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Ein Hausarzt in Neu-Ulm braucht Polizeischutz, weil er Jugendliche ab zwölf Jahren gegen Corona impft. Im Netz wird er mit Hass überschüttet, erhält aber auch Lob.

Die Facebookseite des Allgemeinmediziners Christian Kröner spiegelt die aufgeheizte, öffentliche Debatte über eine Impfung von Jugendlichen ab zwölf Jahren wider. Unverantwortliches Verhalten, Geldgier und Gewissenlosigkeit werden dem Allgemeinmediziner einerseits vorgeworfen. Man solle ihm die Approbation entziehen, sind noch die freundlicheren Kommentare.

Obwohl er dafür seit Wochen massiv kritisiert wird und Morddrohungen erhalten hat, habe er nie über eine Impfstopp nachgedacht. Er stütze seine Arbeit auf international veröffentlichte Zahlen. Einschüchtern lasse er sich nicht, das würde nur die Impfgegner bestärken. "Ich werde mich sicherlich nicht von irgendwelchen Impfgegnern und irgendwelchen Querdenkern davon abhalten lassen, meine Arbeit zu machen", sagte Kröner dem SWR.

Auf der anderen Seite erhält Kröner auch Lob und Zustimmung für sein Engagement. Viele Facebooknutzer und -nutzerinnen verteidigen ihn gegen die wütenden Angriffe.

Polizei ermittelt wegen Morddrohungen

Es gebe zahlreiche Fälle von Beleidigungen und Bedrohungen, sagt ein Polizeisprecher. Auch Morddrohungen wurden gegen Kröner ausgesprochen. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten sowie anderer Strafvorwürfe. Kröner will sich trotzdem weiter für Impfungen auch von Jugendlichen einsetzen. "Ich sehe nicht ein, den Kopf einzuziehen. Das ist ja genau, was die wollen." Er habe keine Angst und werde zeitweise auch von der Polizei geschützt, sagte der Arzt. Die Polizei selbst wollte keine Details zu möglichen Schutzmaßnahmen nennen.

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Stiko empfiehlt Impfungen für Jugendliche nur eingeschränkt

Grundsätzlich können sich junge Menschen zwischen 12 und 18 gegen das Coronavirus impfen lassen - wenn sie es wollen und vorher mit einem Arzt über die Vor- und Nachteile gesprochen haben. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt momentan allerdings, diese Altersgruppe nur bei Vorerkrankungen oder Risikokontakten zu impfen.

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