Eine Essensausgabe für Schüler (Foto: SWR, Martina Klein)

Tübingen setzt auf weniger Fleisch und mehr Nachhaltigkeit

Mehr vegetarisches Schulessen? So handhaben es die Städte in BW

STAND
AUTOR/IN

An fast allen Tübinger Schulen gibt es Fleisch und Fisch künftig nur noch einmal die Woche. Im Internet wird heftig diskutiert. Andere Städte in BW setzen auf Wahlfreiheit.

Das gibt es an den Schulen in BW zu essen:

Tübingen setzt auf Nachhaltigkeit

Ab dem kommenden Schuljahr 2021/22 wird es in fast allen Schulmensen in Tübingen nur noch einmal die Woche Fleisch und Fisch geben. Anfang des Jahres hatte die Stadtverwaltung das Schulessen neu ausgeschrieben, gewonnen hat ein Stuttgarter Unternehmen, das bereits die Kindertagesstätten und einige Schulmensen in Tübingen beliefert.

Tübingen

Neuer Speiseplan für mehr Nachhaltigkeit Fleisch nur noch einmal die Woche an Tübinger Schulen

Nur noch einmal pro Woche soll es in fast allen Tübinger Schul-Mensen Fleisch oder Fisch geben. Die Stadt hatte das Schulessen neu ausgeschrieben. Das Ziel ist Nachhaltigkeit.  mehr...

Dabei setzt die Stadt Tübingen erstmals auf ökologische Vergabekriterien: Es sei das oberste Ziel, ein gesundes und leckeres Mittagessen für die Schülerinnen und Schüler zur Verfügung zu stellen, heißt es in der Ausschreibung. Dabei orientiert sich Tübingen eigenen Angaben zufolge an den Grundsätzen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Künftig soll es nur noch einmal in der Woche Fleisch und Fisch geben, das Essen soll außerdem einen festen Anteil an Bioprodukten und fair gehandelten Lebensmitteln wie Reis, Kakao oder Früchte enthalten. Außerdem muss der Caterer auf Aluminiumschalen verzichten. Auch der Wasserverbrauch des Essens spielt eine Rolle. Der Preis ist dagegen kein Bewertungskriterium mehr.

"Ziel ist es, möglichst klimafreundliche Speisepläne zu gestalten, die einen geringen CO2 -Durchschnittswert ausweisen."

Damit will die Stadt ihr Ziel erreichen, bis 2030 klimamneutral zu werden. Die neuen Essenspläne betreffen bis zu 1.700 Schülerinnen und Schüler in den 17 Grundschulmensen und drei Mensen an weiterführenden Schulen.

Essen der Zukunft Ethikrat fordert bessere Ernährung für alle

Der Ethikrat hat in der Pandemie viel Aufmerksamkeit bekommen. Wer kann wann geimpft werden? Das war eine zentrale Frage. Aber er beschäftigt sich mit noch mehr: zum Beispiel Essen  mehr...

Stuttgart macht Betreibern der Schulmensen keine Vorgaben

Anders als Tübingen handhabt es Stuttgart. Wie ein Sprecher der Landeshauptstadt dem SWR sagte, macht diese den Betreibern der Schulmensen keine Vorgaben. Es werde untersucht, wie zufrieden die Schülerinnen und Schüler mit dem angebotenen Essen seien. Dafür seien letztes Jahr 4.000 Schülerinnen und Schüler sowie 1.400 Eltern an 72 Einrichtungen der Stadt befragt worden. Sie gaben dem Geschmack und der Qualität des Schulessens sowie den Rahmenbedingungen und der Gestaltung der Essensräume lediglich die Note "befriedigend". Auf positives Echo stießen laut der Studie dagegen der Bio-Tag sowie die Aktions- und Themenwochen.

Stuttgart

Eltern und Schüler vergeben nur Note 3,2 Studie: Beim Stuttgarter Schulessen gibt es noch viel "Luft nach oben"

Knapp 4.000 Schüler und Schülerinnen und 1.400 Eltern von 72 Schulen haben sich an einer Befragung zum Schulessen in Stuttgart beteiligt. Ihr Urteil lautet: Note 3,2. Da geht noch etwas.  mehr...

Ulm setzt auf Wahlfreiheit

Ulm orientiert sich nach eigener Aussage bei allen Schulen in städtischer Trägerschaft an den Empfehlungen der DGE. Dazu gehöre auch ein reduziertes Fleischangebot von durchschnittlich einmal pro Woche. Täglich werden zwei Menüs angeboten: Ein Menü ist durchgängig vegetarisch, das zweite, das "Classic-Menü", beinhaltet sowohl vegetarische als auch Fleisch- und Fischkomponenten.

Das Essen muss außerdem zu 20 Prozent aus Bio-Produkten bestehen. Die Stadt möchte die Kinder zudem nach und nach an Vollkornprodukte gewöhnen. Künstliche Farb-, Süß- und andere Zusatzstoffe sowie Geschmacksverstärker sollen vermieden werden. Nur Produkte ohne deklarationspflichtige Zusatzstoffe gemäß der Lebensmittelverordnung sind in Ordnung. Eine Verwendung von Alkohol und Alkoholaroma muss ausgeschlossen werden. Außerdem soll sich das Mittagessen an den Gewohnheiten der Kinder orientieren.

Freiburg bietet zwei Menüs

Auch die Stadt Freiburg bietet an den Kitas, allen städtischen Grundschulen und den meisten weiterführenden Schulen eine Menülinie mit und eine ohne Fleisch an. Die Reduktion des Fleischanteils im Speiseplan erfolge schrittweise, so ein Sprecher der Stadt gegenüber dem SWR. Neben den Gesundheits- und Umweltaspekten spiele die Akzeptanz durch die Kinder und Jugendlichen eine entscheidende Rolle. An ersten Standorten gebe es jedoch bereits nur noch eine vegetarische Menülinie. Ein Teil des Essens muss außerdem bio sein, nach Möglichkeit muss der Caterer saisonales Obst und Gemüse anbieten. Außerdem werde bei bestimmten Produkten auf Güte-, Bio- und Fairtrade-Siegel sowie eine artgerechte Tierhaltung geachtet, heißt es aus Freiburg.

Konstanz setzt auf Wahlfreiheit

Auch in Konstanz haben Schülerinnen und Schüler die Wahl, ob sie ein vegetarisches Gericht essen wollen oder eines mit Fleisch. Der Caterer müsse sich an Empfehlungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung Dortmund (FKE) und der DGE halten, außerdem seien regionale Produkte gewünscht. Der Versuch, an der Gemeinschaftsschule Gebhard einen vegetarischen Tag pro Monat einzuführen, scheiterte wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Schließung der Kantinen.

Mannheim testet vegane Menülinie

In Mannheim bieten 23 von insgesamt 79 öffentlichen Schulen ihren Schülerinnen und Schülern ein Mittagessen an. Es gibt mindestens zwei Menülinien, eine davon vegetarisch und eine mit Fleisch. An den Geschwister-Scholl-Schulen (Gymnasium und Realschule) testet die Stadt gerade eine vegane Menülinie. Bei allen Gerichten müssen Milchprodukte und Eier aus Bio-Erzeugung stammen, insgesamt muss ein festgelegter Anteil der Lebensmittel bio sein. Außerdem müssen mindestens eine Sorte Tee, drei Sorten Gewürze/Kräuter sowie Reis, Linsen, Couscous, Quinoa, Bananen oder andere Südfrüchte in Fair-Trade-Qualität angeboten werden. Der Caterer muss zudem die Qualitätsstandards für die Schulverpflegung der DGE in der Fassung vom November 2020 einhalten.

Heidelberg sucht neuen Mensen-Betreiber

Heidelberg ist zurzeit auf der Suche nach einer neuen Mittagstischversorgung der Gymnasien. Die derzeitige Essensversorgung an den öffentlichen Schulen in Heidelberg orientiere sich an den Empfehlungen der DGE, so eine Sprecherin.

Qual der Wahl auch in Karlsruhe

Auch die Stadt Karlsruhe verlangt vom Betreiber der Schulmensen, die Empfehlungen der DGE einzuhalten - und damit auch die Empfehlung, Fleisch und Fisch jeweils nur einmal in der Woche anzubieten. Schülerinnen und Schüler können jeden Tag aus zwei Gerichten auswählen, eines davon durchgehend vegetarisch.

Mehr zum Thema:

Kinderernährung Gesundes Schulessen für unsere Kinder – für wenig Geld

Mit nur vier Cent mehr würde sich die Qualität des Schulessens verbessern lassen, behauptet eine Studie. In einer Schule in SWR3Land funktioniert das jetzt schon – sogar noch günstiger. SWR3-Reporter haben sich angeschaut, wie das funktioniert.  mehr...

STAND
AUTOR/IN