Die Übersichtsaufnahme zeigt die menschenleere Fußgängerzone in der Freiburger Innenstadt.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Patrick Seeger)

2G Plus, Personenobergrenze und Hotspot-Regeln

Neue Corona-Verordnung in BW: Das gilt in der "Alarmstufe I" und "Alarmstufe II"

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Die Landesregierung verschärft wegen der Corona-Lage in Baden-Württemberg die Infektionsschutzmaßnahmen. Was gilt wo? Ein Überblick über die "Alarmstufen".

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Gesundheitsminister Manfred Lucha (beide Grüne) haben am Dienstag über die geänderte Corona-Verordnung in Baden-Württemberg informiert. Sie wurde am Dienstag (23.11.) schriftlich von den Mitgliedern der Landesregierung beschlossen und ist am 24.11. in Kraft getreten.

Änderungen im Überblick:

Die bisherige Corona-"Alarmstufe" heißt nun "Alarmstufe I". Das gab das Staatsministerium Baden-Württemberg am Dienstag zusammen mit der Einführung der neuen "Alarmstufe II" bekannt. Mit der nun zweigeteilten "Alarmstufe" gehen einige Änderungen und neue Regelungen einher.

"Alarmstufe I" tritt in Kraft, wenn an zwei Tagen in Folge mehr als 390 Corona-Infizierte auf den Intensivstationen in Baden-Württemberg gemeldet werden oder die Hospitalisierungsinzidenz den Grenzwert von 3 überschreitet.

Für die "Alarmstufe II" müssen an zwei Tagen in Folge mehr als 450 Corona-Infizierte auf den Intensivstationen in Baden-Württemberg gemeldet werden oder die Hospitalisierungsinzidenz den Wert von 6 überschreiten. Die Marke für belegte Intensivbetten wurde nun seit Sonntag überschritten. Somit trat am Mittwoch (24.11.) in Baden-Württemberg die "Alarmstufe II" in Kraft. Auch die Hospitalisierungsinzidenz liegt seit Dienstag über dem Grenzwert von 6 (Stand: 16 Uhr).

Corona-Verordnung: Das gilt in "Alarmstufe I"

Für Übernachtungen in Hotels oder Pensionen gilt in der "Alarmstufe I" künftig die 2G-Regel. Ausgenommen von dieser Regelung sind dienstliche Übernachtungen, für die 3G gilt.

Für Gastronomie und Spielhallen gilt 2G, nur im Freien ist 3G Plus möglich.

2G wird außerdem für alle körpernahen Dienstleistungen eingeführt. Einzige Ausnahme: Friseurbesuche, für die 3G Plus gilt.

Jugendliche unter 18 Jahren, die nicht geimpft oder genesen sind, erhalten in Clubs und Diskotheken keinen Zugang mehr. Die Ausnahmeregelung für Schülerinnen und Schüler zwischen 12 und 17 Jahren, dass ihr Schülerausweis als Testnachweis gilt, behält in "Alarmstufe I" ihre Gültigkeit. Sie soll noch "bis voraussichtlich kurz vor dem Weihnachtsfest" bestehen bleiben. Schultestungen sollen allerdings generell nur noch bis zum vollendeten 18. Lebensjahr durchgeführt werden.

Veranstalter müssen Test-, Impf- und Genesenennachweise grundsätzlich mit digitalen Anwendungen - das Staatsministerium nennt die CovPassCheck-App - kontrollieren und die zugehörigen Ausweisdokumente prüfen. "Zutritt allein mit dem gelben Impfass" soll dadurch nicht mehr möglich sein.

In der "Alarmstufe I" gilt für Weihnachtsmärkte insgesamt 2G sowie eine generelle Maskenpflicht. Bislang war das nur für gastronomische Bereiche verpflichtend. Außerdem dürfen Weihnachtsmärkte nur noch die Hälfte der bislang zugelassenen Besucherinnen und Besucher empfangen. Wenn sie überhaupt noch stattfinden. Weihnachtsmärkte in der Region wie etwa in Stuttgart oder in Aalen wurden kurz vor der Eröffnung abgesagt.

Für Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie Galerien, Museen, Bibliotheken, Freizeitparks, Bäder und Saunen, touristische Seilbahnen und Schiffe gilt 2G. Ausnahme sind Landesbibliotheken und Archive, die gegen Vorlage eines negativen PCR-Tests betreten werden dürfen.

Für außerschulische Bildung, Volkshochschulkurse, Musik- und Kunstschulen gilt 2G.

Flohmärkte und andere Märkte an der frischen Luft, die nicht der Versorgung mit Lebensmitteln dienen, müssen sich an die 3G-Regel halten.

Für Gremiensitzungen juristischer Personen, Gesellschaften und vergleichbaren Vereinigungen gilt ebenfalls 3G.

In der "Alarmstufe I" gilt eine grundsätzliche Personenobergrenze für alle Arten von Veranstaltungen. Diese liegt bei 25.000 Menschen. Hinzu kommt, dass alle Veranstaltungen ausnahmslos nur noch die Hälfte der zugelassenen Besucherinnen und Besucher empfangen dürfen.

Für Chöre, Blasmusikensembles und vergleichbare Tätigkeiten gilt wegen der "Aerosolbelastung in geschlossenen Räumen" in der "Alarmstufe I" 2G Plus. Diese Regelung schließt auch Proben ein.

Corona in BW: Was ist die "Alarmstufe II" und wann tritt sie in Kraft?

Zur Erinnerung: Die neue "Alarmstufe II" tritt in Kraft, wenn mehr als 450 Covid-19-Patientinnen und -Patienten auf den Intensivstationen in Baden-Württemberg liegen oder die Hospitalisierungsinzidenz den Grenzwert von 6 überschreitet. Da der Wert bereits seit Sonntag jeden Tag über 450 gelegen und am Dienstag auch die Hospitalisierungsinzidenz den Grenzwert von 6 überschritten hat, trat die "Alarmstufe II" am Mittwoch (24.11.) in Kraft.

Corona-Verordnung: Das gilt in "Alarmstufe II"

Grundsätzlich lässt sich sagen: Was in "Alarmstufe I" bereits gilt, bleibt auch in "Alarmstufe II" bestehen oder wird verschärft.

In der "Alarmstufe II" gelten für Weihnachtsmärkte insgesamt 2G Plus, zusätzlich Maskenpflicht und die Halbierung der zugelassenen Besucherinnen- und Besucherzahl.

Für Übernachtungen in Hotels und Pensionen gilt 2G. Ausnahme bleiben geschäftliche Übernachtungen - hier gilt 3G und alle drei Tage muss ein frisches negatives Testergebnis vorgezeigt werden. In der Hotelgastronomie gilt für Übernachtungsgäste 2G.

Für Gastronomie und Spielhallen gilt auch in "Alarmstufe II" 2G, nur im Freien ist 3G Plus möglich.

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Für Theater-, Opern- und Konzertaufführungen, Filmvorführungen, Stadt- und Volksfeste, Stadtführungen und Informations-, Betriebs-, Vereins- sowie Sportveranstaltungen und andere Veranstaltung dieser Art gilt ebenfalls 2G Plus.

Für Diskotheken und Clubs gilt auch 2G Plus. Die Ausnahmeregelung für Schülerinnen und Schüler unter 18 Jahren entfällt - Schülerausweise gelten hier nicht länger als Testnachweise. Und auch wer über 18 Jahre alt ist und zur Schule geht, muss in "Alarmstufe II" die erforderlichen Nachweise vorzeigen. Der Schülerausweis ermöglicht auch ihnen keinen Zutritt mehr.

Für Veranstaltungen generell gilt 2G Plus und, dass nur noch die Hälfte der eigentlich zugelassenen Menschen kommen darf. Aus dem Staatsministerium heißt es, man werde "aufgrund der damit verbundenen Herausforderungen für die Veranstaltungsbranche wegen bereits verkaufter Tickets" Verstöße in dieser Woche noch nicht verfolgen.

Generell müssen Veranstalter aber auch in "Alarmstufe II" die erforderlichen Nachweise per App kontrollieren und die Identität von Besucherinnen und Besuchern prüfen. Wer einen gelben Impfausweis dabei hat aber keine Ausweisdokumente dabei hat, muss der Zutritt verwehrt werden. Gleiches gilt, wenn jemand Impf- oder Genesennachweis weder als QR-Code per App noch in ausgedruckter Form vorzeigen kann.

Für Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie Galerien, Museen, Bibliotheken, Freizeitparks, Bäder und Saunen, touristische Seilbahnen und Schiffe gilt auch in "Alarmstufe II" 2G. Ausnahme sind weiterhin Landesbibliotheken und Archive, die gegen Vorlage eines negativen PCR-Tests betreten werden dürfen.

Für außerschulische Bildung, Volkshochschulkurse, Musik- und Kunstschulen gilt weiterhin 2G.

Für alle körpernahen Dienstleistungen gilt in der "Alarmstufe II" 2G Plus.

Ausnahme sind Friseurbesuche - hier gilt auch in der "Alarmstufe II" die 3G-Plus-Regel. Ungeimpfte müssen einen negativen PCR-Test vorlegen.

Logopädie, Physio- und Ergotherapie sind von 2G Plus ausgenommen.

2G Plus gilt für Bordelle und andere Arbeitsorte von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern.

Das gilt in Hotspots in Baden-Württemberg

In regionalen Hotspots mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 500 treten mit der neuen Corona-Verordnung der Landesregierung zusätzliche Einschränkungen in Kraft. Eine Inzidenz von über 500 lag am Dienstag bereits in 24 der 44 Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg vor, landesweit lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Dienstag bei 470 (jeweils Stand: 16 Uhr).

In Stadt- und Landkreisen, die an zwei aufeinanderfolgenden Tagen über dem Inzidenzwert von 500 liegen, gelten mit Inkrafttreten der neuen Corona-Verordnung am Mittwoch Ausgangsbeschränkungen für Menschen, die nicht genesen oder geimpft sind in der Zeit von 21 bis 5 Uhr des folgenden Tages. Die Wohnung oder das Haus verlassen, dürfen Ungeimpfte und Nicht-Genesene dann nur noch aus "triftigen Gründen". Zum Beispiel zur Berufsausübung, Besuch von Ehegatten oder Lebenspartnern, zur Teilnahme an Versammlungen oder in einer Gefahrenlage. Auch dürfen Ungeimpfte und Nicht-Genesene während der nächtlichen Ausgangssperre nach draußen, um alleine Spazieren zu gehen oder allein Sport zu treiben. Sportanlagen dürfen sie jedoch keine besuchen.

In Hotspots gilt durch die "Alarmstufe II" außerdem 2G für Einzelhandel und Märkte. Ausgenommen sind davon Supermärkte und andere Läden oder Märkte, die der Grundversorgung dienen.

In welchen Bereichen in Baden-Württemberg nun was genau gilt, hat die Landesregierung hier nochmal zusammengefasst.

Infektionsschutzgesetz: Das gilt bundesweit

Neben der neuen Corona-Verordnung der Landesregierung gelten für die Menschen in Baden-Württemberg auch die bundesweiten Regelungen. Das neue Infektionsschutzgesetz hatte zuerst den Bundestag und dann am Freitag auch den Bundesrat passiert. Es tritt am Mittwoch in Kraft und soll bundesweit bis 19. März 2022 gelten.

Die bundesweiten Regelungen sind 3G am Arbeitsplatz und im Öffentlichen Nah- und Fernverkehr sowie im Flugzeug. Außerdem eine Homeoffice-Pflicht sowie eine Testpflicht für Arbeitgeber, Beschäftigte und Besucher von Krankenhäusern und weiteren Einrichtungen unabhängig von Impf- oder Genesenenstatus.

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