Ab Mittwoch gilt in Baden-Württember die Alarmstufe II (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat)

Verlängerung der "Alarmstufe II"

"Massiver Vertrauensverlust": Viel Kritik im Netz an Corona-Politik der BW-Landesregierung

STAND
AUTOR/IN
Luisa Bleich
SWR-Redakteurin Luisa Bleich Autorin Bild  (Foto: Privat)

In Baden-Württemberg wird die "Alarmstufe II" verlängert. Und das, obwohl die aktuellen Corona-Zahlen eine Lockerung der Maßnahmen zulassen würden. Das verärgert viele.

"Das Vertrauen an die Regierung ist hiermit endgültig weg", schreibt ein Twitter-Nutzer und macht damit seinem Ärger über die Verlängerung der "Alarmstufe II" Luft. Eigentlich hätten die aktuellen Corona-Zahlen Lockerungen der geltenden Maßnahmen zugelassen. Durch die neueste Entscheidung der baden-württembergischen Landesregierung ist das jetzt aber hinfällig. Unabhängig von der Hospitalisierungsinzidenz und der Zahl der Corona-Patientinnen und -Patienten auf der Intensivstation wird die "Alarmstufe II" für vorerst drei Wochen verlängert.

Menschen sehen Vertrauen in Landesregierung zerstört

Für viele Menschen in Baden-Württemberg ist diese Entscheidung ein Schlag ins Gesicht. Auf Twitter sprechen sich zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer gegen die Verlängerung der Maßnahme aus. Die Rede ist von einem "massiven Vertrauensverlust" und "Willkür".

@SWRAktuellBW @RegierungBW Für was legt man diese Grenzwerte denn überhaupt fest, wenn man sich dann nicht daran hält? Das ist Willkür und zerstört Vertrauen.

Ein weiterer großer Kritikpunkt für viele Nutzerinnen und Nutzer: Die Regierung würde sich nicht an ihre eigenen Regeln halten.

"Ich empfinde es als unverschämte Frechheit, sich derart über die eigens aufgestellten Regeln hinwegzusetzen. Geht der Staat hier als Beispiel voran? Braucht man sich nicht wundern, wenn es das Volk dann auch so hält."

Einige Nutzerinnen und Nutzer rechnen deswegen damit, dass sich Protestaktionen gegen die Corona-Maßnahmen zukünftig häufen werden.

@SWRAktuellBW @RegierungBW Die Landesregierung braucht sich absolut nicht wundern, wenn noch mehr auf die Straße gehen und auch den Anordnungen nicht mehr folgen werden❗️ Ich habe definitiv kein Vertrauen mehr in die Landesregierung @thelaend, macht was ihr wollt… #IchBinRaus

Vereinzelt Rückenwind aus der Bevölkerung

Es gibt aber nicht nur Kritik an der Maßnahme. Während der Tenor in den sozialen Medien zwar überwiegend negativ ist, wird die Entscheidung der Landesregierung auch vereinzelt verteidigt. So etwa von diesem Twitter-Nutzer:

@Michael61715782 @SWRAktuellBW @RegierungBW Die Regierung muss sich an ändernde Bedingungen immer anpassen. Stellen Sie sich doch einfach mal das Gegenteil vor. Das wäre ja fürchterlich. Da ändert sich was und die Regierung macht einfach nichts. Wissen Sie, dass SARS-CoV-2 im Körper zu bleibenden Schäden führt? Immer.

Eine Instagram-Nutzerin kommentiert: "Ich finde die Verlängerung durchaus sinnvoll! Man muss nur nach England schauen, wo das Gesundheitswesen kurz vor dem Kollaps steht." Und auch die Landesregierung selbst hat ihre Entscheidung auf Twitter gegenüber einem Nutzer verteidigt:

@beuteltier_ein Nein, sowas nennt man vorsorgliches handeln. Zu glauben, dass die Hospitalisierungen mit stark steigenden Inzidenzen nicht auch wieder nach oben gehen, wäre naiv, in steigende Inzidenzen hinein zu lockern wäre verantwortungslos.

Auf der Regierungspressekonferenz am Dienstagmittag bestätigte Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) die Verlängerung der "Alarmstufe II" für einen "Übergangszeitraum von drei Wochen". Maßgeblich sei die "zeitnah zu erwartende exponentielle Ausbreitung der Omikron-Variante". Die Landesregierung hat die Änderungen nach eigenen Angaben einstimmig beschlossen.

Mehr zum Thema

Baden-Württemberg

"Alarmstufe II" bleibt in BW bestehen Kommentar zur Corona-Verordnung: "Als wäre die Mehrheit der Bevölkerung nicht geimpft"

Neue Quarantäne-Zeiten, neue FFP2-Maskenpflicht. Trotz neuer Verordnung wird das Virus immer noch mit alten Mitteln bekämpft, kommentiert Peter Heilbrunner, Leiter der Multimedialen Aktualität des SWR.

Baden-Württemberg

2G-Plus in Gastro und Clubs bleiben zu Landesregierung verteidigt Verlängerung der "Alarmstufe II" in BW

Baden-Württemberg bleibt auch unabhängig von den Inzidenzen bei der "Alarmstufe II". Die Landesregierung begründet den Schritt mit der hohen Infektiosität von Omikron.

Baden-Württemberg

Neue Corona-Regeln in Baden-Württemberg FFP2-Maskenpflicht in Gastronomie und Einzelhandel

Nach der Bund-Länder-Konferenz werden auch in Baden-Württemberg die Corona-Regeln angepasst. Unter anderem gilt seit Mittwoch dem 12. Januar eine verschärfte FFP2-Maskenpflicht.

Baden-Württemberg

"Alarmstufe II" wird verlängert Landesregierung beschließt neue Corona-Verordnung für Baden-Württemberg

Baden-Württembergs Landesregierung hat eine überarbeitete Corona-Verordnung beschlossen. Sie wurde an die Bund-Länder-Beschlüsse angepasst. Im Internet gibt es Kritik daran.

Lockerungen dennoch nicht in Sicht Corona-Zahlen bleiben weiter unter Schwellenwerten für "Alarmstufe II"

Die für schärfere Corona-Einschränkungen entscheidenden Zahlen sind auch am Sonntag den dritten Tag in Folge unter den Schwellenwerten geblieben. Baldige Lockerungen sind dennoch unwahrscheinlich.

Baden-Württemberg

Das Coronavirus und die Folgen für das Land Dienstag, 25. Oktober 2022

Corona-Regeln, Zahlen und Impfungen: Die wichtigsten Entwicklungen rund um das Coronavirus in Baden-Württemberg hier im Live-Blog.