Hanf-Pflanze (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Hintergrund Medizinisches Cannabis: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Seit medizinisches Cannabis auf Rezept in Apotheken erhältlich ist, steigt die Nachfrage. Doch wer kann es bekommen? Wer anbauen? Und welche Regeln gelten sonst bei der Vergabe? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist medizinisches Cannabis?

Cannabis ist eine Hanfpflanze, aus der auch Arzneimittel hergestellt werden können. In Form von getrockneten Blüten oder Extrakten und als Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon sind sie in Apotheken erhältlich.

Seit wann ist medizinisches Cannabis in Apotheken erhältlich?

In Deutschland ist Cannabis seit 2011 als Bestandteil von Arzneimitteln mit Rezept zu bekommen. Am 1. März 2017 trat das sogenannte Cannabis-Gesetz in Kraft. Seitdem ist Cannabis auch in natürlicher Form, also als Cannabisblüten, in Apotheken zu bekommen. Die Kosten werden unter Umständen von den Krankenkassen übernommen. Das muss aber zuvor vom Patienten beantragt werden. Über die Dosis und die Anwendungsform entscheidet der Arzt. Die Verschreibungshöchstmenge beträgt 100 Gramm in 30 Tagen.

In welchen Fällen wird Cannabis für medizinische Zwecke verordnet?

Zum Beispiel in der Schmerztherapie bei chronischen Erkrankungen oder im Verlauf einer Krebsbehandlung mit Chemotherapie können Cannabisarzneimittel zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden. Es muss sich um eine schwerwiegende Erkrankung handeln. Cannabisarzneimittel sollen von Ärzten dann verschrieben werden, wenn keine Therapiealternative besteht.

Wird Cannabis in Deutschland angebaut?

Seit März 2017 darf Cannabis auf Rezept verordnet werden, doch musste es bisher aus dem Ausland importiert werden. Das wurde immer schwieriger, seit in Kanada und den USA die Märkte liberalisiert wurden und weltweit die Anfrage gestiegen ist.

Zukünftig soll ein staatlich überwachter Anbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken möglich sein. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte entschied im Mai 2019 endgültig, welche Firmen zukünftig Cannabis anbauen dürfen. Die erste Ernte wird 2020 erwartet.

Eine Frau in weißem Kittel schneidet mit einer Gartenschere Zweige einer Hanfpflanze ab. (Foto: Universiät Hohenheim/ Astrid Untermann)
Eine Doktorandin entnimmt Hanf-Zweige für die Arbeit im Labor. Universiät Hohenheim/ Astrid Untermann

Dürfen Patienten selbst Cannabispflanzen beispielsweise in ihrem Garten oder Gewächshaus anbauen?

Der Anbau von Cannabis ist in Deutschland grundsätzlich illegal. Nur mit einer Sondergenehmigung darf Cannabis für einen befristeten Zeitraum gepflanzt und geerntet werden. Diese Genehmigungen werden allerdings nur in seltenen Fällen, beispielsweise für Forschungszwecke, vergeben. Schmerzpatienten könnten auf gerichtlichem Weg eine Genehmigung erkämpfen, wenn das Cannabis aus der Apotheke nicht bezahlt werden kann.

STAND