Für besseren Gewässer- und Insektenschutz

NABU verlangt bundesweite Einsicht in Daten zum Pestizid-Einsatz ein

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Nach dem Erfolg im Pestizid-Streit in Baden-Württemberg fordert der Naturschutzbund nun bundesweit Daten zum Pflanzenschutzmittel-Einsatz. Damit stehen Landwirte unter Zugzwang

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Um Gewässer zu schützen und effektiver gegen Insektensterben vorzugehen, will der Naturschutzbund Deutschland (NABU) den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln besser überwachen. Dafür hat der Nabu die bundesweite Einsicht in die Daten zu eingesetzten Pestiziden in der Landwirtschaft gefordert. "Ohne die Daten und Transparenz irren wir im Nebel rum", sagte NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger am Mittwoch.

Zuletzt hatte der Landesverband in Baden-Württemberg einen Erfolg vor dem Verwaltungsgericht gehabt. Das Land ist verpflichtet, die Daten zu eingesetzten Pflanzenschutzmitteln in Naturschutzgebieten an den NABU weiter zu geben. Bisher waren Landwirte zwar angehalten, den Gebrauch zu dokumentieren. Sie mussten die Zahlen allerdings nicht veröffentlichen.

NABU beantragt in zehn Bundesländern Einsicht in Daten

Was nun in Baden-Württemberg gilt, soll auf Bundesebene ausgeweitet werden: Der NABU hat in zehn weiteren Bundesländern Einsicht in die Daten beantragt. Im Zweifel werde man auch dort den Klageweg bestreiten, hieß es in einer Mitteilung.

Eine im Juni vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig erstellte Studie untermauert die Forderung vom NABU. In der Arbeit wird eine viel zu hohe Pestizidbelastung von Kleingewässern belegt. Die staatlich festgelegten Grenzwerten würden in über 80 Prozent der in mehr als 100 untersuchten Bäche überschritten werden. Laut Pflanzenschutzmittelrichtlinie gilt gerade einmal ein Prozent als noch tolerabel. Deutlich gefährdet seien deshalb auch empfindliche Insekten wie Libellen.

Matthias Liess vom UFZ: Daten sind "fundamental wichtig"

"Die Daten sind fundamental wichtig für uns, um die Modelle, auf deren Grundlage die Pestizidwirkstoffe von den Bundesbehörden derzeit zugelassen werden, in der Praxis zu validieren", sagte Prof. Matthias Liess vom UFZ. Eine wirkliche Beurteilung sei nur bei kontinuierlichen Freilandmessungen unter realistischen Bedingungen möglich. Insgesamt könne man jetzt schon sagen, dass eine Reduzierung der Pestizidbelastung um den Faktor 100 notwendig sei.

Unterstützung für den Vorstoß des Nabu kam von den Grünen. "Welche Pestizide wo und in welcher Menge ausgebracht werden, darf nicht länger Verschlusssache bleiben", sagte der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. Nur durch eine Offenlegung der Daten könnten Insekten geschützt werden.

NABU fordert ein bundesweites Transparenz-Gesetz

Dass Insektensterben und Pestizideinsatz zusammenhängen, daran besteht kein Zweifel mehr. Aber niemand weiß genau, wie viele Pestizide eigentlich zum Einsatz kommen. Wenn aber das von der EU ausgegebene Ziel, den Pestizideinsatz bis zum Jahr 2030 um die Hälfte zu reduzieren, erreicht werden soll, dann, so der NABU-Bundesvorsitzende Jörg-Andreas Krüger, müsse man aber auch wissen, von welchen Mengen man überhaupt redet.

Das Problem dabei ist allerdings, dass es kaum möglich ist, mit vertretbarem Aufwand an alle Daten zu kommen, eben weil sie nicht elektronisch erfasst werden müssen. Deshalb fordert der Nabu ein bundesweites Transparenz-Gesetz, so wie Rheinland-Pfalz und Hamburg es schon beschlossen haben. Dieses Gesetz würde eine elektronische Erfassung dieser Daten und deren Offenlegung für alle Landwirte verpflichtend machen. Anonymisiert – denn, so der BW-Landesvorsitzende Johannes Enssle, es gehe nicht darum, einzelne Landwirte an den Pranger zu stellen.

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