Rund um die Marke von zwei Euro pro Liter bewegen sich die Preise für verschiedene Benzin- und Dieselsorten an einer Tankstelle am frühen Morgen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)

Tanktourismus nach Österreich erwartet

Folgen des Russland-Ukraine-Kriegs: ADAC rechnet mit weiter steigenden Spritpreisen in BW

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Seit dem Krieg in der Ukraine sind die Benzin- und Dieselpreise an den Tankstellen in die Höhe geschnellt. Viele Kunden sind schockiert. Für Speditionsfirmen ist der Preisanstieg dramatisch.

Der Krieg in der Ukraine lässt die Preise an den Zapfsäulen in Baden-Württemberg in Rekordhöhen steigen. Der Automobilclub ADAC geht deshalb davon aus, dass der Andrang bei Tankstellen an der Grenze zunehmen dürfte.

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Die hohen Benzin- und Dieselpreise machen nicht nur den Autofahrerinnen und Autofahrern zu schaffen, sondern auch den Speditionsfirmen. Diese könnten die Preissteigerungen an ihre Kunden weitergeben.

ADAC rechnet mit mehr Tanktourismus in Österreich und der Schweiz

Der Trend zu Tankfahrten ins Nachbarland werde sich verschärfen, sagte ein Sprecher des ADAC Südbaden in Freiburg. Dies gelte für grenznahe Regionen in Deutschland genauso wie in der Schweiz. Genaue Zahlen lägen dem Verband dazu aber nicht vor, sagte der Sprecher.

Nach Angaben des ADAC mussten Autofahrer in Deutschland Mitte der Woche durchschnittlich rund 1,83 Euro für einen Liter Super E10 zahlen. In Österreich beispielsweise kostete der Liter Super demnach im Schnitt zuletzt nur 1,45 Euro. Die Preisunterschiede gehen in der Regel vor allem auf Steuern und Abgaben zurück.

Benzin und Diesel: Preisanstieg seit Weihnachten um 15 Prozent

Fest steht: Die Preise für Benzin und Diesel haben bereits in den ersten Wochen des Jahres 2022 einen steilen Anstieg hingelegt. Laut ADAC hat sich der Preis für einen Liter Super E10 in diesen zehn Wochen um 24 Cent erhöht - also ein Anstieg um 15 Prozent. Beim Diesel ging der Preis sogar um 25 Cent und damit um 16 Prozent nach oben.

ADAC: Je höher der Spritpreis in BW, desto mehr Tanktouristen gibt es

Zwar stiegen auch in Österreich die Preise wegen des Kriegs in der Ukraine, so der ADAC. Doch je mehr der Sprit in Deutschland koste, desto attraktiver werde in den Grenzregionen die Fahrt zu Tankstellen im Ausland.

Ein Grund für Preisanstieg: Unsicherheit am Rohölmarkt durch Ukraine-Krieg

Die Preise an der Zapfsäule hängen eng mit dem Preis für Rohöl an den Weltmärkten zusammen. Legt man Preisverläufe von Rohöl, Super E10 und Diesel nebeneinander, so fällt auf, dass sie seit Weihnachten einen sehr ähnlichen Verlauf genommen haben: steil nach oben.

Kostete ein Barrel Rohöl der Sorte Brent am 21. Dezember noch rund 74 US Dollar, so überstieg der Rohölpreis kürzlich die Marke von 110 US Dollar. Am Freitag (4. März) wurde ein Barrel Rohöl der Sorte Brent bereits für über 112 US Dollar gehandelt - der höchste Stand seit acht Jahren.

Einer der Auslöser des aktuellen Preisschubs am Rohölmarkt und damit auch an den Zapfsäulen in Baden-Württemberg ist der Krieg in der Ukraine. Fachleute fürchten, dass große Volkswirtschaften die Einfuhr russischen Erdöls sanktionieren - auch ein Ausfuhrstopp Russlands wird für möglich gehalten.

Komplizierte Situation auf dem Weltmarkt sorgt für knappes Rohöl

Offenbar trauen sich derzeit Händler mit Blick auf die Sanktionen nicht mehr, russisches Rohöl zu kaufen. So bleiben aktuell größere Mengen russischen Rohöls auf dem Weltmarkt unverkäuflich. Gleichzeitig hat die mächtige Organisation der Erdöl exportierenden Staaten, OPEC, erklärt, man werde kein zusätzliches Öl fördern. Damit droht Rohöl auf dem Weltmarkt knapp zu werden - und es wohl auch länger zu bleiben.

Nicht nur kann Russland die gewohnt großen Mengen Öl am Markt wohl nicht mehr unterbringen - auch die Raffinierien und Förderanlagen in Russland erhalten wegen der Sanktionen keine Ersatzteile aus dem Westen. Mittelfristig wird die Ölförderung in Russland wohl einbrechen. Und da die OPEC nicht mehr Öl fördern will, wird die Lage angespannt bleiben.

Für die Autofahrer bedeutet das weiterhin hohe Spritpreise. Es sei denn, es gibt eine schnelle Lösung zwischen Russland und der Ukraine oder andere Länder können mehr Öl fördern und liefern. Doch darauf sollte man nicht hoffen. Denn: Die Ölförderstaaten profitieren von den aktuell hohen Preisen.

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