Ein leeres Klassenzimmer an einer Grundschule. Die Stühle sind auf die Tische hochgestellt.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Hoffen auf Beruhigung im März

Omikron-Welle: 946 Schulklassen in BW zu Hause

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Die Omikron-Welle trifft die Schulen in Baden-Württemberg mit Wucht. Wegen steigender Corona-Zahlen fällt oft der Unterricht aus, die Lehrkräfte klagen über hohe Belastungen.

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt auch in Baden-Württemberg rasant. Das trifft auch Kindertagesstätten und Schulen. Laut Kultusministerium blieben am Dienstag 946 Schulklassen coronabedingt zu Hause. Eine Woche zuvor waren es noch 607 Klassen. Zur Einordnung: Laut dem Statistischem Landesamt gibt es in Baden-Württemberg weit über 40.000 Schulklassen.

Gut 1,5 Prozent der Lehrkräfte infiziert

Die Folge der vielen Neuinfektionen sind Unterrichtsausfälle und hohe Belastungen in den Lehrkollegien. Gerhard Brand, Landeschef des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) sagte der Deutschen Presse-Agentur, im Vergleich zum vergangenen Herbst habe sich die Zahl der Infektionsfälle an den Schulen in Baden-Württemberg verzehnfacht.

Stand Dienstag waren laut den Angaben des Kultusministeriums landesweit 1.471 Lehrerinnen und Lehrer in Quarantäne. Das sind 1,07 Prozent aller Lehrkräfte in Baden-Württemberg. Infiziert sind derzeit 2.277 Lehrkräfte (1,65 Prozent).

Bei den Schülerinnen und Schülern sind diese Zahlen höher. Demnach wurden 31.503 Schülerinnen und Schüler positiv auf Corona getestet. Das sind etwa 2,15 Prozent. 34.686 Schülerinnen und Schüler (2,36 Prozent) befinden in Quarantäne (Stand: Dienstag, 1.2.2022).

Unterschiedliche Vorgaben bei der Quarantäne

Aktuell habe man eine sehr unübersichtliche Lage, was das Vorgehen bei Quarantäne angehe, sagte VBE-Landeschef Brand. Das liege zum einen an der Dynamik der Infektionen, aber auch daran, dass verschiedene Gesundheitsämter unterschiedliche Vorgaben machten. Das ist laut Brand besonders heikel, wenn Kinder aus verschiedenen Landkreisen dieselbe Schule besuchen.

Zudem sei die Belastung für das Lehrerkollegium mittlerweile sehr hoch. Neun von zehn Lehrerinnen und Lehrern sowie Schulleitungen schätzten die Situation einer nicht repräsentativen Umfrage des VBE zufolge vergangene Woche als grenzwertig ein. "Die Nerven liegen blank", sagte der Verbandschef. "Wir haben nicht genügen Personalressourcen, aber das kann man jetzt nicht nachholen."

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Die Inzidenzwerte bei Kindern und Jugendlichen sind derzeit deutlich höher als der Wert der Gesamt-Sieben-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg. Bei den sechs bis neun Jahre alten Kindern lag der Wert am Dienstag bei mehr als 3.400, in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen bei mehr als 2.400. Trotzdem wolle man den Präsenzunterricht an Schulen so lange wie möglich aufrechterhalten, heißt es aus dem Sozialministerium. Auch die Verbände sehen Schulschließungen nur als letzte Option. "Wir müssen jetzt zwei Wochen lang eine ganz harte Strecke durchstehen", sagte Brand. Seine Hoffnung ist, dass sich im März, wie im Vorjahr, die Lage wieder verbessert.

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