Eine Zecke ist auf einem Blatt in einem Garten zu sehen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Bis zu 26 Grad in BW am Wochenende

Warmer Herbst und Winter könnten teils erhebliche Folgen für Menschen und Tiere haben

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In BW soll es am Wochenende teilweise bis zu 26 Grad warm werden. Die hohen Temperaturen haben Folgen für Tiere, Pflanzen und auch Menschen - doch es gibt auch Profiteure.

Der ungewöhnlich milde Oktober mit Temperaturen von bis zu 26 Grad am Wochenende in Baden-Württemberg wirkt sich auch auf die Natur aus. Laut ARD-Meterologe Karsten Schwanke sind es etwa acht bis neun Grad mehr als normalerweise Ende Oktober. Die dauerhaften Folgen könnten für manche Tierarten gravierend sein. Doch auch die Menschen im Land dürften einige Auswirkungen zu spüren bekommen.

Zecken künftig ganzjährig aktiv?

So könnten die milden Temperaturen dazu führen, dass Zecken ganzjährig aktiv sind. Laut Claudia Wild vom NABU Baden-Württemberg brauchen sie eine Lufttemperatur von sieben bis zehn Grad, um aktiv zu werden. Milde Winter könnten also dafür sorgen, dass der Parasit ganzjährig zum Problem wird. Schließlich übertragen Zecken Krankheiten wie Borreliose und FSME. Ohnehin gilt Baden-Württemberg laut Robert Koch-Institut (RKI) bereits jetzt als FSME-Hochrisikogebiet.

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Folgen für die Landwirtschaft wahrscheinlich

Erhebliche Auswirkungen könnten die wärmeren Winter auch auf die Landwirtschaft haben. Schließlich treiben die Obstbäume bei milden Temperaturen schon früher aus. Kommt dann noch einmal ein unvorhergesehener Spätfrost, frieren die Knospen, Blüten und Triebe ab. Das schwächt nicht nur die Pflanzen, sondern kann auch zu Ernteausfällen und perspektivisch zur Veränderung der Vegetation führen. Gerade Obstbäuerinnen und Obstbauern, aber auch Winzerinnen und Winzer könnte das schmerzlich treffen.

Mit welchen vermeintlich ungewöhnlichen Methoden manche Obstbauern schon jetzt dem Problem begegnen, zeigt dieser SWR-Beitrag aus dem April 2022:

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Außerdem können Spätfröste auch für Igel zum Problem werden, wenn diese zuvor bereits aus dem Winterschlaf erwacht sind. Bei Frost müssen sie sich dann wieder umgewöhnen, was gerade für alte und geschwächte Tiere problematisch sei, heißt es vom NABU.

Puten im Wildpark bereits in Balzstimmung

Welche extremen Folgen die milden Temperaturen für andere Tiere haben kann, zeigt sich gerade im Wildpark Schwarzach (Neckar-Odenwald-Kreis). Laut Tierpfleger Pascal Herzog befindet sich eine Putenart bereits in Balzstimmung. Das dürfte eigentlich erst im Februar anstehen. Sollte sie noch vor dem Winter brüten, könnte das den Tieren viel Kraft für den Winter rauben, da sie ihre ganze Energie in die Brut stecken würde, so Herzog.

Besonders prekär könnten die dauerhaft milden Temperaturen aber für wildlebende Vögel werden. Gerade das Leben der Zugvögel würde sich verändern. Manche Zugvögel würden nicht mehr in den Süden ziehen, da es in Deutschland warm genug wäre und sie sich von Eicheln, Knospen und Kastanien ernähren könnten, sagt Herzog. Auch andere überwinternde Vogelarten könnten profitieren, da sie schon früher mit der Brut beginnen und sich die besten Nistplätze sichern könnten.

Nachteile für aktive Zugvögel

Die negativen Folgen würden dann aber die weiterhin aktiven Zugvögel zu spüren bekommen. Geschwächt von der strapaziösen Reise müssten sie erst auf die Suche nach passenden und vor allem freien Nistplätzen gehen.

Mit Blick auf die Jahreszeit könnte das Eintreffen der Zugvögel dann auch schon zu spät sein, sagte Claudia Wild vom NABU und nennt als Beispiel den Kuckuck. Auch die Brutzeit und die zeitliche Verschiebung des Nahrungsangebotes könne sich durch die milden Temperaturen verändern.

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Weitere Probleme für Bienen und Hummeln

Wild kann sich gut vorstellen, dass sich immer mehr wärmeliebende Arten aus dem Mittelmeerraum in Baden-Württemberg ausbreiten. Da dazu auch der Bienenfresser gehört, könnte sich das wiederum negativ auf Bienen, Wespen und Hummeln auswirken. Bienen könnten auch unter der längeren Vegetationsperiode leiden, wenn beispielsweise Pflanzen schon blühen während Bienen noch nicht aktiv sind und später keine Nahrung mehr finden. Das könnte im übrigen auch einige Menschen betreffen. Schließlich dürfte sich durch längere Vegetationsperioden auch die Pollensaison für Allergikerinnen und Allergiker verändern.

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Das betreffe vor allem Wildbienen, bestätigt der Wildbienenbeauftragte der Stadt Mannheim, Thomas Kilian. Denn diese seien auf einzelne Pflanzen spezialisiert, die nach seiner Wahrnehmung bereits in diesem Jahr sehr früh und kurz geblüht hätten. Die Wildbienen würden aber wohl nicht aussterben, sondern nur lokal verschwinden und dann höhere Lagen aufsuchen. Besonders bedrohlich für Insekten seien nass- und mittelkalte Winter. Denn dann würden sie nicht einfrieren, sondern einfach verschimmeln, ohne dass sie reagieren könnten, so Kilian.

Artenzusammensetzung könnte sich verändern

Eher kälteliebende Tierarten, wie die Goldammer oder nordische Gänsearten, könnten sich dagegen in Richtung Norden oder in Hochlagen zurückziehen, so Wild. Da die Rückzugsmöglichkeiten hier aber begrenzt seien, könnten die wärmeren Temperaturen für eine Veränderung der Artenzusammensetzung sorgen. Manche Schutzgebiete könnten laut Wild für bestimmte Arten zwecklos werden, da sie dort dann gar nicht mehr vorkommen.

Profiteure des milderen Klimas könnten laut Tierpfleger Herzog auch Raubtiere in Baden-Württemberg sein, wie der Fuchs oder der Marder. Schließlich jagen sie Vögel und hätten im Winter damit ein größeres Nahrungsangebot. Auch Nesträuber, wie das Eichhörnchen, könnten von der früheren Vogelbrut profitieren. Eine Überpopulation bei den Raubtieren könnte aber auch das Gleichgewicht stören - und vermehrt zu Krankheiten führen.

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SWR