Ein als Silhouette abgebildeter Mann droht einer Frau mit der Faust (Symbolbild) (Foto: picture-alliance / dpa)

Debatte über Schutz für Opfer von Gewalttaten Nach Missbrauchskandal Staufen: Besserer Opferschutz gefordert

Im Landtag wird über Opferschutz debattiert - eine Folge des Staufener Missbrauchsfalls. Auch Justizminister Wolf schaltet sich ein. Die Bürokratie dürfe den Betroffenen nicht im Weg stehen.

CDU und Grüne im baden-württembergischen Landtag wollen künftig Opfer von Gewalttaten besser schützen. Die Debatte war nach dem Missbrauch an einem Jungen in Staufen (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) aufgekommen.

Justizminister Guido Wolf (CDU) brachte am Mittwoch eine zentrale Anlaufstelle ins Gespräch. "Hier könnten alle bestehenden Angebote zusammengeführt, Kontakte vermittelt und Beratungsnetzwerke geknüpft werden", sagte der Minister im Stuttgarter Landtag. Die Institution könne als "Lotse" für Opfer in schwierigen Situationen fungieren. Man werde die Erfahrungen des Bundes und anderer Länder analysieren und sich mit Experten austauschen, um die passende Struktur für das Land zu entwickeln, sagte Wolf.

Bürokratie dürfe nicht im Weg stehen

Der Grünen-Abgeordnete Alexander Maier sprach sich ebenfalls für klare Strukturen beim Opferschutz aus. Den Opfern müsse es so einfach wie möglich gemacht werden. "Denn nach einem schrecklichen Gewalterlebnis sollte nicht auch noch die Suche nach Hilfe an Bürokratie und Unkenntnis scheitern."

Die CDU-Abgeordnete Marion Gentges, die auch Opferanwältin beim Weißen Ring ist, forderte zudem eine Aufstockung der Landesstiftung Opferschutz. Die Gelder müssten auf 800.000 Euro verdoppelt werden, so Gentges.

Opposition: Straftat-Vermeidung "aus dem Blick verloren"

AfD und FDP forderten mehr vorbeugende Maßnahmen, damit es gar nicht zu Straftaten kommt. "Die Vermeidung von Straftaten ist der beste Opferschutz. Diesen wichtigen Grundsatz hat Grün-Schwarz leider offenbar völlig aus dem Blick verloren", sagte der Abgeordnete der FDP-Fraktion, Nico Weinmann.

Behörden wegen Staufen in der Kritik

Der jahrelange Missbrauch eines kleinen Jungen in Staufen bei Freiburg hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Der Junge wurde von der eigenen Mutter und deren wegen Missbrauchs vorbestraften Lebensgefährten mehr als zwei Jahre vielfach vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen.

Nach Bekanntwerden des Falls waren die Behörden in die Kritik geraten. Sie hätten das Martyrium des Jungen möglicherweise früher beenden können. So hatte man sich vor einem Familiengericht nur auf die Aussagen der Mutter verlassen. Der Junge war nicht befragt worden. Die Landesregierung kündigte daraufhin an, die landesweiten Behörden- und Verfahrensstrukturen zu durchleuchten.

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