Feldwespen umschwärmen und besetzen ihr Nest. (Foto: SWR, Klaus Müller-Williams)

Warmer Sommer

Günstige Bedingungen: Experten rechnen mit mehr Wespen in BW

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In Baden-Württemberg dürfte es dank des anhaltend warmen und trockenen Wetters bald mehr Wespen geben. Der Höhepunkt des "Wespenjahres" steht noch bevor.

Die Hitze der vergangenen Tage und Wochen in Baden-Württemberg lässt die Zahl der Wespen im Land deutlich steigen. "Das sind derzeit einfach wirklich gute Verhältnisse für die Fortpflanzung der Wespen", sagt Claudia Wild vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Sorgen mache sie sich aber nicht. Es seien zwar deutlich mehr Wespen als sonst, allerdings sei das vergangene Jahr auch sehr schlecht für die Insekten gewesen.

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Durch das warme und trockene Frühjahr konnten sich nach Angaben der Tierschützerinnen und Tierschützer viele junge Königinnen mit ihren Nestern ausbreiten, außerdem habe es im Gegensatz zum Vorjahr keine häufigen starken Regenfälle oder Fröste gegeben.

Wespen trotz schlechtem Ruf nützlich

Wespe ist nicht gleich Wespe. Von den 700 Wespenarten im deutschsprachigen Raum interessieren sich gerade mal zwei für Kaffeetisch, Grillgut oder Limonade und kommen dem Menschen dadurch nahe: die Deutsche und die Gemeine Wespe. "Ärgerlich ist es ja nur für uns. In der Natur hingegen erfüllen diese Insekten eine wichtige Aufgabe", sagt die NABU-Sprecherin. Wespen erbeuteten unter anderem Fliegen und Stechmücken, Blattläuse, Raupen und andere Insekten, um ihre Brut mit tierischem Eiweiß zu versorgen. Diese Insekten und Schädlinge bekämpft der Mensch aber gerne mit Chemie.

"Wespen sind die Gesundheitspolizei."

Wespen leisten einen wertvollen Dienst, weil sie tote Insekten in kleinen Portionen abtransportierten, sagt auch Martin Klatt, Artenschutzreferent beim NABU Baden-Württemberg. Dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) zufolge vertilgt ein kleiner Wespenstaat bis zu 3.000 Fliegen, Mücken, Raupen, Motten, Spinnen und andere Kleintiere pro Tag. Außerdem ernähren sie sich von Pflanzensäften und Obst und tragen durch Bestäubung zu einer reichen Obsternte bei.

Viele Wespen in kommenden Wochen auf Nahrungssuche

Auch in den kommenden Wochen werden in den Nestern neue Königinnen und Männchen produziert - entsprechend braucht das Volk viel Nahrung. Menschen fielen Wespen außerdem so stark auf, weil wegen der Trockenheit im August die Nahrungsvielfalt abnehme, sagt Claudia Wild vom NABU. Die Tiere schwärmten aus und bedienten sich bei den Menschen statt in der freien Natur. "Es gibt einfach viel weniger Nektar, da ist der Andrang an der Limonade dann natürlich größer", so die NABU-Sprecherin.

Hitze lässt auch Wespen leiden

Große Sommerhitze macht auch allen Hautflüglern, zu denen die Wespen gehören, zu schaffen: "Viele Arbeiterinnen sterben aus purer Erschöpfung. Wenn es sehr heiß ist, sind sie der Ventilator und müssen rund um die Uhr Luft ins Wespennest fächeln, um die Brut zu kühlen", erklärt NABU-Artenschutzreferent Klatt. Trinken sei daher auch für Wespen lebenswichtig. "Wer kann, sollte Wasserstellen im Garten oder auf dem Balkon anbieten, etwa in Form eines kleinen Teichs, einer flachen Schüssel oder eines Topfuntersetzers mit Ausstiegshilfe und Steinen oder Moos als Landeplatz."

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Höhepunkt des "Wespenjahres" im September erwartet

Laut Manfred Verhaagh, Insektenforscher und Leiter der Entomologie am Karlsruher Naturkundemuseum, wird es im September am meisten Wespen geben. Wespen entwickeln ihre Staaten über den Sommer weiter, im September sei ihre Zahl dann am höchsten, so Verhaag.

Kammerjäger James Haffenden kann das gute Wespenjahr mit Zahlen belegen. "Wir haben viel mehr Einsätze als in einem normalen Jahr", sagt der Schädlingsbekämpfer aus Edingen-Neckarhausen (Rhein-Neckar-Kreis). Das Frühjahr sei nahezu perfekt für den Nestaufbau gewesen.

Was hilft gegen Wespen?

Und was hilft, wenn Wespen zu aufdringlich werden? Sicher kein Wedeln oder Anpusten, weiß Haffenden. Wespen orientieren sich an Gerüchen und fliegen bei Wind hin und her, um eine Spur zu finden. Auch ist das Kohlendioxid in der Atemluft laut NABU ein Alarmsignal für die Tiere und versetzt sie in Angriffshaltung. Sie stechen, sobald sie sich bedroht fühlen. "Vermeiden Sie deshalb heftige Bewegungen, schlagen Sie nicht nach den Tieren", rät der Verband.

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Imker raten zum Abdecken von Speisen und zum Wegräumen von Resten, auch ätherische Öle wie Nelken oder Lavendel können helfen. "Sinnvoll kann es auch sein, Wespen durch eine abseitsstehende Flasche mit süßem Inhalt abzulenken, ihnen also einen eigenen Fressplatz einzurichten und sie so abzulenken", heißt es beim NABU. Artenschutzreferent Klatt empfiehlt, Wespen mit zerstäubtem Wasser zu besprühen. Dann fliege die Wespe zurück in ihr Nest, weil sie glaube, dass es regne.

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