Mitarbeiter der Apotheke des Klinikums Stuttgart (r), packen in der Apotheke die erste Lieferung des neuen Impfstoffes Nuvaxovid des US-Herstellers Novavax aus.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)

Alternative zu mRNA-Technologie?

Corona: Erste Novavax-Impfungen in BW verabreicht

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Die ersten Personen sind in Baden-Württemberg mit dem Proteinimpfstoff von Novavax geimpft worden. Priorität hat das Gesundheitswesen.

In Baden-Württemberg sind die ersten Dosen des neuen Corona-Impfstoffs von Novavax verabreicht worden. Im Klinikum Stuttgart traf die länger ersehnte Ware am Dienstagmittag an, wenige Stunden später wurden bereits die ersten Impfungen damit gesetzt.

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Insgesamt wurden zum Start 60 Termine im Klinikum vergeben, am Mittwoch werden weitere 300 Menschen mit dem Präparat geimpft, sagte eine Sprecherin. Die Klinik schätzt, dass etwa die Hälfte der Termine von Gesundheitspersonal nachgefragt wurde. Nachdem Baden-Württemberg am Freitag die erste Lieferung des neuen Impfstoffs Nuvaxovid der US-Firma Novavax vom Bund erhalten hat, wurden die 192.000 Dosen an die Stadt- und Landkreise ausgeliefert, teilte das Sozialministerium mit.

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Hoffnung: Mit Novavax Impfkampagne beschleunigen

Die Stadt- und Landkreise sollen zudem eigenständig festlegen, ab wann damit geimpft wird. Sie seien über das Angebot mit Novavax-Impfstoff informiert worden, sodass bei Bedarf mobile Impfteams in Einrichtungen des Gesundheitswesens geschickt werden könnten.

"Wir gehen davon aus, dass dies teilweise noch am Tag der Lieferung erfolgt", hatte eine Sprecherin des Ministeriums am Freitag betont. Spätestens von kommendem Freitag an soll es landesweit entsprechende Impfangebote geben. Die Hälfte des aktuell verfügbaren Impfstoffs von Novavax sei für Beschäftigte des Gesundheitswesens reserviert, so Sozialminister Manfred Lucha (Grüne).

"Sie unterliegen ab Mitte März größtenteils der einrichtungsbezogenen Impfpflicht. Ich hoffe sehr, dass der Impfstoff viele skeptische Menschen noch überzeugen kann, sich impfen zu lassen."

Ähnlich sieht das Jan Steffen Jürgensen, der medizinische Vorstand am Klinikum Stuttgart. 97 Prozent der Beschäftigten seien bereits geimpft. Unter den Verbleibenden seien manche skeptisch gegenüber der neuen Technologie der mRNA-Impfstoffe. Diese Impflücke hofft er nun schließen zu können.

700 Anmeldungen für die Impfungen gebe es derzeit allein in Stuttgart. Kein Run, aber eine gute Nachfrage, findet Uwe Lahl, Amtschef im Sozialministerium. Auch er hofft, die Impfquote weiter steigern zu können.

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Alternative zu mRNA-Impfstoffen von BioNTech und Moderna

Die Politik in Deutschland und Baden-Württemberg hofft, dass der Impfstoff des US-Herstellers Novavax der Impfkampagne neuen Schwung verleiht. Er könnte eine Alternative für manche sein, die sich nicht mit den bisherigen mRNA-Impfstoffen von BioNTech und Moderna impfen ließen. Der Novavax-Impfstoff basiert auf einem klassischeren Verfahren - ähnlich wie die bekannten Impfstoffe gegen Grippe. Ungeimpfte Beschäftigte und Mitarbeitende von Kliniken und Pflegeheimen müssen sich vor Inkrafttreten der einrichtungsbezogenen Impfpflicht am 16. März immunisieren lassen, um weiter arbeiten zu dürfen.

Laut Bundesgesundheitsministerium erhält Deutschland im ersten Quartal 2022 vier Millionen Dosen des Novavax-Impfstoffs, zwischen April und Juni sollen dann weitere 30 Millionen Dosen nach Deutschland geliefert und an die Bundesländer verteilt werden.

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192.000 Dosen des Novavax-Impfstoffs für BW

Zwischen Dienstag (1. März) und Donnerstag (3. März) will das Land Baden-Württemberg die vorerst verfügbaren 192.000 Dosen Nuvaxovid an die Stadt- und Landkreise verteilen. Vor Ort geben dann Stadt- und Landkreise sowie der Pandemiebeauftragte der Landesärztekammer den Impfstoff weiter - etwa an die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Das Sozialministerium forderte die Stadt- und Landkreise auf, per digitalem Terminbuchungstool oder alternativen Vormerkungsmöglichkeiten den einfachen Zugang zu Novavax-Impfterminen zu ermöglichen.

In den jeweiligen Regionen variieren die Starttermine für die Impfungen mit dem neuen Impfstoff teilweise stark. So geht es voraussichtlich ab dem 6. März beispielsweise im Kreis Freudenstadt los - während man etwa im Zollernalbkreis noch gar kein Datum nennen kann. In Baden-Baden werden ab 7. März erste Termine vergeben, aber nur für Personen, die von der einrichtungsbezogenen Impfpflicht betroffen sind. Im Enzkreis soll es "spätestens an Aschermittwoch" losgehen, so die erste Landesbeamtin Hilde Neidhardt.

In Stuttgart soll ab Mittwoch in Schwerpunktpraxen geimpften werden. Im Kreis Schwäbisch Hall ist bereits eine Sonderimpfaktion am 6. März im Impfstützpunkt Crailsheim angekündigt. Die Stadt Heilbronn hat dazu aufgerufen, sich auf die Merkliste für den Novavax-Impfstoff einzutragen. Im Impfstützpunkt des Landkreises Heilbronn in Ilsfeld-Auenstein sind ab 2. März auch Impfungen mit dem Novavax-Impfstoff möglich.

Im Kreisimpfzentrum Tuttlingen ist laut Landratsamt ab dem 4. März der Impfstoff von Novavax verfügbar. Im Kommunalen Impfzentrum im Mannheimer Rosengarten sind seit vergangener Woche Termine für die Erstimpfung mit dem Impfstoff von Novavax buchbar. Allerdings zunächst nur für Betroffene der einrichtungsbezogenen Impfpflicht ab 18 Jahren. Die ersten Impftermine finden laut Stadtverwaltung ab dem 7. März statt.

Coronavirus: Noch immer mehr als jeder Vierte in BW nicht geimpft

Die Hoffnung von Lucha, durch den Corona-Impfstoff von Novavax Fahrt ins Tempo der Covid-Impfungen zu bekommen, scheint angesichts der aktuellen Zahlen nicht unbegründet.

Im Verlauf der vergangenen Woche hat sich die Zahl der Menschen in Baden-Württemberg, die einen Grundschutz - für den meist zwei Spritzen nötig sind - erhalten haben, kaum verändert. Waren es am 19. Februar 73,4 Prozent der Baden-Württembergerinnen und Baden-Württemberger, beträgt der Wert aktuell (Stand: 28. Februar, 10 Uhr) 73,7 Prozent, wie aus dem Impfdashboard des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Die gleiche Prozentzahl der Bevölkerung habe demnach mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten.

55,8 Prozent der Menschen in Baden-Württemberg haben bereits mindestens eine Auffrischungsimpfung erhalten. Im Vergleich zum 19. Februar nahm der Wert um lediglich einen halben Prozentpunkt zu. In allen relevanten Kenngrößen bewegt sich Baden-Württemberg damit unter dem Bundesschnitt.

Das RKI weist allerdings seit Längerem darauf hin, dass die oben ausgewiesenen Zahlen als Mindestimpfquoten zu verstehen sind. Eine hundertprozentige Erfassung durch das Meldesystem könne nicht erreicht werden. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass die tatsächliche Impfquote bis zu fünf Prozentpunkte höher liegt als auf dem Dashboard angegeben.

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