Eine Corona-Impfung (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Fabian Sommer)

Corona in Baden-Württemberg

Patientenschützer kritisieren mangelnde Planung vor dritter Corona-Impfung

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Baden-Württembergs Gesundheitsminister Lucha will die dritte Corona-Impfung ab September. Patientenschützer fordern derweil, bei den Planungen nicht auf die Stiko zu warten.

Trotz des baden-württembergischen Drucks in der Debatte um Auffrischungsimpfungen kritisieren Patientenschützer den nach ihrer Einschätzung späten Start in die Planungen für die neue Kampagne. "Es steht zu befürchten, dass Bund und Länder die Planung für die wichtige Auffrischungskampagne verschlafen", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Die Politik müsse vorbereitet sein, wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) grünes Licht gebe. Viele politische Entscheidungen könnten vorbereitet werden, "ohne dass die Stiko sagt, wo es langgeht", betonte Brysch.

Bislang liegen der Stiko nach ihrer Einschätzung nicht die nötigen Daten vor, um Auffrischimpfungen gegen Corona für ältere Menschen in Deutschland zu empfehlen. Die Impfkommission müsse unbedingt hauptamtlich personell gestärkt werden, um schneller zu entscheiden, forderte Brysch.

Imfzentren hinterlassen Lücke - Organisation von Impfteams gefordert

Außerdem müsse die Politik die Organisation der Impfteams angehen. "Gebraucht werden aufsuchende Impfangebote in den 12.000 Pflegeheimen in Deutschland." Die Logistik mit Impfteams könne schwer werden, weil die Impfzentren auch in Baden-Württemberg Ende September geschlossen werden sollen. "Bislang waren sie aber verantwortlich für die Ausbildung und Aufstellung dieser Teams. Das hinterlässt eine Lücke, die die Politik bereits jetzt konzeptionell füllen muss", so der Patientenschützer.

Wer übernimmt Corona-Impfungen in Heimen?

Nach Angaben des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums ist noch unklar, wer in der anstehenden neuen Kampagne die Impfungen in den Heimen übernehmen könnte. Unter anderem werde der Einsatz mobiler Impfteams geprüft. Anders als in Bayern, wo die Impfzentren mit angepasster Kapazität und Fokus auf mobile Teams bis mindestens April 2022 erhalten bleiben sollen, spielen sie in Baden-Württemberg nur bis Ende September eine Rolle. Einen Betrieb darüber hinaus mit angepasster Kapazität strebe das Land aktuell eher nicht an, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Die Zahl der in den ersten vier Monaten gesetzten Spritzen in den vulnerablen Gruppen sei geprüft und ein Bedarf an Auffrischimpfungen ermittelt worden, hieß es weiter. "Wir bereiten uns darauf vor, dass entsprechende Zielgruppen möglichst eine zeitnahe Auffrischimpfung nach dem Start erhalten werden", sagte die Ministeriumssprecherin. Mittelfristig rechnet Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) damit, dass Schutzimpfungen gegen das Coronavirus ähnlich einer Grippeimpfung regelmäßig erneuert werden müssen.

Bund und Länder streben dritte Impfung ab September an

In der heutigen Konferenz der Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern soll über den Start der Auffrischungsimpfungen beraten werden. Laut einer Beschlussvorlage, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, streben Bund und Länder einen Beginn im September an. Studien hätten gezeigt, dass der Infektionsschutz auch bei vollständig Geimpften allmählich nachlasse - gerade bei Hochbetagten, Pflegebedürftigen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Auch Baden-Württembergs Gesundheitsminister Lucha hatte zuletzt den Druck auf die Stiko erhöht. Die vierte Welle rolle an und gleichzeitig gebe es freie Kapazitäten in den Impfzentren, die man nutzen müsse. Die Kommission müsse dringend eine Empfehlung abgeben, mit welchen Gruppen man starten könne.

Patientenschützer kritisieren "Spiel mit dem Feuer"

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte den Druck daraufhin scharf. "Das ist ein Spiel mit dem Feuer", sagte Brysch. "Wir torpedieren damit die Unabhängigkeit des Gremiums." Er forderte die Stiko auf, robust zu sein gegen das politische Drängen.

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