Bilder vom Naturschutzbund NABU zum Insektensommer (Foto: Pressestelle, Nabu / Helge May)

Eine Stunde zählen, was sechs Beine hat

NABU-Insektensommer: Zweite Zählphase beginnt am 6. August

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Insekten sind für uns lebenswichtig, aber wir behandeln sie nicht so. Wir kennen sie nicht einmal. Der NABU lädt mit seiner Zählaktion dazu ein, ein paar mehr kennenzulernen.

Ohne Insekten kein Leben. So lässt sich die Bedeutung der vielfältigen Sechsbeiner verkürzt zusammenfassen. Denn Insekten bestäuben nicht nur unsere Kultur- und Nutzpflanzen, sie fressen teils auch andere Tiere, die wir Schädlinge nennen. Außerdem sind Insekten selbst Nahrung für viele andere Tiere, die im Ökosystem wichtig sind. Aber immer mehr der gut 30.000 Insekten-Arten in Deutschland sind bedroht. Und auch ihr Bestand nimmt rasant ab: In Teilen von Deutschland gibt es bis zu 80 Prozent weniger Insekten als noch vor 30 Jahren.

Dieses Video von SWR Kindernetz erklärt leicht verständlich, warum Insekten so wichtig sind:

Ein paar Insekten kennenzulernen, kann also nicht schaden, um sie und ihre Bedeutung besser zu verstehen. Deshalb lädt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) bundesweit dazu ein, vom 6. bis 15. August jeweils eine Stunde lang alle Sechsbeiner im Umkreis von etwa zehn Metern zu zählen. Ob Garten, Balkon, Park, Wiese, Wald, Feld, Teich oder Bach - alle Beobachtungsstandorte sind erlaubt. Um belastbare Ergebnisse zu erzielen, sei es wichtig, dass möglichst viele Menschen mitmachen, so der NABU laut Mitteilung. In der Zeit vom vom 4. bis 13. Juni wurde schon mal gezählt, da haben den Angaben zufolge 9.000 Menschen mitgemacht. Vergangenes Jahr beteiligten sich bundesweit 15.000 Beobachtende an den Zählungen.

Paul Hennze, der Vorsitzende des NABU Mannheim, hat bereits zum Auftakt der Aktion im Juni in diesem Video erklärt, worum es bei der Insektenzählung geht:

Hilfe im Netz zum Insektenbestimmen

Für die Insektenzählung stellt der NABU kostenfrei allerlei digitale Hilfe bereit, wie etwa den NABU-Insektentrainer. Die Beobachtungen lassen sich dann per Online-Formular oder über die kostenlose Web-App "NABU Insektensommer" melden.

Jetzt im August stehen einige häufig vorkommende Arten im Fokus: Schwalbenschwanz, Kleiner Fuchs, Ackerhummel, Blaue Holzbiene, Siebenpunkt-Marienkäfer, Streifenwanze, Blaugrüne Mosaiklibelle und Grünes Heupferd:

Mut zur Lücke bei der Bestimmung der Insekten

Biene, Wespe und Marienkäfer kennt ja fast jede und jeder. Aber wer weiß schon, dass es in Deutschland allein 70 Arten von Marienkäfern gibt. Die muss man sicher nicht alle kennen. Im Notfall reicht auch die Benennung der zugehörigen Insektengruppe, etwa "Schmetterling" oder "Käfer".

Dominik Bartoschek von SWR Wissen hat das Insektenzählen schon mal ausprobiert. Da auch er nicht annähernd die über 30.000 Arten in Deutschland kennt, empfiehlt er, "gnadenlos pragmatisch" zu sein:

Wer schafft es, den Asiatischen Marienkäfer zu bestimmen?

Allerdings interessiert den NABU bei der jetzigen Zählung beispielsweise, ob der heimische Siebenpunktmarienkäfer oder der vor wenigen Jahrzehnten eingeschleppte Asiatische Marienkäfer häufiger zu sehen ist. "Bei der Zählung im Juni lag der Asiatische Marienkäfer vorne", so NABU-Insektenexpertin Sabine Holmgeirsson. Wer sich also ein bisschen schlau macht, hilft auch der Wissenschaft.

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