Eine Buchstabiertafel aus einem PotsdamerTelefonbuch aus dem Jahr 1964 ist in der Bibliothek des Museums für Kommunikation Berlin zu sehen.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Soeder)

Ortsnamen statt Vornamen

Neues Buchstabier-Alphabet: Stuttgart und Tübingen bald in aller Munde?

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"A wie Anton und C wie Cäsar" - das kennt fast jeder, wenn es darum geht, beim Diktieren Buchstaben zu verdeutlichen. Jetzt sollen Ortsnamen die Vornamen ersetzen. Mit dabei auch Stuttgart und Tübingen.

In Deutschland ist eigentlich so gut wie alles geregelt. Fast nichts wird dem Zufall überlassen, alles muss seine Ordnung haben. Auch wie man beim Diktieren klar macht, welchen Buchstaben man nun gerade meint. "S wie Siegfried". Das nun genau Siegfried beim Buchstaben "S" zu Ehren kommt, verdanken wir dem Deutschen Institut der Normung (DIN) und noch genauer der DIN 5009. Diese Norm regelt nämlich, mit welchen Worten wir beim Diktieren die Buchstaben verdeutlichen sollen. Bislang sind es es Vornamen. Doch das soll sich nun ändern.

Stuttgart und Tübingen ins Diktier-Alphabet?

Denn das Deutsche Institut für Normung arbeitet an einer neuen Fassung der Buchstabiertafel für Wirtschaft und Verwaltung mit Orts- statt Vornamen. Und dabei spielen Stuttgart und Tübingen eine entscheidende Rolle. Beide Städte aus Baden-Württemberg könnten in das neue Diktier-Alphabet aufgenommen werden.

"T wie Tübingen - das ist gut für das Selbstverständnis der Stadt und stärkt Tübingen als Wirtschaftsstandort und touristisches Ziel."

Die neue Buchstabiertafel sorge dafür, dass Tübingen buchstäblich in aller Munde sei, hieß es aus der Stadt. Vom damit verbundenen Bekanntheitsgrad würde man als vergleichsweise kleine Stadt besonders profitieren.

Eine Buchstabiertafel aus einem Berliner Telefonbuch aus dem Jahr 197889 ist durch eine Lupe in der Bibliothek des Museums für Kommunikation Berlin zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christoph Soeder)
Früher fanden sich Buchstabiertafeln in den Telefonbüchern. picture alliance/dpa | Christoph Soeder

Baden-Württemberg hat mit Tübingen und Stuttgart zwei Städte im Rennen. Spitzenreiter mit sieben Städten ist Nordrhein-Westfalen (zum Beispiel Essen, Köln und Wuppertal). Dahinter folgt Bayern mit vier Städten, unter anderem München und Augsburg. Das Saarland, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg und Sachsen-Anhalt gehen nach derzeitigem Stand leer aus. Bei "Eszett" und "Ypsilon" soll es bei der einfachen Bezeichnung der Buchstaben bleiben. Die Umlaute würden dann nicht mehr "Ärger", "Ökonom" und "Übermut", sondern "Umlaut-A", "Umlaut-O" und "Umlaut-U" heißen.

Warum Städtenamen?

Das Diktier-Alphabet wird vor allem in Wirtschaft und Verwaltung genutzt, Rettungsdienste, Polizei oder Luftfahrt sind nicht betroffen. Verpflichtend ist die Nutzung nicht, sie kommt aber in Ausbildung und Lehrbüchern vor. Sie umfasst 32 Buchstaben und Buchstabengruppen. Bislang werden vor allem Vornamen ("D wie Dora", "E wie Emil") genutzt.

Allerdings gibt es einen deutlichen Überschuss von Männernamen: 16 männlichen Vornamen stehen nur sechs Frauennamen gegenüber. "Das entspricht nicht der heutigen Lebensrealität", teilte das Institut mit. Es sei nicht möglich, alle relevanten ethnischen und religiösen Gruppen und dann auch noch geschlechtergerecht ausgewogen darzustellen. Städtenamen seien ein guter Kompromiss.

In dem Entwurf setzt man vor allem auf Orte, die ein Autokennzeichen mit einem Buchstaben haben. Man habe versucht, westdeutsche und ostdeutsche Bundesländer ausgeglichen auszuwählen. Chemnitz, Görlitz, Jena und fünf weitere der 26 Städte vertreten die Bundesländer in Ostdeutschland. Dazu kommt mit "Vogtland" die einzige Region unter den Bezeichnungen.

Auslöser für Änderung kam aus Baden-Württemberg

Das DIN arbeitet schon seit vergangenem Herbst an den neuen Diktierregeln. Ausgelöst hat die Reform Michael Blume, Baden-Württembergs Antisemitismusbeauftragter. Ihn stört, dass in der aktuellen Tafel noch immer Relikte aus der Zeit der Nationalsozialisten stecken. Die hatten 1934 alle jüdischen Namen entfernt: Aus David wurde Dora, aus Nathan Nordpol, aus Samuel Siegfried. Zwar wurde die Tafel nach 1945 einige Male überarbeitet. Doch Nathan blieb draußen, Nordpol drin - jetzt könnte daraus Nürnberg werden.

Noch ist die Ende Juli vorgestellte Fassung mit den Ortsnamen aber nur ein Entwurf. Interessierte können sich noch mit Ideen und Kommentaren an das Deutsche Institut für Normung wenden. Die endgültige Fassung wird Mitte 2022 erwartet.

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SWR