Eine Dosis mit dem Corona-Impfstoff von Novavax wird für eine Impfung vorbereitet. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/AP | Alastair Grant)

Novavax: Gesundheitspersonal wird bevorzugt

Wird der Corona-Impfstoff von Novavax eine attraktive Alternative für Impfskeptiker?

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Heidrun Lieb

Die Nachfrage nach dem Corona-Impfstoff der Firma Novavax ist hoch. Vor allem für Impfskeptiker könnte er interessant sein. Ab Ende Februar ist er in Baden-Württemberg erhältlich.

Baden-Württemberg erhält ab Ende Februar vom Bund über mehrere Wochen hinweg insgesamt rund 500.000 Dosen des Corona-Impfstoffs der Firma Novavax, weitere Mengen sind angekündigt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hatte sich zuvor für die Impfung mit dem Präparat "Nuvaxovid" für Menschen ab 18 Jahren ausgesprochen. Die Nachfrage nach dem Protein-Impfstoff habe "in den beiden letzten Wochen merkbar zugenommen", teilte das baden-württembergische Gesundheitsministerium dem SWR auf Anfrage mit.

Bislang gibt es jedoch im Land - anders als in Rheinland-Pfalz - keine Möglichkeit, sich vorab online für das Novavax-Vakzin anzumelden. Dies solle voraussichtlich bald der Fall sein, hierzu würden Gespräche mit den Landkreisen geführt, sagte ein Ministeriumssprecher. Welche Möglichkeiten ab welchem Zeitpunkt zur Verfügung gestellt werden könnten, würde aktuell "mit hoher Priorität geprüft".

Lassen sich Impfskeptiker mit dem Corona-Impfstoff von Novavax impfen?

Das Klinikum Stuttgart bietet in seinen Impfstationen bereits eine Warteliste für den Novavax-Impfstoff an. Etwa 500 Personen hätten sich nach Angaben der Klinikleitung bereits registriert, überwiegend Mitarbeitende aus dem Gesundheitswesen. Die meisten Personen auf der Warteliste seien bislang ungeimpft.

"Novavax scheint für einen Teil der bislang skeptischen Bevölkerung also eine attraktive Alternative mit einem bewährten Wirkprinzip zu sein."

Auch der Hauptgeschäftsführer der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), Matthias Einwag, ist überzeugt: "Mit dieser neuen Technologie könnten etliche Impfskeptiker für eine Immunisierung gewonnen werden." Er schätze, dass man drei Viertel der zehn Prozent Ungeimpften im Gesundheitswesen mit dem Impfstoff dazu bewegen könne, sich immunisieren zu lassen, sagte Einwag der Deutschen Presse-Agentur.

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Novavax: Personal von Kliniken und Pflegeheimen wird bevorzugt

Fest steht jetzt schon: Nicht alle Personen, die mit dem Novavax-Impfstoff geimpft werden möchten, können gleichzeitig einen Termin bekommen. Deshalb sollen zunächst vorrangig Personen bevorzugt werden, die der einrichtungsbezogenen Impfpflicht unterliegen, hieß es aus dem Gesundheitsministerium Baden-Württemberg. Das Gesetz zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht wurde im Dezember von Bundestag und Bundesrat beschlossen und soll ab 15. März gelten.

Einrichtungsbezogene Impfpflicht sorgt für Koalitionsstreit im Land

Doch genau dieses Gesetz sorgt nun für Spannungen in der baden-württembergischen Landesregierung. CDU-Landeschef Thomas Strobl hat sich am Mittwoch dafür ausgesprochen, die Impfpflicht für Beschäftigte in Kliniken und Pflegeheimen auszusetzen. Zu viele Fragen zur Umsetzung seien noch ungeklärt, sagte Strobl der Deutschen Presse-Agentur. Der Bund müsse dringend eine bundeseinheitliche Lösung herbeiführen.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will hingegen am beschlossenen Gesetz festhalten. Er hatte sich am Dienstag irritiert über die Pläne des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) gezeigt. Dieser beabsichtigt, die einrichtungsbezogene Impfpflicht auszusetzen.

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Auch der CDU-Chef in BW fordert nun eine Aussetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht. Und geht damit auf Distanz zum Ministerpräsidenten. Die Opposition fordert ein Machtwort von Kretschmann.

Teil-Impfpflicht: Gesundheitsbranche befürchtet Kündigungen

In der Krankenhauslandschaft sei die einrichtungsbezogene Impfpflicht nach Beobachtung Einwags von der BWKG "Gesprächsthema Nummer eins". Die Kliniken würden eine Abwanderung von Personal in andere Branchen befürchten. Das gelte besonders für IT-Fachleute, Elektriker und Verwaltungsangestellte. "Das würde die Krankenhäuser unter erheblichen Stress setzen", erläuterte Einwag. Werde die einrichtungsbezogene in eine allgemeine Impfpflicht eingebettet, könne ein solcher Aderlass vermieden werden, ist er überzeugt.

In der Evangelischen Heimstiftung in Stuttgart ist die Hoffnung groß, dass das Vakzin von Novavax für viele der ungeimpften Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine annehmbare Alternative ist. Die Pressesprecherin Alexandra Heizereder befürchtet jedoch, dass sich nicht alle der rund 200 bis 300 ungeimpften Beschäftigten aus allen Bereichen impfen lassen. Deshalb gebe es bereits Notfallpläne mit Urlaubssperren, Sonderschichten und Überstunden. Wahrscheinlich werde die Heimstiftung auch vorübergehend Aufnahmen ablehnen müssen, weil sie nicht genügend Mitarbeitende haben, so Heizereder.

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Wo ist es möglich, sich mit dem Novavax-Impfstoff impfen zu lassen?

Wo sich Menschen in Baden-Württemberg mit dem Präparat "Nuvaxovid" des US-Herstellers Novavax impfen lassen können, steht noch nicht fest. Nach Angaben des BW-Gesundheitsministeriums werde der Impfstoff unter Berücksichtigung der Bevölkerungszahlen über die Stadt- und Landkreise bedarfsgerecht an entsprechende Akteure verteilt. Geplant sei, auf Kreisebene mindestens alle Impfangebote des Landes auszuweisen, bei denen eine Impfung mit dem Novavax-Vakzin möglich ist.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) sei es im Moment jedoch noch nicht geplant, den neuen Impfstoff an Arztpraxen auszuliefern. Ebenso ist unklar, ob der Novavax-Impfstoff in Apotheken erhältlich sein wird.

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