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Mit Stuttgart geht eine Grünen-Hochburg an einen CDU-Kandidaten. Die baden-württembergische CDU jubelt. Für die Grünen dagegen könnte das Ergebnis ein Dämpfer vor der Landtagswahl im März sein.

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Der baden-württembergische CDU-Landeschef Thomas Strobl sprach von einem "sensationell guten Wahlabend". Der Wahlerfolg von Frank Nopper in Stuttgart zeige, dass die CDU auch Großstadt könne. Auch die CDU-Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl im März, Kultusministerin Susanne Eisenmann, beglückwünschte Nopper. Der künftige Oberbürgermeister werde "Stuttgart zum Strahlen bringen".

Nopper hatte den zweiten Wahlgang am Sonntagabend mit 42,3 Prozent der Stimmen für sich entschieden und folgt damit auf Fritz Kuhn (Grüne), der nicht noch einmal angetreten war. Der parteiunabhängige Marian Schreier musste sich mit 36,9 Prozent geschlagen geben. Der Kandidat von Stuttgart Ökologisch Sozial, Hannes Rockenbauch, folgte dahinter mit 17,8 Prozent. Die Kandidatin der Grünen, Veronika Kienzle, war nach dem ersten Wahlgang nicht noch einmal angetreten.

Die baden-württembergischen Grünen beglückwünschten Wahlsieger Nopper per Twitter. Landesvorsitzende Sandra Detzer wünschte ihm "eine glückliche Hand zum Wohle von Stuttgart". Auch der grüne Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir beglückwünschte Nopper "trotz mancher Differenzen".

Herzlichen Glückwunsch Dr. Frank Nopper zu Ihrer Wahl zum Oberbürgermeister der Landeshauptstadt #Stuttgart. Trotz mancher Differenzen wünsche ich Ihnen alles Gute und eine glückliche Hand bei Ihrer Arbeit zum Wohle unserer Stadt. #OBWahlStuttgart

Experte: OB-Wahl ein Warnschuss für die Grünen

Aus Sicht des Stuttgarter Kommunikationswissenschaftlers Frank Brettschneider ist das Wahlergebnis für die Grünen ein Warnschuss vor der Landtagswahl im März. "Das ist definitiv ein Fingerzeig für die Grünen, dass sie nicht denken dürfen, die Wahl sei schon gelaufen", sagte der Professor der Universität Hohenheim gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist klar ein Dämpfer." Die Partei müsse Wahlkampf machen und kampagnenfähig sein. Das sei ihr in Stuttgart nicht gelungen.

Aus Sicht des Politologen Ulrich Eith von der Universität Freiburg könnte auch die geringere Wahlbeteiligung Rückschlüsse auf das Wahlverhalten potentieller Grünen-Wähler liefern, die nach dem Rückzug der Grünen-Kandidatin Veronika Kienzle vermehrt nicht zur Wahlurne gegangen sein könnten. "Auffällig ist auch, dass Marian Schreier in Grünen-Innenstadtbezirken ganz gut abgeschnitten hat", so Eith im SWR-Interview. Seiner Meinung nach hätte ein prominenterer Kandidat den Grünen helfen können. Das Management der Partei im Vorfeld der OB-Wahl sei nicht "allzu gut" gewesen, so Eith weiter. Zudem sei laut dem Freiburger Politologen nicht ausreichend sichtbar geworden, in welchen Punkten der bisherige Oberbürgermeister Kuhn Stuttgart vorangebracht habe.

Hinter Kretschmann tun sich Lücken auf

Die Bedeutung für die Landtagswahl im März dürfe man jedoch nicht überschätzen, so SWR-Redakteur Anno Knüttgen aus der Redaktion Landespolitik. "Die Landtagswahl im März ist eine völlig andere Geschichte." Zum einen gehe es im Land um ganz andere Themen. Zum anderen könne sich die CDU nach dem Ergebnis in Stuttgart zwar Mut für andere Wahlen machen. Jedoch sei der bisherige Grünen-OB Kuhn nicht sonderlich beliebt gewesen, während die CDU bei der Landtagswahl gegen den durchaus beliebten Winfried Kretschmann bestehen müsse. Allerdings zeige die OB-Wahl in Stuttgart, dass sich bei den Grünen vor allem hinter Kretschmann Lücken auftun, so SWR-Redakteur Knüttgen. Es fehle nicht nur an starken Kandidaten für Bürgermeisterwahlen, sondern auch ein potenzieller Nachfolger für Kretschmann selbst.

Schreier: "Großartiges Ergebnis"

Etwas schmallippig gibt sich die SPD. Sie hatte im Vorfeld der Wahlen keine Wahlempfehlung für den unabhängigen Marian Schreier ausgesprochen. Der 30-Jährige gehört zwar der SPD an, lässt die Mitgliedschaft aber aktuell ruhen.

Die knapp 37 Prozent für Schreier seien mehr als ein Achtungserfolg, hieß es heute. Man gratuliere Frank Nopper zur Wahl und hoffe auf gute Zusammenarbeit im Interesse der Stadt und aller Bürger, so SPD-Landeschef Andreas Stoch. Die Partei hatte im ersten Wahlgang mit Martin Körner auf einen anderen Kandidaten gesetzt.

Schreier selbst wünsche dem Wahlsieger Nopper via Twitter "alles Gute für die Amtsführung". Er wertete sein eigenes Abschneiden als "großartiges Ergebnis" und dankte seinen Unterstützern. Anfang des Jahres habe ihn praktisch niemand in der Stadt gekannt, nun habe er die Unterstützung von mehr als 70.000 Menschen bekommen.

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