Im Warteberich des Impfzentrums Karlsruhe sitzen wenige Menschen (Foto: SWR, Bettina Gall)

Probleme bei der Impfkampagne

Teils jeder zehnte Termin nicht wahrgenommen - Corona-Impfzentren kompensieren Absagen

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Nicht jeder Impfstoff ist gleich beliebt. Um Absagen zu kompensieren, setzen die Impfzentren in Baden-Württemberg auf verschiedene Lösungen - und manchmal auf den "kurzen Dienstweg".

Termine für eine Impfung gegen das Coronavirus sind in Baden-Württemberg weiterhin rar - auch wegen zahlreicher Zweitimpfungen. Dennoch werden immer wieder Termine abgesagt oder die Patientinnen und Patienten tauchen einfach nicht auf. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums handelt es sich besonders bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten um Einzelfälle.

Mehr Absagen bei Astrazeneca in Ulm

Die Impfzentren im Land berichten aber auch von anderen Eindrücken. Im Impfzentrum in Ulm werden 2.700 Impfungen am Tag verabreicht, weitere 800 bis 900 Impfungen übernehmen die mobilen Teams. Die Quote der nicht wahrgenommenen oder abgesagten Termine liege konstant bei drei oder vier Prozent, wenn Moderna oder das Biontech-Vakzin in die Spitze aufgezogen werden soll, sagte Hagen Feucht, der Organisatorische Leiter des Impfzentrums. Beim Astrazeneca-Impfstoff müssten neun Prozent der Termine am Tag neu oder anders besetzt werden. Probleme sieht er nicht: "Wir bereiten den Impfstoff erst zu, wenn die Person auch erschienen ist. Das hat sich bewährt", sagte er.

Übersicht zum Fortschritt der Impfkampagne:

"Kaum Chance" auf Termin in Impfzentren

Feucht kritisiert aber auch die Freigabe der Impfstoffe für alle zum 7. Juni. "Wer jetzt berechtigt ist, geimpft zu werden und noch keinen Termin hat, der bekommt derzeit kaum einen Termin wegen des fehlenden Impfstoffs", so Feucht. "Und später hat er kaum eine Chance, wenn sich alle auf die Termine stürzen."

Karlsruhe: Manchmal kommt jeder Zehnte nicht

Seit der Freigabe der Impfpriorisierung bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten organisieren sich Menschen manchmal parallel zum Impfzentrum Termine. "Selbst Biontech-Termine werden bei uns nicht wahrgenommen, weil die Menschen vielleicht schon bei ihrem Hausarzt einen Termin bekommen haben", sagte Dieter Hassler, der Leiter der beiden Impfzentren im Landkreis Karlsruhe. An manchen Tagen kämen bis zu zehn Prozent der Patientinnen und Patienten nicht.

"Das ist erstmal keine große Menge, aber für unsere Planungen schon relevant", sagte der Allgemeinmediziner. "Wir haben aber niemals Impfstoff vernichtet", betonte er. Zum einen versuchten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegen Mittag zu kalkulieren, wie viele Impfdosen noch bis zum Abend benötigt würden, um nicht zu viele Spritzen aufzuziehen. Zum anderen arbeiteten die Impfzentren in Bruchsal und Sulzfeld mit den Maltesern zusammen. "Da führt eine Frau eine Warteliste. Die rufen wir dann an und die Frau ruft die Menschen an." Eine ähnliche Kooperation gebe es mit zwei Hausärzten in der Nähe. Auch an ein Dialysezentrum seien schon überschüssige Impfdosen abgegeben worden.

Interesse an Impfungen in Stuttgart "gewaltig"

Auch im Klinikum Stuttgart bleibt nichts liegen, wie Sprecherin Annette Seifert versichert. Im Impfzentrum werde wie in Ulm jede Impfung frisch aufgezogen. "Da bleibt nichts übrig." Probleme mit der Nichtwahrnehmung von Impfterminen gebe es jedoch nicht. "Das Interesse an einer Impfung ist so gewaltig, dass alle abgesagten oder nicht wahr genommenen Impftermine sofort durch andere Impfwillige aufgefüllt werden können", so Seifert. Auch Begleitpersonen würden Termine in diesen Fällen angeboten, sofern sie berechtigt seien. Mit dem Astrazeneca-Impfstoff werde ebenfalls "gerne und häufig geimpft", heißt es im Klinikum, das eines der neun Zentralen Impfzentren im Land betreibt.

Zahlen zu nicht wahrgenommenen Terminen liegen dem Gesundheitsministerium nicht vor, es spricht aber von einem "verschwindend geringen Anteil". "Die Person ist dann meistens krank oder hat einen wirklich wichtigen anderen Termin, für den man die Impfung nicht antritt", sagte ein Sprecher. Es sei in diesen Fällen in der Regel kein Problem, die Lücke zum Beispiel über Wartelisten zu füllen. "Die Nachfrage ist größer als das Angebot. Kein Impfstoff wird einfach so verworfen, weil jemand nicht kommt. Viele Menschen fahren auch extra weiter entfernte Impfzentren an, wenn es dort Termine gibt", sagte er.

Individuelle Lösungen auf "kurzem Dienstweg"

Die Ärztinnen und Ärzte hätten unterschiedliche Wege, um mögliche Ausfälle aufzufangen, wie Manfred King, der Sprecher des baden-württembergischen Hausärzteverbands, sagt. "Der Schlüssel sind hier die individuellen Lösungen der Praxen. Von Wartelisten bis Maillisten ist alles möglich."

Aus dem Ulmer Impfzentrum berichten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sie würden sich bei freien Terminen auch bei Bekannten und Verwandten umhören. In den vergangenen Wochen sei das immer wieder vorgekommen, erzählte ein Helfer, der als Einweiser und in der Registrierung arbeitet. Er selbst habe bereits mehreren Bekannten zum Impfstoff verholfen - und dieses Impfangebot auf dem kurzen Dienstweg laufe dann ohne Priorisierung. Am Ende des Tages blieben keine Dosen übrig, betont er und fügt hinzu: "Ich habe noch nie gehört, dass eine Spritze weggeschmissen wurde."

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