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Am Mittwoch wurde eine Machbarkeitsstudie zu einem Nachtzug zwischen Frankfurt und Barcelona vorgestellt. Einige Haltestellen gäbe es dann auch in Baden-Württemberg.

Eine französische Initiative will die Nachtzugstrecke zwischen Frankfurt am Main, der Rheinschiene und Barcelona wiederbeleben. Nach einer Studie habe die Strecke über Lyon, das Elsass und Mannheim Potenzial, teilten die Sprecher des Vereins am Mittwoch mit. Allerdings müssten dafür Passagier- und Güterwaggons kombiniert und neue Zugmodelle konstruiert werden, die Geschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern in der Stunde aushalten könnten.

Interesse bei vielen Reisenden?

Der französische Nachtzug-Verein "Association Objectif Train de Nuit" geht von einem Potenzial von rund 164.000 Reisenden im Jahr aus. Das habe eine Machbarkeitsstudie ergeben. Der Verein ging 2019 aus einer Bürgergruppe hervor, die sich für eine Wiederbelebung von Nachtzugstrecken in Europa einsetzt.

Nachtzüge erleben seit einiger Zeit eine Renaissance. Denn nicht nur die Corona-Krise hat das Reiseverhalten der Menschen verändert. Auch die Debatte über den Klimawandel hat den Trend zur Nacht auf der Schiene beschleunigt. Die Trasse der Verbindung von und nach Katalonien könnte nach den Vorstellungen des Vereins von Barcelona über Montpellier, Avignon, Lyon, Straßburg, Karlsruhe, Heidelberg und Mannheim nach Frankfurt führen.

Optimismus bei den Grünen

"Das wäre das zentrale Puzzlestück für das Nachtzugnetz zwischen den Metropolen Europas", sagte der Grünen-Politiker Cem Özdemir aus Stuttgart. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bezeichnete Nachtzüge als "gute Botschaft für Bahnreisende, für Europa und fürs Klima". Nachtzüge könnten ein Trend gerade auch bei jungen Leuten werden, die gerne international unterwegs seien, aber aus Klimaschutzgründen nicht fliegen wollten.

Dennoch bleibt beim Projekt zwischen Barcelona und Frankfurt die ungelöste Finanzierungsfrage. "Ein reiner Passagierzug würde sich derzeit wirtschaftlich nicht lohnen", sagte ein Sprecher des französischen Vereins. "Aber er wäre lohnend, wenn sich ein kombiniertes Modell umsetzen lässt." Der Vorteil: die Kombination mit Güterzügen reduziere die Kosten pro Kilometer, so werde eine Bewirtschaftung der Strecke rentabel. Außerdem könnten Güter-Kunden vom regelmäßigen Takt, von der Pünktlichkeit und der Schnelligkeit profitieren. Und Passagiere sparten sich durch die Anreise eine teure Nacht im Hotel am Urlaubsort.

Defizite in der Anfangsphase müssten die Bahnunternehmen und die Regionen tragen, räumte der Verein ein. Franziska Brantner von den Grünen sagte, man sei in Gesprächen mit Herstellern in ganz Europa.

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