Nicht gehfähiges Schwein  (Foto: SOKO Tierschutz e.V.)

Videoaufnahmen von Tierschützern

Mutmaßliche Tierquälerei bei Viehhändler im Kreis Schwäbisch Hall

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Edgar Verheyen
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Marc-Julien Heinsch
SWR-Redakteur Marc-Julien Heinsch Autor Bild (Foto: David-Pierce Brill)

Aufnahmen mit versteckter Kamera zeigen, wie Schweine, die nicht mehr gehen können, zum Transport getrieben oder mit Seilen geschleift werden. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Gegen einen Viehhandelsbetrieb im Kreis Schwäbisch Hall steht der Verdacht der Tierquälerei im Raum. Nach neuesten Erkenntnissen geht das zuständige Veterinäramt von möglichen Straftaten aus. Grundlage sind Recherchen des SWR und Videoaufnahmen, die vom Verein SOKO Tierschutz mit versteckter Kamera im Zeitraum von Februar bis Juli 2022 gemacht wurden und mutmaßliche Tierrechtsverstöße in dem Betrieb zeigen.

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Wurden Schweine, die nicht gehen konnten, zu Fleisch verarbeitet?

Monatelang haben Tierschützer die Verladestelle des Viehhändlers mit versteckten Kameras beobachtet. Von Landwirtschaftsbetrieben aufgekaufte Tiere werden hier umgeladen und in Schlachthöfe weiter transportiert. Die Aufnahmen zeigen, dass hier auch nicht mehr gehfähige Tiere verladen werden, dass Mitarbeiter äußerst brutal mit den Schweinen umgehen. Sie werden zum Transport getrieben oder mit Seilen geschleift.

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Friedrich Mülln vom Verein SOKO Tierschutz hat dem SWR die Aufnahmen zugespielt. Mülln macht dem Viehhändler massive Vorwürfe. Er sagt, das Viehhandelsunternehmen führe systematisch illegale Tiertransporte durch. Die Tiere könnten sich nur noch über den Boden schleppen, "werden dann mit brutaler Gewalt hier in den Stall getrieben, umgeladen und wieder in den Tiertransporter zurückgeschleift, um in Schlachtbetrieben in Baden-Württemberg zu Fleisch verarbeitet zu werden", so Mülln.

BW-Tierschutzbeauftragte: Verdacht auf Straftaten liegt vor

Julia Stubenbord, die baden-württembergische Tierschutzbeauftragte, zeigt sich schockiert von den Bildern. Vor allem der Transport nicht mehr gehfähiger Tiere wird von ihr scharf kritisiert. Es sei ausdrücklich verboten, Tiere am Schwanz oder an den Ohren zu ziehen, sie mit Seilen oder Winden zu bewegen und überhaupt nicht transportfähige Tiere zu verladen. "Meiner Meinung liegt auch der Verdacht auf Straftaten vor, die dann an die Staatsanwaltschaft weitergegeben werden müssen", sagte Stubenbord dem SWR.

Julia Stubenbord, Landesbeauftragte für den Tierschutz in Baden-Württemberg. (Foto: dpa Bildfunk, dpa | Bernd Weissbrod)
Die Landesbeauftragte für Tierschutz Julia Stubenbord kritisiert den Umgang mit den Tieren in den Videoaufnahmen. dpa | Bernd Weissbrod

Vorwurf Tierquälerei: Viehhandelsbetrieb ist vorerst geschlossen

Der SWR hat den Viehhandelsbetrieb mit den Vorwürfen konfrontiert. Ein Interview wurde abgelehnt, seine Anwälte teilen schriftlich mit, der Unternehmer habe nach Kenntnisnahme der Recherche den Betrieb erst einmal geschlossen. Weiter heißt es, aus unternehmerischer Verantwortung werde der gesamte Betriebsablauf zukünftig noch stärker in Bezug auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben überprüft. Man sei um größtmögliche Aufklärung bemüht und wünsche von sich aus den zeitnahen und direkten Austausch mit dem Veterinäramt.

Veterinäramt verhängte bereits ein Bußgeld wegen Tierrechtsverstößen

Vom zuständigen Veterinäramt erfährt der SWR, dass nach einer anonymen Anzeige im Juli ähnliche Tierrechtsverstöße festgestellt werden konnten, ein Bußgeld sei verhängt worden, so der Leiter des Veterinäramts des Landkreises Schwäbisch Hall, Werner Schreiber. Bei einer Nachkontrolle im August seien weitere Verstöße festgestellt worden. Schreiber sagt: "Es ist auch klar, wenn das ein systematisches Vorgehen ist, dann wird geprüft oder muss geprüft werden, ob die Zulassung nicht zu entziehen ist." Das werde in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft zu prüfen sein.

"Ein derartiger Umgang mit Tieren ist mit nichts zu rechtfertigen und muss nach Recht und Gesetz mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln geahndet werden."

Neben den Tierrechtsverstößen steht die Frage im Mittelpunkt, was aus den nicht mehr gehfähigen Tieren wurde. Nach Recherchen der SOKO Tierschutz sollen diese zu Fleisch verarbeitet worden sein, das später verkauft wurde. Auch dieser Frage wird die Staatsanwaltschaft nachgehen.

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