Polizisten kontrollieren die Einhaltung der nächtlichen Ausgangsbeschränkungen in Mannheim (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa / Uwe Anspach)

Verschärfte Regeln in Corona-Hotspots

Medizinstatistiker: "Größte Zweifel, dass Ausgangssperren einen Effekt haben"

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In Hotspot-Regionen gelten in Baden-Württemberg derzeit strenge Corona-Regeln. Medizinstatistiker Gerd Antes zweifelt im SWR allerdings die Wirkung dieser Maßnahmen stark an.

Gerd Antes ist Medizinstatistiker, also jemand, der Zahlen und Daten untersucht. Am Universitätsklinikum Freiburg war er der Direktor des Deutschen Cochrane-Zentrums, das medizinische Studien wissenschaftlich prüft und auswertet. Bei den aktuellen Corona-Bestimmungen fehlen ihm die belastbaren Zahlen, Daten und Auswertungen. Denn diese könnten die Wirkung und Sinnhaftigkeit der Corona-Maßnahmen besser aufzeigen. Bei vielen Maßnahmen sei völlig unklar, was es bringt oder auch nicht bringt, sagte Antes im SWR-Interview.

Gerd Antes, Medizinstatistiker im SWR-Interview. (Foto: SWR)
Gerd Antes, Medizinstatistiker aus Freiburg.

"Wir versagen kollektiv"

Die aktuellen Maßnahmen schlagen sich noch nicht deutlich in den Zahlen durch. Die Frage sei dann allerdings nicht, woran das liege, sondern es würden härtere Maßnahmen beschlossen. Stattdessen gebe es viele Kleinigkeiten, beispielsweise das Desinfizieren von Warenkörben oder Einkaufswagen im Supermarkt, die angegangen werden müssten. In diesem Zusammenhang kritisiert Antes auch überfüllte Schulbusse: "Das ist für mich völlig unverständlich." Zudem wirft er der Bahn vor, seit Monaten systematisch die Abstandsregeln zu missachten. Es fehle eine Strategie, diese Punkte anzugehen. Er fordert:

"Wir müssen viel intensiver rangehen an das, was wir tun und versuchen es zu bewerten und dabei versagen wir kollektiv gerade gänzlich."

In Mannheim, Pforzheim und Heilbronn gilt aktuell eine nächtliche Ausgangssperre. Für Antes ist die Wirkung allerdings fraglich. "Ich habe größten Zweifel, dass die überhaupt einen Effekt haben."

Antes hat darüber live im SWR Aktuell Update gesprochen:

Beruf der Infizierten bei den Gesundheitsämtern erfassen

Es wäre wichtig zu wissen, ob bestimmte Berufsgruppen, beispielsweise Friseure oder Lehrer, besonders gefährdet sind. Es sei allerdings monatelang versäumt worden, die Daten dazu besser zu erfassen oder die vorhandenen Daten auszuwerten. Man hätte so wissen können, ob beispielsweise die Schließung von Friseurläden etwas bringt, meint der Medizinstatistiker. Er schlägt vor, man könne zusätzlich den Beruf der Infizierten bei den Gesundheitsämtern erfassen und so auszählen, welche Berufsgruppen besonders betroffen sind.

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