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In Baden-Württemberg sind allein im März und April 348 Personen mit Pedelecs, also Fahrrädern mit Tritt-Unterstützung, verunglückt. Häufig werden die Fahrradfahrer schwer verletzt - oder sterben sogar an den Unfallfolgen.

Während es bei den Autofahrern weniger Unfälle gab, wird der Fahrradweg anscheinend immer gefährlicher. Laut dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg kam es für 348 Personen im März und April diesen Jahres zu Unfällen mit Pedelecs. Das entspricht einem Anstieg von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erst am Mittwoch verunglückte ein 79 Jahre alter Mann schwer.

Pedelec-Fahrer erliegt seinen Verletzungen nach Verkehrsunfall

Der folgenschwere Unfall ereignete sich in Neuhausen (Enzkreis). Der 79-jährige Pedelec-Fahrer wurde laut Polizei von einem Auto überholt, als er abrupt links abbiegen wollte. Bei dem Zusammenstoß mit dem Auto wurde der Mann schwer verletzt. Rettungskräfte brachten ihn in ein Krankenhaus, dort erlag er noch am Abend seinen Verletzungen. Pedelecs sind laut Statistiken häufiger in solche schweren Unfälle verwickelt als normale Fahrräder.

Motorunterstützung bei Pedelecs verstärkt vermutlich Unfallpotenzial

Unter Fahrradfahrern ohne Elektromotor kam es im Gegensatz zu den Pedelecs kaum zu mehr Unfällen als im Vorjahr. Hier kamen im März und April 2020 insgesamt 1.101 Personen zu Schaden - nur 40 mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, vermutet, dass die Unterschiede des Pedelecs zum gewöhnlichen Fahrrad für die höhere Unfallquote mitverantwortlich sind.

"Das Pedelec ist viel schwerer. Es wiegt über 20 Kilogramm. Es hat eine sehr schnelle Beschleunigung. Und wenn man dann einmal beispielsweise ins Schlingern kommt, kann man im Zweifel das Fahrrad noch abfangen - das Pedelec aber nicht."

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer

Pedelecs bleiben für Autofahrer häufig unerkannt

Florian Ulmer von der Verkehrspolizei Stuttgart betont, dass Pedelecs für den Autofahrer schwer zu erkennen und einzuschätzen sind. Die schnelle Beschleunigung auf 25 Kilometer pro Stunde sei der Autofahrer nicht gewöhnt. Aufgrund des kleinen Motors sei das Pedelec nicht immer eindeutig vom Fahrrad zu unterscheiden. Beides könne zu Fehleinschätzungen etwa beim Vorfahrt gewähren führen.

Radschatten neben Fahrradwegsymbol (Foto: SWR)
Normale Fahrradfahrer und Pedelec-Nutzer benutzen gemeinsam den Fahrradweg - das führt beim Autofahrer oft zu Fehleinschätzungen der Zweiräder.

Pedelec zählt rechtlich nach wie vor als Fahrrad

Eine Helmpflicht gibt es für Pedelecs derzeit nicht. Denn rechtlich gesehen zählen sie zu den Fahrrädern. Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer vermutet, dass die Politik hier nachjustieren muss. Auch empfiehlt er jedem Pedelec-Nutzer, ein Fahrsicherheitstraining zu absolvieren. Das Pedelec sei letztendlich auch deshalb gefährlicher als das Fahrrad, "weil Menschen es benutzen, die sonst gar nicht mehr hätten Fahrradfahren können." Aber auch fitte Fahrradfahrer können sich und ihre Reaktionsfähigkeiten überschätzen - sich an das neue Fahrgefühl mit dem Pedelec und dessen Beschleunigung zu gewöhnen, scheint also in jeglicher Hinsicht empfehlenswert.

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