Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)

Nach Vorschlag von Gesundheitsminister Lucha

Mertens sieht Vorschlag für Stiko-Reform kritisch

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Stiko-Chef Thomas Mertens kritisiert den Vorschlag von Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) zur Veränderung des Gremiums und mahnt konstruktive Lösungen an.

Der Deutschen Presse-Agentur sagte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Mertens, natürlich könne man sich immer andere Strukturen vorstellen. Etwas Neues sollte aber besser sein als das Alte. "Ein Bundesgesundheitsamt gab es ja bereits früher", so der Ulmer Virologe.

Lucha: Bundesgesundheitsamt mit "breiter wissenschaftlicher Expertise"

Minister Lucha hatte sich am Donnerstag für ein "Bundesgesundheitsamt mit breiter wissenschaftlicher Expertise" und eine engere europäische Verzahnung ausgesprochen. Der "Badischen Zeitung" erklärte Lucha, da dürfe es keine Konkurrenzunternehmen mehr geben. Die deutsche Stiko neige dazu, Entscheidungen der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) erstmal eher nicht gutzuheißen.  

Stiko-Chef Mertens betonte dagegen, die Aufgaben von Stiko und EMA seien sehr klar und unterschiedlich definiert. Und auch andere EU-Länder würden nicht die Zulassung der EMA ungeprüft als Grundlage ihres Impfvorgehens übernehmen. 

Lucha: Impfung ab zwölf Jahren ist eine "große Chance"

Lucha hatte seine Kritik an der Stiko mit der Empfehlung zur Corona-Impfung von Kindern und Jugendlichen verbunden. "Wir sind der Überzeugung, dass die Impfung für Jugendliche eine große Chance ist, und sind da auch selbstbewusster geworden", so Lucha. Man sehe, dass es mittlerweile in Kanada und den USA mehrere Millionen Impfungen von Jugendlichen gebe.

Über die Impfung von Jugendlichen ab zwölf Jahren wird in Deutschland gerade gerungen. Die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern haben am Montag entschieden, ihnen ein breites Angebot in Arztpraxen, Impfzentren und Schulen zu machen. Bei niedergelassenen Ärzten und in Impfzentren ist die Impfung bereits möglich. Die Stiko hat allerdings noch keine allgemeine Empfehlung dafür ausgesprochen.

Auch SPD-Fraktionschef Stoch gegen Stiko-Reform

Zuvor hatte bereits SPD-Fraktionschef Andreas Stoch die Stiko gegen Luchas Kritik verteidigt: "Jetzt als Minister öffentlich Stimmung gegen ein unabhängiges Expertengremium zu machen, nur weil man in einer Sache anderer Meinung ist, halte ich für grundfalsch."

Stiko bereits aus ehemaligem Bundesgesundheitsamt erwachsen

Das damalige Bundesgesundheitsamt war 1994 infolge eines Skandals um kontaminierte Blutpräparate aufgelöst worden. Die Aufgaben der Behörde wurden auf drei Nachfolgeinstitute verteilt, darunter das Robert Koch-Institut, bei dem auch die Stiko angesiedelt ist.

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