Ein Mitarbeiter zeigt in einer Corona-Abstrichstelle einen Abstrich für einen Corona-Test. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/ZUMA Press Wire | Sri Loganathan)

Einschätzung des Landesgesundheitsamts

Corona-Pandemie in Baden-Württemberg: Omikron bald vorherrschende Virusvariante

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Das Landesgesundheitsamt rechnet damit, dass in ein bis zwei Wochen fast nur noch Omikron-Fälle in Baden-Württemberg auftreten. Die Delta-Variante wird zunehmend verdrängt.

Die Sorge vor einer schnellen Ausbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante wächst. Auch in Baden-Württemberg befassen sich Krisenstäbe mit der Frage, wie man die kritische Infrastruktur im Bereich Gesundheit und Sicherheit aufrechterhalten kann, falls es dort bei den Beschäftigten zahlreiche Omikron-Infektionen geben sollte. Auch das Landesgesundheitsamt geht davon aus, dass Omikron schon in wenigen Tagen die dominierende Variante in Baden-Württemberg sein wird.

Noch sind die Infektionszahlen in Baden-Württemberg mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 251,7 (Stand: 4.1., 16 Uhr) moderat. In den Weihnachtsferien wird allerdings viel weniger getestet. Und deshalb seien die Zahlen nicht repräsentativ, warnt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD): "Die Untererfassung ist wahrscheinlich in der Größenordnung, dass derzeit die tatsächliche Inzidenz zwei- bis dreimal so hoch ist, wie die Inzidenz, die wir ausmessen."

LGA-Chef: "Omikron verdoppelt sich alle vier bis fünf Tage"

Auch Gottfried Roller, Leiter des Landesgesundheitsamts (LGA), rechnet ab Mitte Januar mit stark steigenden Infektionszahlen. "Der Anteil von Omikron verdoppelt sich derzeit alle vier bis fünf Tage. In den nächsten ein bis zwei Wochen ist davon auszugehen, dass wir wahrscheinlich nur noch Omikron-Fälle haben könnten", sagte Roller dem SWR. Eine aktuelle Abfrage bei den Laboren zeige, dass bereits jetzt bei über 50 Prozent aller SARS-CoV-2 Diagnosen die Omikron-Variante nachgewiesen werde, teilte ein Sprecher des Sozialministeriums in Stuttgart am Dienstag mit.

Dass die Lage in Baden-Württemberg im Augenblick vergleichsweise entspannt ist, führt der Mediziner auf die strengen Maßnahmen in der Alarmstufe zurück. Die Fallzahlen werden auf jeden Fall wieder steigen, so Roller. Aber die Krankheitsverläufe sind bei der hochansteckenden Omikron-Virusvariante offenbar nicht so dramatisch. "Wir sehen ja, wie das in anderen Ländern aussieht, bei moderaten Maßnahmen im Vergleich zu Baden-Württemberg. Wir haben in Großbritannien eine vierstellige Sieben-Tage-Inzidenz und gleichzeitig sehen wir aber auch, dass die Belastung des Gesundheitssystems noch vertretbar ist - auch im Vergleich mit den vorangegangenen Wellen", so Roller.

Baden-Württemberg gut auf Omikron-Wellte vorbereitet

Allerdings könnte die hohe Ansteckungsgefahr von Omikron in vielen Betrieben zu krankheitsbedingten Personalausfällen führen - auch in der kritischen Infrastruktur, etwa den Bereichen Sicherheit und Gesundheit. Deshalb sei es richtig, dass die Politik über eine Verkürzung der Quarantänedauer bei Kontaktpersonen von Infizierten diskutiert, findet der Chef des Landesgesundheitsamts. "Natürlich kann man darüber nachdenken, nach dem die Infektiosität sehr hoch ist, die Quarantändedauer zu verkürzen. Das kann fachlich durchaus Sinn machen. Allerdings muss man sich dann auch überlegen, ob gegebenenfalls weitere Maßnahmen anschließen", erklärte Roller. Dabei weist er vor allem auf das Thema Freitestung hin.

Er sieht Baden-Württemberg gut vorbereitet auf die Omikron-Welle. Auch von der Neustrukturierung des öffentlichen Gesundheitsdienstes verspricht sich Roller effizienteres Arbeiten. Seit Beginn des Jahres gehört das Landesgesundheitsamt zum Sozialministerium und ist direkt für die Fachaufsicht der 35 Gesundheitsämter mit ihren mehr als 600 Mitarbeitenden zuständig.

Keine Überlastung der Kliniken in BW erwartet

Auch der Koordinator für intensivmedizinische Versorgung von Covid-19-Patientinnen und Patienten in Baden-Württemberg, Götz Geldner, fordert im SWR-Gespräch, die Quarantäneregeln für Mitarbeitende ohne Symptome anzupassen. Mit einer Überlastung der Kliniken durch Omikron rechne er aber aktuell nicht. Dafür müsste man es aber schaffen, die Omikron-Welle abzuschwächen.

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Eine Einschätzung der SWR Wissensredaktion zur verkürzten Quarantäne bei Omikron-Infektionen:

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BW-Landesregierung wartet auf Einschätzung des RKI

Bund und Länder diskutieren deshalb, ob Quarantänefristen für Berufsgruppen wie Polizei und Feuerwehr verkürzt werden sollen. Eine Empfehlung des Robert Koch-Instituts (RKI) wird noch diese Woche erwartet. Wie die Landesregierung dem SWR mitteilte, will sie sich an dieser Bewertung orientieren.

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