinkwasser in ausreichender Menge und Qualität, zu jeder Zeit verfügbar, ist die Grundvoraussetzung für menschliches Leben sowie ein wichtiger Standortfaktor", so der Verband für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg e.V. "In Baden-Württemberg werden durch die Wasserversorger rund 700 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr zur Verfügung gestellt. Davon werden circa 75 Prozent aus dem Grundwasser gewonnen, rund 25 Prozent stammen aus Oberflächengewässern, vor allem aus dem Bodensee."

Dazu müssten die Auflagen in den rund 2.300 Wasserschutzgebieten strenger werden. Der Verband für Energie und Wasserwirtschaft (VfEW) verlangt deshalb, dass dort weniger Pestizide gespritzt werden. Landwirte sollten noch mehr Fördermittel erhalten, um auf andere Maßnahmen umzustellen. Außerdem schlägt der VfEW vor, den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel zu verbieten, wenn in dem betreffenden Wasserschutzgebiet bereits Grenzwerte überschritten worden sind. Das beträfe mit 80 Gebieten allerdings nur einen kleinen Teil der Wasserschutzgebiete.

Ein Wasserschutzgebiet (Foto: SWR)
Wasserschutzgebiet heißt nicht unbedingt, dass das Wasser unbelastet und sauber ist.

Belastet seien zunächst das Grund- und das Oberflächenwasser. Deshalb muss es zunächst aufwendig gereinigt werden, bevor es als Trinkwasser aus dem Hahn kommen darf. Das könnte auch bedeuten, dass das Wasser teurer wird. Schätzungen gehen von fünf Cent bis zu einem Euro pro Kubikmeter aus. Diese Lage findet Johann-Martin Rogg von der Grundwasserdatenbank Wasserversorgung unbefriedigend.

Einschränkungen oder Verbote wären hilfreich

Das Ziel der Wasserversorger ist klar: Die Pestizidmenge im Wasser muss kleiner werden. Wie das geschehe, sei dabei zweitrangig, sagte VfEW-Geschäftsführer Torsten Höck dem SWR, Hauptsache sei, dass es passiere. Deshalb hätten sie auch nichts dagegen, wenn die Landesregierung das Eckpunktepapier zum Bienen- und Artenschutz, das derzeit diskutiert wird, erweitert. Bisher soll damit nur der Einsatz von Pestiziden in Naturschutzgebieten verboten werden. Wenn auch die Wasserschutzgebiete enthalten wären, hätte man eine bessere Kontrolle über den Einsatz der Gifte.

Bauer sitzt auf einem Traktor und düngt ein Getreidefeld. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Der Schutz der Pflanzen steht dem Schutz des Wassers gegenüber. Thinkstock -

Bauern sind nicht allein schuld

Der VfEW hat neben den Landwirten noch andere Verantwortliche für die Belastung der Wasserschutzgebiete mit Chemie ausgemacht. Geschäftsführer Höck glaubt, dass auch die Pharma- und die chemische Industrie dazu beigetragen haben. Wenn es nicht ausreiche, dass die Bauern auf ökologische Landwirtschaft umstellen, müssten die Kosten für die Aufbereitung des verunreinigten Wassers auf Landwirte und Wirtschaft umgelegt werden, sagte er am Mittwoch in Stuttgart.

Bisher keine landesweiten Daten über Pestizideinsätze

Die Landeswasserversorgung klagt derzeit gegen die Landesregierung - sie verlangt Daten zum Pestizideinsatz in Baden-Württemberg. Die Regierung hält dagegen, sie habe kein Recht, diese Daten von den Bauern einzufordern. Gleichzeitig arbeitet sie aber an einem Meldesystem, das künftig Informationen über den Pestizideinsatz liefern soll.

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