Giorgia Meloni, Vorsitzende der rechtsradikalen Partei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens), gestikuliert während einer Pressekonferenz in der Wahlkampfzentrale ihrer Partei. Italien hat am Sonntag, 25.09.2022, ein neues Parlament gewählt. (Foto: dpa Bildfunk, Oliver Weiken)

Entsetzen und Freude

Italienerinnen in BW reagieren auf den Wahlsieg von Giorgia Meloni

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Johannes Böhler

Die rechtsradikale Partei Fratelli d'Italia hat die italienischen Parlamentswahlen gewonnen. Die Reaktionen darauf fallen sehr unterschiedlich aus.

Italien hat gewählt - doch das Ergebnis der Parlamentswahl vom Sonntag löst bei vielen Wählerinnen und Wählern Entsetzen aus. Drei Italienerinnen, die in Baden-Württemberg leben, äußern ihre Meinung zum Sieg der rechtsradikalen "Fratelli d'Italia" und ihrer Spitzenkandidatin Giorgia Meloni.

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"Ich bin mit den Nerven am Ende - etwas Schlimmeres konnte Italien gar nicht passieren", sagt Michela Inghesa, Weinfachfrau und Mitinhaberin des Stuttgarter Feinkostgeschäfts Colvino. Ihre Wut über das Ergebnis der italienischen Parlamentswahl vom Sonntag kann sie kaum in Worte fassen, denn gewonnen hat die rechtsradikale Partei "Fratelli d’Italia", auf Deutsch "Brüder Italiens". Deren Spitzenkandidatin Giorgia Meloni will jetzt eine Regierung bilden - und damit die erste Regierungschefin Italiens werden. "Natürlich habe ich auch gewählt", sagt Weinfachfrau Inghesa, "aber ganz bestimmt nicht die."

Partei gilt als post-faschistisch

Politologen stufen Melonis Partei als post-faschistisch ein. Schlagzeilen machten die "Brüder Italiens" in jüngerer Vergangenheit unter anderem durch Verherrlichung der faschistischen Kriegsverbrecher Rodolfo Graziani und Léon Degrelle. Und trotzdem: Bei der Parlamentswahl am Sonntag erhielt die Partei rund 26 Prozent der Stimmen. Wie ist das möglich?

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"Angefangen hat die ganze Misere mit dem bescheuerten Renzi", meint Inghesa. Seit der sich von seiner Partei, der sozialdemokratischen Partito Democratico, getrennt habe, stürze er eine Regierung nach der anderen und destabilisiere so das Land. Nach dem Zusammenbruch der linken Regierung Conte wegen eines Streits über das Grundeinkommen sei mit Mario Draghi erneut ein Technokrat an die Macht gekommen.

Unzufriedene belohnen einzige Oppositionspartei

"Den fand ich eigentlich gar nicht so schlecht, immerhin hat er Ahnung von Geld", sagt Inghesa. "Allerdings hat die Meloni in der Situation mit ihrer Partei als einzige Opposition gemacht." Und genau für diesen Schritt hätten sie jetzt viele unzufriedene Italienerinnen und Italiener nach dem Sturz der technokratischen Regierung belohnt. "Mit Meloni kommt eine gefährlich radikale und gleichzeitig völlig inkompetente Politikerin an die Macht", schimpft Inghesa. "Ich kann nur hoffen, dass auch ihre Regierung bald gestürzt wird - das können wir Italiener schließlich ziemlich gut", sagt sie.

Francesca Mele leitet die Sprachschule Centro Lingue Leonardo da Vinci in Heidelberg. Auch sie ist entsetzt über den Wahlausgang in Italien: "Ich finde, Meloni ist ein Wolf im Schafspelz. Ein Wolf, der Kreide gefressen hat. Sie gibt sich moderat, kommt aber aus der alten Tradition des italienischen Faschismus. Sie ist in Wahrheit sehr radikal und sehr rechts", sagt Mele. Jetzt warte sie gespannt ab, was passiere. "Meloni wird nicht alles machen können, was sie will - es gibt ja noch Europa", meint sie. Italien bekomme viel Geld von der EU - das könne ein Hebel sein, um ihre Politik zu stoppen.

Meloni will weniger Flüchtlinge nach Italien lassen

Giuseppina Moretto aus Karlsruhe hat nicht gewählt. Einerseits, weil sie sich nicht besonders für Politik interessiert, andererseits, weil sie es falsch findet, ihre Stimme für Italien abzugeben, obwohl sie in Deutschland lebt. Trotzdem ist sie froh, dass Meloni gewählt wurde. "Ich bewundere sie, sie ist eine Powerfrau. Und vielleicht wird es mit ihr als Frau ja besser nach den ganzen Männern - die gehen eh nur fremd", meint sie.

Auch dass Meloni weniger Flüchtlinge ins Land lassen will, findet sie gut. "Es ist doch besser, erst den eigenen Leuten zu helfen, bevor man so viele Leute aus anderen Ländern hereinlässt", meint sie. Politikerinnen und Politikern traue sie generell nicht über den Weg, auch Meloni nicht. "Hoffentlich hält sie sich auch an das, was sie versprochen hat", sagt Moretto. "Ich hoffe, dass es den Menschen in Italien bald wieder besser geht."

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