Wissenschaftler forschen in einem Labor (Foto: IMAGO, IMAGO / Lichtgut)

Forschung an weiteren Impfstoffen

Corona-Impfstoff der US-Armee weckt Hoffnungen - BW-Virologen skeptisch

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Auch im dritten Jahr der Pandemie wird weltweit an Corona-Impfstoffen geforscht. Ein neuer Impfstoff der US-Armee verspricht nun gegen eine große Breite von Corona-Viren zu schützen. BW-Virologen zeigen sich skeptisch.

In den USA wird zurzeit an einem weiteren Impfstoff gearbeitet, der gegen viele Corona-Mutationen und -Varianten schützen soll. Das Forschungsinstitut des Walter-Reed-Militärkrankenhauses hat bereits die ersten Tests am Menschen durchgeführt. Die Forschung der US-Armee macht damit Hoffnung, dass bald eine Impfung gegen viele verschiedene Varianten schützen könnte. So titelte die New York Times bereits im Februar 2021 mit der Frage zu diesem sogenannten "Pancoronavirus-Impfstoff": "Könnte ein einziges Vakzin gegen alle Coronaviren schützen?"

"Es handelt sich hierbei um einen Totimpfstoff, der die Möglichkeit bietet, verschiedene Spike-Antigene von verschiedenen Corona-Varianten in einer Spritze zu kombinieren", so Hartmut Hengel, ärztlicher Leiter des virologischen Instituts der Universität Freiburg. Dies sei sicher ein besonderer Vorteil, so der Professor im Gespräch mit dem SWR. "Mit dieser Kombination kann man einen breit wirksamen Impfstoff erzeugen."

Das für das Coronavirus charakteristische Spike-Protein spielt auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Impfstoffen. (Foto: IMAGO, imago images/MiS)
Das für das Coronavirus charakteristische Spike-Protein spielt auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Impfstoffen. imago images/MiS

Kein Universalimpfstoff gegen alle Corona-Viren

"Die Technologie und das Design des Impfstoffes sind neu." So einen Impfstoff gebe es bisher noch in keiner klinischen Anwendung, so Hengel. "Die Immunantworten, die man bei den Versuchstieren gesehen hat und jetzt neuerdings auch in der Phase 1 am Menschen, sind schon sehr vielversprechend", sagt Hengel.

Dennoch sei es noch kein Universalimpfstoff, der schon von vornherein gegen alle SARS-Corona-Viren schützen werde, so der Professor. "Der Impfstoff schützt gegen die, die man bereits kennt, nicht aber gegen die Viren, die in Zukunft noch auftreten werden", so der Virologe.

Schwachpunkte der bisher verfügbaren Corona-Impfstoffe

Hengel sieht trotz der eindeutig bewiesenen Schutzwirkung die verfügbaren Impfstoffe nüchtern: "Zu den Schwächen der bisherigen Impfstoffe gehören, dass sie keine robuste Schleimhaut-Immunität hervorrufen, dass die Dauer und auch die Breite der Immunität begrenzt sind." Dies sei darauf zurückzuführen, dass man immer nur das Spike-Antigen des Virus einsetze. "Das Corona-Virus ist ja insgesamt viel größer ausgestattet. Es produziert eine Vielzahl von Antigenen - nicht nur das Spike. Die anderen Antigene spielen beim Impfen bisher keine Rolle." Das eröffne aber zukünftig die Möglichkeit, weitere Antigene in die Impfstoffe mit einzubeziehen und die Immunität durch die Impfung zu verbreiten, so Hengel.

"Ich denke, es wäre wichtig, dass man Impfstoffe entwirft, die auf weitere Antigene zielen und nicht nur auf ein einziges Virus-Antigen. Und dieses Defizit löst dieser US-Impfstoff auch nicht. Weil er eben auch nur auf die bekannten Spike-Antigene setzt", so der Virologe. Was man durch die bisher verfügbaren Daten zu diesem neuen Impfstoffkandidaten auch noch nicht wisse, sei, ob er eine bessere Schleimhautimmunität schaffen könne, sagt Hengel. "Das wäre natürlich wichtig, um die Infektionsketten besser zu unterbrechen. Das ist auch die Schwäche der bisherigen Impfstoffe, die das nicht sehr gut können." Entscheidend für den Erfolg des Impfstoffes werde also sein, ob er bezüglich der Schleimhautimmunität und Breite der Immunität überzeugen könne. Bei aller Detailkritik an den Impfstoffen appelliert Hengel aber an die bisher Ungeimpften und noch nicht Geboosterten, sich jetzt impfen zu lassen: „Die bisherigen Impfstoffe leisten einen ausgezeichneten Schutz vor schweren Erkrankungen und Tod, das ist das Allerwichtigste“, so Hengel.

Keine Konkurrenz für andere Corona-Impfstoffe

Im Gespräch mit dem SWR äußert sich auch Thomas Mertens, Chef der Ständigen Impfkommission (STIKO), skeptisch gegenüber Aussagen zur Wirksamkeit des US-Impfstoff: "Ich habe gewisse Zweifel daran, dass es jetzt gelingen wird, einen Impfstoff zu entwickeln, der für lange Zeit oder dauerhaft vor einer Infektion mit dem Corona-Virus schützen kann." Denn andere Corona-Viren seien Erreger, die dem Menschen schon sehr lange bekannt seien und keinen permanenten Schutz vor einer Infektion hinterließen, so Mertens. "Die neue interessante Vorstellung bei diesem US-Impfstoff ist, dass ein Protein des Menschen, das die Eigenschaft hat, sich von allein zu einem Eiweißkügelchen zusammenzulagern zusätzlich auch mit vielen verschiedenen Virus-Antigenen bestückt werden kann." Dadurch solle der Impfstoff gleichzeitig gegen mehrere Coronavirusvarianten schützen", so Mertens. Aber das müsse erst noch wirklich gezeigt werden und es sei noch zu früh um das jetzt abschließend zu bewerten.

"Es ist interessant, wenn neue Impfstoffe entwickelt werden und neue Technologien verwendet werden, aber letztendlich glaube ich, dass wir dennoch längere Zeit warten müssen, um genau zu wissen, was dieser US-Impfstoff auch wirklich leisten kann", betont Mertens. Die anderen Impfstoffe, die derzeit verfügbar seien, würden mit großer Sicherheit auch weiter ihren Platz in der Impfkampagne haben. So wie der mRNA-Impfstoff von BioNTech: "Das ist ein geniales Prinzip." Dieses Prinzip werde auch in Zukunft bei anderen Impfstoffen und auch bei Krebstherapieverfahren wichtiger werden.

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