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Die baden-württembergische Landesregierung setzt auf mobile Luftfilteranlagen in den Schulen, um das Coronavirus zu bekämpfen. Der Städtetag reagiert im SWR-Interview mit Skepsis.

Gudrun Heute-Bluhm, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg, fordert im Interview mit SWR Aktuell-Moderator Stefan Eich einen Dreiklang in den Klassenzimmern aus den Maßnahmen: Masken, Testen und Luftreinigung.

SWR Aktuell: Was halten Sie von dem Plan, mobile Luftfilteranlagen an Schulen mit 60 Millionen Euro zu fördern?

Gudrun Heute-Bluhm: Die mobilen Luftfilteranlagen sind nicht das selig machende Mittel in der Pandemie. Sie können einen Baustein sein. Sie sind eigentlich das letzte Glied in der Kette. Wir sagen das Wichtigste - und da sind wir uns mit der Wissenschaft einig - sind die Masken. Es darf darüber hinaus bei der Testung nicht nachgelassen werden. Und wenn man all dies beachtet, dann kann auch die mobile Luftfilteranlage ein wichtiger Baustein sein. Wir befürchten ein bisschen, dass sich jetzt alle auf diese Anlagen stürzen, ohne die anderen Bausteine wirklich ernst zu nehmen.

Ist es denn nicht sinnvoller, wenigstens einen kleinen Baustein zu nehmen, bevor Geld für fest installierte Luftfilteranlagen da ist?

Ich wende mich nicht grundsätzlich gegen die mobilen Anlagen. Ich möchte nur deutlich machen, welchen Stellenwert sie im Gesamtthema haben. Insofern hoffen wir sehr, dass dieser Dreiklang ernst genommen wird: Maske, Testen - da denke ich vor allem an den Lolli-Test, der in Freiburg entwickelt wurde - und die mobilen Luftfilteranlagen. Wer kann, sollte allerdings trotzdem eine stationäre Anlage einbauen. Die sind einfach wirksamer.

Ich höre bei Ihnen die Sorge heraus, dass wegen der Diskussion über mobile Luftfilteranlagen alle anderen Vorsichtsmaßnahmen fallen gelassen werden. Wie kommen Sie zu diesem Eindruck?

Die öffentliche Meinung hat sich ein bisschen darauf fokussiert, mobile Luftfilteranlagen seien jetzt das, wonach sich entscheidet, ob die Schulen offen bleiben können oder nicht. Das hat auch damit zu tun, dass manche den Unterschied zwischen der stationären und der mobilen Anlage in ihrem Wert für die Pandemiebekämpfung nicht erkennen. Die stationäre Anlage tauscht die Luft aus, die mobile Anlage wälzt sie nur um. Das ist wie in der Küche: einmal ist es eine Umluft- und einmal eine Abluftanlage und eine Umluftanlage ist einfach nicht so wirksam. Deshalb bin ich da ein bisschen skeptisch. Wir brauchen ein Bewusstsein von allen Beteiligten - von Lehrern, Eltern und den Schulträgern, dass nur alle drei Maßnahmen miteinander die Klassen offen halten. Das muss unser Ziel sein.

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